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Medizin

07. Juni 2018
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Aktualisierte ADHS-Leitlinien unterstreichen hohen Stellenwert der Medikation

Bei der 12th International Conference on ADHD in Berlin wurden Details aus der jetzt unmittelbar vor Publikation stehenden, neuen deutschen S3-Leitlinie zur Diagnose und Therapie von Patienten mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) vorgestellt. Genau wie die ebenfalls neue ADHS-Leitlinie des britischen NICE-Instituts empfiehlt die deutsche S3-Leitlinie einen früheren Einsatz der Pharmakotherapie als am besten evidenzbasierte Komponente einer multimodalen ADHS-Behandlung. Darüber hinaus wurde auch die Zukunft der ADHS-Therapie diskutiert. Diese, so der weitgehende Konsens, liegt in einer stärker an unterschiedlichen Biomarkern orientierten Personalisierung der Behandlungskonzepte. Dies ist jedoch noch Zukunftsmusik und wird noch einige Jahre der Forschung in Anspruch nehmen.
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Basistext
An der Erstellung der neuen deutschen S3-Leitlinie zur ADHS  waren unter Federführung von DGKJ, DGKJP und DGPPN insgesamt 26 Fachgesellschaften, Berufsverbände und Arbeitsgemeinschaften beteiligt. Es handelt sich um die erste deutsche Leitlinie, die übergreifend sowohl die ADHS bei Kindern und Jugendlichen als auch die ADHS im Erwachsenenalter adressiert. Bei der von Medice unterstützten 12th International Conference on ADHD* gab Prof. Dr. Manfred Döpfner, Köln, einen ersten Überblick über die in der neuen Leitlinie empfohlenen diagnostischen und therapeutischen Strategien und stellte Unterschiede zu den bisherigen Empfehlungen heraus.

Pharmakotherapie als Erstlinientherapie schon bei moderater ADHS

Neben vielen anderen Aspekten beschäftigt sich die Leitlinie mit der Frage, wer ADHS bei Kindern und Jugendlichen diagnostizieren sollte. Hier plädiert die überwiegende Mehrheit der Experten für eine Diagnose durch einen Kinder- und Jugendpsychiater, einen Kinder- und Jugendpsychotherapeuten oder einen Kinderarzt mit spezieller Expertise im Bereich ADHS. Bei einem erwachsenen Patienten mit Verdacht auf ADHS sollte die Diagnose demnach durch einen Psychiater, einen Neurologen, einen Facharzt für Psychosomatik oder einen Psychotherapeuten gestellt werden.

Der verabschiedete deutsche Therapiealgorithmus unterscheide – anders als die neue britische NICE-Guideline – zwischen Patienten mit leichter, moderater oder starker Symptomatik, erläuterte Döpfner in Berlin. Bei leichter Symptomatik wird bei entsprechender Indikation und Patientenpräferenz in erster Linie zu einer psychosozialen Intervention auf verhaltenstherapeutischer Basis geraten. Bei moderater Symptomatik kann dagegen künftig auch sofort zur Pharmakotherapie gegriffen werden. „Das ist ein Unterschied zu den bisherigen Empfehlungen, die bei milder bis moderater Symptomatik primär eine psychosoziale Intervention vorsahen“, so Döpfner. Es gebe also einen Trend, die Pharmakotherapie im Therapiealgorithmus ein Stück weiter nach vorne zu rücken.

Dieser sei noch deutlicher in der Anfang 2018 publizierten britischen NICE-Guideline, betonte Prof. Dr. Chris Hollis, Nottingham (UK).  In den NICE-Empfehlungen stehe – im Anschluss an eine auf ein bis zwei Behandlungssitzungen beschränkte Psychoedukation zu ADHS – die medikamentöse Behandlung sowohl bei Kindern und Jugendlichen ab 5 Jahren als auch bei Erwachsenen an erster Stelle. Lediglich bei den unter 5-jährigen Kindern wird von Medikamenten abgeraten und primär ein auf die Eltern fokussierendes Gruppentraining bzw. individuelles Training empfohlen.
 
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