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Medizin

08. Oktober 2012 Ältere Typ-2-Diabetiker - Post-hoc-Analyse: Vergleichbare Blutzuckersenkung, aber weniger Hypoglykämien unter Sitagliptin als unter Sulfonylharnstoff

Während der 48. Jahrestagung der European Association for the Study of Diabetes (EASD) in Berlin wurden aktuelle Daten aus einer Post-hoc-Analyse gepoolter Daten zur Therapie von Typ-2-Diabetikern mit Sitagliptin (Januvia®) versus einem Sulfonylharnstoff vorgestellt. Die mindestens 65 Jahre alten Patienten erzielten unter der einmal täglichen Gabe von 100 mg Sitagliptin eine vergleichbare Verbesserung der Blutzuckerkontrolle wie Patienten unter einer Therapie mit einem Sulfonylharnstoff, allerdings bei signifikant weniger Hypoglykämien.

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In Deutschland gibt es gut sechs Millionen Diabetiker. Bei 90-95% der diagnostizierten Fälle handelt es sich um einen Diabetes mellitus Typ 2. Nach Angaben der Deutschen Diabetes Gesellschaft sind knapp drei Millionen Diabetiker mindestens 60 Jahre alt. „Bei älteren Patienten mit Diabetes mellitus erschweren generelle Alterungsprozesse die Therapie. Insbesondere Hypoglykämien geben in dieser Population Anlass zur Sorge, da sie zu Schwindel, Unfällen und Stürzen führen können, die gerade für Ältere eine größere Gefahr darstellen" (1), so Dr. Barry J. Goldstein, Vizepräsident und Leiter der Bereiche Diabetes und Endokrinologie in den Merck Research Laboratories, Whitehouse Station, NJ, USA. „Daher ist eine sorgfältige Wahl der Therapieoptionen bei älteren Patienten wichtig.“

Hypoglykämien können bei älteren Patienten nicht zuletzt deshalb eine große Herausforderung darstellen, weil die Fähigkeit, die Symptome einer Unterzuckerung zu erkennen, vermindert sein kann (2). Zu den durch einen zu niedrigen Blutzuckerspiegel hervorgerufenen Symptomen zählen Nervosität, Ängstlichkeit und Unruhe, Stand- und Gangunsicherheit, Schwitzen, Müdigkeit, Verwirrtheit, Hunger und Schwindel.

Ergebnisse der Post-hoc-Analyse

In die gepoolte Post-hoc-Analyse flossen die Daten von 373 älteren Patienten ein, die eine von drei doppelblinden, klinischen Studien über mindestens 30 Wochen abgeschlossen hatten, in denen die Gabe von Sitagliptin als Monotherapie oder in Kombination mit Metformin mit der von einem Sulfonylharnstoff (Glipizid oder Glimepirid) verglichen worden war. In der Analyse wurde der Effekt von 100 mg Sitagliptin pro Tag mit dem eines dosistitrierten Sulfonylharnstoffs u. a. hinsichtlich folgender Zielparameter verglichen: Veränderung des HbA1c-Wertes gegenüber dem Ausgangswert, Nüchternblutzuckerwert, Körpergewicht und Anteil der Patienten, die eine oder mehrere Episoden einer symptomatischen Hypoglykämie erlitten.

In zwei der drei Studien hatten die nur mit Diät oder Metformin vorbehandelten Patienten über 104 Wochen randomisiert entweder 100 mg/d Sitagliptin als Monotherapie bzw. in Kombination mit Metformin oder entsprechend den Sulfonylharnstoff Glipizid erhalten. In der dritten Studie waren die Patienten über 30 Wochen randomisiert entweder mit Sitagliptin oder dem Sulfonylharnstoff Glimepirid behandelt worden. Da die dritte Studie nur 30 Wochen dauerte, fokussierte die Post-hoc-Analyse auf Ergebnisse nach ca. 30 Wochen. Der Ausgangs-HbA1c betrug in beiden Gruppen 7,5%.

Die 178 mit 100 mg/d Sitagliptin behandelten Typ-2-Diabetiker erzielten eine ähnliche Reduktion ihrer Blutzuckerwerte wie jene 195 Patienten, die einen Sulfonylharnstoff erhalten hatten. Im Mittel betrug die Reduktion des HbA1c-Ausgangswertes 0,73% unter dem DPP-4-Hemmer und 0,78% unter einem Sulfonylharnstoff.

Hinsichtlich des Hypoglykämierisikos unterschieden sich beide Therapieregime allerdings deutlich: Während nur 6,2% der mit Sitagliptin Behandelten eine oder mehrere Episoden einer symptomatischen Hypoglykämie erlitten, lag der Anteil bei den Patienten, die einen Sulfonylharnstoff erhielten, bei 28,2%.

Erst kürzlich konnte eine andere präspezifizierte Analyse einer 52-wöchigen Vergleichsstudie (3) mit prädefinierten Alterssubgruppen (< 65 und > 65 Jahre) zeigen, dass das Alter der Patienten bei einer Therapie mit Sitagliptin keinen Einfluss auf das Hypoglykämierisiko hat: Unter Glipizid war die Rate bestätigter Hypoglykämien bei den Patienten ab 65 Jahre im Vergleich zu den jüngeren um den Faktor 2 erhöht. Unter Sitagliptin war dagegen das Hypoglykämierisiko in beiden Altersgruppen ähnlich und im Vergleich zum Sulfonylharnstoff deutlich niedriger.

Sitagliptin – ein orales Antidiabetikum mit vielen Indikationen

Sitagliptin wurde 2007 als erster DPP-4-Hemmer in Deutschland zugelassen und verfügt heute innerhalb dieser Klasse über das umfassendste Indikationsspektrum bei Typ-2-Diabetes und die meisten Kombinationsmöglichkeiten mit anderen Antidiabetika. Der Wirkstoff ist in mehr als 170 Ländern zugelassen und wurde bisher mehr als 42,5 Mio. Mal verordnet. Sitagliptin ist zur Monotherapie zugelassen bei Patienten, bei denen Diät und Bewegung allein den Blutzucker nicht ausreichend senken und für die Metformin aufgrund von Gegenanzeigen oder Unverträglichkeit nicht geeignet ist. Außerdem kann Sitagliptin in Zwei- oder Dreifach-Kombinationen mit Metformin, einem Sulfonylharnstoff, einem Thiazolidin sowie in Kombination mit Insulin gegeben werden. Seit Beginn 2012 ist Sitagliptin in reduzierter Dosierung auch in allen Stadien der Niereninsuffizienz ohne Einschränkung zugelassen.

Literaturhinweise:
(1) Inzucchi S, et al. Management of Hyperglycemia in Type 2 Diabetes: A Patient-Centered Approach. Position Statement of the American Diabetes Association (ADA) and the European Association for the Study of Diabetes (EASD). Diabetes Care, June 2012: Volume 35.
(2) Chau D, et al. Clinical Management of Diabetes in the Elderly. Clinical Diabetes, October 2001: Volume 19, Number 4.
(3) Krobot KJ, et al. Lower risk of hypoglycemia with sitagliptin compared to glipizide when either is added to metformin therapy: A pre-specified analysis adjusting for the most recently measured HbA1c value. Current Medical Research & Opinion. 2012: Vol. 28, No. 8, 1-7.

Quelle: MSD


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