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Medizin

10. August 2020 Ärztlich assistierter Suizid und Ausbau der palliativmedizinischen Versorgung

Beim Deutschen Schmerz- und Palliativtag 2020, der in diesem Jahr erstmalig virtuell stattfindet, begrüßten Palliativmediziner die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom Februar dieses Jahres, die Strafbarkeit des ärztlich assistierten Suizids aufzuheben. Gleichzeitig wiesen sie darauf hin, dass die Verordnung eines Suizidmedikaments nur in Ausnahmefällen und nach eingehender Prüfung des Sterbewunsches in Frage komme. Insgesamt plädierten sie für einen Ausbau der palliativmedizinischen Versorgung, die in vielen Fällen das Leiden der Patienten so stark lindern kann, dass diese weiterleben möchten.
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Sterbewunsch reversibel?

„Bei jedem Suizidwunsch müssen wir als Ärzte zunächst klären, ob dieser Wunsch möglicherweise reversibel ist“, sagte Dr. Matthias Thöns, Facharzt für Anästhesiologie, Notfall-, Schmerz- und Palliativmedizin, Witten. Vielfach äußerten Menschen in extremen Lebenssituationen den Wunsch zu sterben. Sei die Trauer oder der Liebeskummer vorbei, erscheine das Leben wieder lebenswert. „Auch Patienten mit einem Suizidwunsch aufgrund einer psychiatrischen Erkrankung benötigen keine Suizidbeihilfe“, ergänzte Dr. Christoph Gerhard, Leitender Arzt der Abteilung für Palliativmedizin am Palliativzentrum Oberhausen.

Nur bei einem kleinen Teil der Patienten kann auch Palliativmedizin nicht helfen

Bei Patienten, die unter unheilbaren Erkrankungen und damit verbundenen Ängsten vor einem qualvollen Tod oder schweren Beschwerden leiden, sollte es im Vordergrund stehen, die Leiden zu lindern. Allein das Gespräch mit einem Palliativmediziner trage oft dazu bei, den Wunsch zu sterben zu revidieren. Lediglich bei einem kleinen Teil der Patienten könne auch die Palliativmedizin nicht helfen. In diesen seltenen Ausnahmefällen könnte ärztliche Suizidbeihilfe ein humaner Akt der Unterstützung der Patientenautonomie sein. Bei der Annahme des tödlichen Medikamentes sollte der Patienten nicht allein gelassen werden und der eigentliche Suizid sollte durch ein Palliativteam begleitet werden.

Beratung verschafft Sicherheit

Die Beratung des Patienten sowie die Verordnung eines Suizidmedikaments könnten aber auch dazu beitragen, ein Gefühl der Sicherheit zu vermitteln, so dass der Suizid letztendlich doch nicht umgesetzt wird, so Thöns. Auch Gerhard plädierte für die Verordnung entsprechender Medikamente im Einzelfall, zumal nicht-pharmakologische Suizidmethoden, wie z.B. der Bahnsuizid, meist inakzeptable soziale Nebenfolgen haben.

Palliativversorgung als Alternative aufzeigen

Neben der Angst vor einem qualvollem Tod oder schwerem Leiden seien die Angst vor Autonomieverlust oder die Angst, anderen zur Last zu fallen, weitere Gründe für den Wunsch zu sterben. „Wir Ärzte können als Vertrauensperson Alternativen aufzeigen, die die Palliativversorgung bietet. Darüber zu sprechen, nimmt vielen Patienten bereits den Druck“, so Gerhard. Aktuell sei die Palliativversorgung aber noch nicht ausreichend verfügbar. Er fordert daher beispielsweise einen verpflichtenden Palliativdienst für jedes Krankenhaus.

Hintergrund

Im Februar dieses Jahres hat das Bundesverfassungsgericht das Verbot der geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung (§217 Strafgesetzbuch) für verfassungswidrig erklärt. Die Begründung: Das im Grundgesetz garantierte allgemeine Persönlichkeitsrecht umfasse auch das Recht auf selbstbestimmtes Sterben. Dieses Recht wiederum schließe die Freiheit ein, sich das Leben zu nehmen und hierbei auf die freiwillige Hilfe Dritter zurückzugreifen. Die aktive Sterbehilfe bleibt verboten. Lediglich die passive Sterbehilfe wie der Verzicht auf lebensverlängernde Maßnahmen ist möglich, sofern es eine gültige Willenserklärung etwa in Form einer Patientenverfügung gibt. Gleichzeitig plädiert das Gericht für eine Stärkung palliativmedizinischer Behandlungsangebote, um insbesondere krankheitsbedingte Selbsttötungswünsche zu reduzieren, und regt die gesetzliche Regelung so genannter prozeduraler Sicherungsmechanismen, wie z.B. gesetzlich festgelegter Aufklärungs- und Wartepflichten, an.

Quelle: DGS


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