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Medizin

25. Mai 2012 Aktionsbündnis Schmerzfreie Stadt Münster untersucht die hausärztliche Versorgung von Schmerzpatienten

Hausärzte haben als erste Anlaufstelle eine zentrale Rolle bei der Schmerzversorgung. Im Rahmen der einzigartigen Versorgungsforschungsstudie „Aktionsbündnis Schmerzfreie Stadt Münster“ wurden daher in Kooperation mit dem Hausärzteverbund Münster (HVM) 77 Hausärzte zum Schmerzmanagement befragt. Auf die Ergebnisse folgen nun Verbesserungen wie Qualifizierungsmaßnahmen in Zusammenarbeit mit dem Hausärzteverbund und einer interdisziplinären Arbeitsgruppe.
Die Befragung ergab, dass pro Quartal rund 24 Prozent der Münsteraner Hausarzt-Patienten ihren Arzt wegen Schmerzen, hauptsächlich Rückenschmerzen, aufsuchen. Die Wirksamkeit der Schmerztherapie überprüfen über 86 Prozent der Ärzte zum Beispiel in Gesprächen oder mit Schmerzskalen. Zudem ist auch die nicht-medikamentöse Therapie von Schmerzen sehr wichtig: 84 Prozent der Ärzte verordnen Maßnahmen wie vor allem Physiotherapie. Bei der medikamentösen Schmerzbehandlung setzen Hausärzte vor allem auf Nichtopioid-Analgetika. So gaben über 96 Prozent der Ärzte an, Ibuprofen häufig oder sehr häufig einzusetzen, bei Paracetamol über 78 Prozent und bei Diclofenac gut 78 Prozent, obwohl diese Wirkstoffe für viele Patienten und insbesondere die Langzeitanwendung nicht geeignet sind. Das am häufigsten verordnete Opioid ist Morphin (34 Prozent). Modernere und besser verträgliche starke Opioide werden von den Münsteraner Hausärzten deutlich weniger eingesetzt. „Es muss aber auch beachtet werden, dass viele Patienten wegen akuter Schmerzen zum Hausarzt gehen“, räumt Professor Dr. Dr. h.c. Jürgen Osterbrink, Leiter des Aktionsbündnisses, ein. Bei diesen Patienten seien Nichtopioid-Analgetika oft Mittel der ersten Wahl.

Interprofessionelle Zusammenarbeit fördern

„Unsere Studie hat auch ergeben, dass Handlungsbedarf bei der interdisziplinären Kommunikation sowie bei den Fortbildungen besteht“, fasst Osterbrink die Ergebnisse zusammen. Zwar bestünde ein sehr guter fachlicher Austausch mit dem Palliativnetz Münster, jedoch nur ein befriedigender (Ärzte) bzw. ausreichender (Pflegende) mit dem Krankenhauspersonal. Dr. Armin Schuster, 1. Vorsitzender des Hausärzteverbunds Münster, sieht eine Verbesserungsmöglichkeit darin, die Verantwortlichkeiten in der Schmerztherapie genauer zu definieren: „Zur Schmerztherapie gehört ein gut organisiertes Case-Management, damit der Hausarzt seine Rolle als erste Anlaufstelle wahrnehmen und Schmerzpatienten schnell und unbürokratisch weiterleiten kann.“ Allerdings gebe es in Münster, wie in ganz Deutschland, nicht genügend Schmerztherapeuten oder spezialisierte Praxen, zu denen schwierige Fälle überwiesen werden könnten.

Qualifizierte Schmerztherapie ermöglichen

Deshalb sind Qualifizierungsmaßnahmen in Zusammenarbeit mit dem Hausärzteverbund geplant. „Schmerzmanagement war bis vor kurzem kein fester Bestandteil des medizinischen Curriculums. Angehende Ärzte konnten ihre gesamte Ausbildung durchlaufen, ohne sich mit dem Thema Schmerztherapie befassen zu müssen“, erläutert Osterbrink. Inzwischen hat der Bundesrat allerdings einer Änderung der Approbationsordnung zugestimmt, mit der die Schmerzmedizin zum Pflichtfach im Medizinstudium wird. In der bisherigen Ausbildung liegen auch für den Sprecher und Vorstand des Hausärzteverbunds Dr. Ralf Becker Gründe für Kompetenzlücken: „Kenntnisse der Schmerztherapie sind ein wichtiger Bestandteil der ärztlichen Praxis. Eine fundierte Aus- und Weiterbildung ist deshalb unabdinglich.“ Aus diesem Grund unterstütze der HVM qualitätsfördernde Projekte wie das Aktionsbündnis Schmerzfreie Stadt Münster und die Fortbildungen, die derzeit konkretisiert werden. Becker: „Unsere Mitglieder engagieren sich sehr, die medizinische Versorgung in Münster zu verbessern und durch regelmäßige Weiterbildung die Qualität der Behandlung zu steigern.“ Mit Hilfe von Qualitätszirkeln soll auch die Kooperation zwischen den verschiedenen Berufsgruppen gefördert werden.

Interdisziplinäre Arbeitsgruppe für ein besseres Schmerzmanagement

Neben Schulungen ist auch die Einführung einer interdisziplinären Arbeitsgruppe in Planung. Dieses Expertenteam wird gemeinsam an einem effektiven Schmerzmanagement arbeiten. Osterbrink: „Wir sind überzeugt, dass wir das Schmerzmanagement gemeinsam mit den Vertretern des Hausärzteverbunds, der Facharztinitiative sowie den anderen an der schmerztherapeutischen Versorgung Beteiligten nachhaltig verbessern können.“

Schirmherrschaft „Aktionsbündnis Schmerzfreie Stadt Münster“: Daniel Bahr, Bundesminister für Gesundheit

Kooperationspartner „Aktionsbündnis Schmerzfreie Stadt Münster“:
• Apothekerkammer Westfalen-Lippe
• Barmer GEK
• Bezirksregierung Münster
• Gesellschaft für Qualifizierte Schmerztherapie Certcom e.V.
• Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK)
• Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin e.V. (DGP)
• Deutsche Schmerzliga e.V.
• Deutsche Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V. (DGSS)
• Facharztinitiative Münster
• Hausärzteverbund Münster (HVM)
• MEDICA Deutsche Gesellschaft für Interdisziplinäre Medizin e.V.
• Palliativnetz Münster e.V.
• Praxis für ganzheitliche Schmerztherapie Münster
• Schmerztherapiezentrum Münster
• Universitätsklinikum Münster (UKM)

Das Projekt wird von der Stadt Münster sowie dem Land Salzburg unterstützt. Hauptförderer des Aktionsbündnisses ist das Unternehmen Mundipharma.
Weitere Informationen zum Projekt unter www.schmerzfreie-stadt.de

Quelle: Mundipharma


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