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Medizin

29. Juni 2012 Aktivsein im Urlaub: Besser als manche Medizin

Mit Spaß aktiv sein, vor allem im Urlaub, kann heilen. Auf diese einfache Formel bringen führende Sportwissenschaftler heute eine Vielzahl von Forschungsergebnissen über die Auswirkungen von Aktivitäten im Urlaub und im Alltag. Bewegung ist demnach bei vielen Krankheiten ein hoch wirksames Therapiekonzept. "Es scheint kaum noch eine Krankheit zu geben, bei der Bewegung nicht zumindest als ein Teil der Therapie betrachtet werden kann", sagt Professor Braumann, der Leiter des Instituts für Sport- und Bewegungsmedizin an der Universität Hamburg.

Wissenschaftler sind heute überzeugt: sinnvolle Bewegung ist für die Gesundheit wichtiger als eine gesunde Ernährung. Viele innere Erkrankungen würden verursacht, weil die am Energieumsatz beteiligten Organsysteme im menschlichen Körper gestört sind, weil wir uns zu wenig bewegen: vor allem Atmung, Kreislauf und Stoffwechsel sind dabei betroffen.

Im Alltag ist es um die Bewegung der Menschen heute allerdings schlecht bestellt: Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden ungefähr 90 Prozent des Wirtschaftsaufkommens durch menschliche Muskelkraft aufgebracht. Bis heute ist dieser Wert auf weniger als ein Prozent geschrumpft. Maschinen haben übernommen, was einst den Menschen gesund erhielt: die kräftezehrende Arbeit. Prof. Braumann: "Weil wir uns im Alltagsleben aber nicht mehr körperlich belasten müssen, erhalten die Organe nicht mehr die Reize, die sie brauchen, um ihre Funktion zu erfüllen", folgert der Sportmediziner. Betroffen sind vor allem das auf körperliche Leistung ausgelegte Herz-Kreislauf-System und die Systeme zur Bereitstellung von Energie in der Muskulatur sowie der ebenfalls auf extreme Belastungen ausgerichtete Bewegungsapparat.

Gerade deshalb ist es immer wichtiger, wenigstens in der Freizeit, vor allem aber im Urlaub den eigenen Körper mit Spaß in Schwung zu bringen. Auch deshalb gilt: Faulenzen am Strand ist der falsche Weg - und überdies oft grenzenlos langweilig.

Besonders schlimm wirkt sich bei den meisten Menschen, die körperlich wenig aktiv sind, die hohe Kalorienaufnahme aus, der kein entsprechender Verbrauch durch körperliche Anstrengung gegenüber steht. Nach jeder Mahlzeit tritt Zucker ins Blut über, die Bauchspeicheldrüse setzt Insulin frei, um diesen Zucker in die Körperzellen zu schleusen. Bei Personen, die sich kaum bewegen, sind jedoch die Energiespeicher voll. Dem Körper fehlen aber die Fähigkeiten, sich wie ein Zapfhahn bei der Tankstelle bei vollem Tank abzuschalten. Zivilisationskrankheiten sind die Folge.

20.000 Schritte pro Tag

Bewegung hilft, Diabetes positiv zu beeinflussen. Untersuchungen haben gezeigt: Wer die Zahl der im Durchschnitt täglich 5.000 Schritte vervierfacht, kann auch in seinem Körper viel Positives bewegen. Ähnliches gilt laut Prof. Braumann für Fettstoffwechselstörungen, für Rückenschmerzen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Osteoporose und für die geistige Fitness. Durch Ausdauersport, so habe sich gezeigt, lässt sich das Risiko einer koronaren Herzkrankheit innerhalb von zehn Jahren um 50 Prozent senken.

Sich bewegen im Urlaub, ist bei vielen Menschen der Anfang. Deshalb zahlen auch viele Krankenkassen Zuschüsse bei Teilnahme an Bewegungs- oder Entspannungskursen am Urlaubsort. Ob in den Ferien oder zu Hause gilt als gesunde Faustformel: "Um positive Effekte für die Gesundheit zu erzielen, sollte man etwa 300 Kalorien pro Tag zusätzlich verbrauchen", empfiehlt Prof. Braumann.

Bei Übergewicht sind Radfahren, Schwimmen und Rudern ideal

Wer Übergewicht abbauen will, sollte Ausdauerbelastungen wählen, bei denen das Körpergewicht möglichst nicht auf den Füßen und den Beingelenken lastet, etwa Radfahren, Schwimmen oder Rudern. Ansonsten bieten sich Ausdauersportarten wie Joggen, Walking und Nordic Walking, Wandern, Bergwandern und Ski-Langlauf an. Probieren Sie es in Ihrem nächsten Urlaub aus, wie viel Spaß das macht - so wie viele Tausende vor Ihnen, sagen die Experten.

Bewegung bremst auch das Altern. Eine amerikanische Studie hat nachgewiesen, dass sportlich aktive Senioren schneller denken und in vielen Situationen des Alltags auch eine bessere Reaktionsfähigkeit zeigen als inaktive Gleichaltrige. Erste deutliche Effekte zeigten sich bereits, wenn pro Übungseinheit wöchentlich zwei- bis dreimal mindestens 30 Minuten trainiert wurde.

Wie viel Kalorien welche Bewegung verbraucht:

Bewegung Kalorienverbrauch: (kcal pro 30 min)
- Radfahren (schnell: bis 25 km/h) 360
- Schwimmen (Kraul) 330
- Skilanglauf (schnell) 330
- Brustschwimmen 330
- Joggen (7 km/h) 300
- Mountainbiken 300
- Bergsteigen 290
- Skilanglauf (mäßig schnell) 285
- Tennis 275
- Inline-Skaten 250
- Treppensteigen 240
- Nordic Walking 210
- Bergwandern 210
- Radfahren (langsam bis 15 km/h) 210
- Walking 175
- Wandern 160
- Spazierengehen 90

Quelle: obx-medizindirekt


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