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Medizin

05. Oktober 2016 Aktuelle Stadieneinteilung Hyperurikämie – Referenzwert ist nicht Zielwert

Die Symptomatische Hyperurikämie ist die häufigste Form einer Arthritis, von der 1,4% der Deutschen betroffen sind. Obwohl das Risiko für die Erkrankung positiv mit dem Uratspiegel korreliert ist, werden viele Patienten nicht oder nicht richtig auf den Harnsäurezielwert von ≤ 6 mg/dl (≤ 360 μmol/l) behandelt. Grund dafür ist in vielen Fällen, dass der in den Laborbefunden angegebene Referenzwert zu hoch ist, um die Krankheit in Remission zu bringen und somit auch möglichen Folgeerkrankungen entgegen zu wirken. Wann eine Therapie auf den Zielwert angezeigt ist, verdeutlicht Prof. Dr. Monika Reuss-Borst, Bad Kissingen, deshalb anhand der kürzlich publizierten Stadieneinteilung zur Gicht von Dalbeth et al (1). Bei der Behandlung von Patienten mit Symptomatischer Hyperurikämie sollte darüber hinaus beachtet werden, dass sich in Studien Febuxostat effektiver erwies als Allopurinol.

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Fachinformation

Symptomatische Hyperurikämie: Therapie auf den Zielwert von 6 mg/dl unerlässlich

Der in den Laborbefunden angegebene Referenzwert richtet sich danach, welche Studie der jeweilige Gerätehersteller hierfür heranzieht und kann somit von Labor zu Labor schwanken. Im Gegensatz dazu ist der Harnsäure-Zielwert von ≤ 6 mg/dl (≤ 360 μmol/l) nicht variabel. Er richtet sich nach dem Sättigungspunkt von Mononatriumurat bei 37 Grad Celsius, der bei 6,8 mg/dl liegt. "Oberhalb dieser Konzentration kristalliert die Harnsäure im Gewebe aus, nur unterhalb davon bleibt sie in Lösung", erklärt Prof. Dr. Reuss-Borst.

EULAR: Therapie auf Zielwert 6 mg/dl ab erstem Gichtanfall

Deshalb befürworten sowohl die angekündigten neuen Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Rheumatologie (EULAR 2014) (2) als auch die der Amerikanischen Gesellschaft für Rheumatologie (ACR 2012) (3) nach dem ersten Gichtanfall eine harnsäuresenkende Therapie auf einen therapeutischen Zielwert von ≤ 6 mg/dl (≤ 360 μmol/l), in besonders schweren Fällen sogar von ≤ 5 mg/dl (≤ 300μmol/l). Empfohlen werden hierfür von der ACR die Xanthinoxidasehemmer Allopurinol oder Febuxostat. Nach den neuen EULAR-Richtlinien ist bei nierengesunden Patienten Allopurinol Erstlinientherapie. Febuxostat wird dagegen insbesondere bei niereninsuffizienten Gichtpatienten empfohlen, bei denen besonders niedrige Harnsäurespiegel angezeigt sind. Febuxostat kann bei leicht bis moderat eingeschränkter Nierenfunktion ohne Dosisanpassung eingesetzt werden.

Aktuelle Publikation: Bei Kristallablagerungen Therapie auf Zielwert

Anhand der jüngst von Dalbeth et al. (1) publizierten Stadieneinteilung verdeutlicht Reuss-Borst, wann eine Therapie auf den Referenzwert der Labore ausreichend sein kann. Bei Patienten mit asymptomatischer Hyperurikämie liegen der Studie zufolge zwar erhöhte Harnsäurewerte, jedoch keine Ablagerungen von Mononatriumurat-Kristallen oder Gicht-Symptome vor (Stadium A). Bei diesen Patienten genügt laut Reuss-Borst eine Einstellung auf den Referenzwert. Ob dies beim Stadium B noch ausreichend ist, stellt sie jedoch in Frage. Dieses ist definiert als mit bildgebenden Verfahren erkennbare Mononatrium-Kristallablagerung, allerdings weiterhin ohne Vorliegen von Gicht-Symptomen. Bereits in diesem Fall plädiert die Rheumatologin dafür, auf den Zielwert von ≤ 6 mg/dl (≤ 360 μmol/l) zu therapieren. Manifestieren sich neben den Mononatrium-Kristallablagerungen eine Symptomatische Hyperurikämie und Gichtanfälle (Stadium C) oder werden diese noch von Komorbiditäten begleitet (Stadium D), sei eine Therapie auf den Zielwert von 6 mg/dl dann ohnehin unerlässlich.

Symptomatische Hyperurikämie in Remission bringen


"Durch die langfristige effektive Harnsäuresenkung auf den Zielwert von ≤ 6 mg/dl kann die Kristallbildung gehemmt werden, Tophi können sich auflösen und weitere Gichtanfälle können verhindert werden, ebenso wie die Progredienz der Gelenkdestruktionen und der Arthrose. Außerdem werden Komorbiditäten positiv beeinflusst", fasste Reuss-Borst die Vorteile einer dauerhaften harnsäuresenkenden Therapie zusammen, mit der die Symptomatische Hyperurikämie in eine Remission gebracht werden kann. "Bei vorliegender Therapieindikation ist der Zielwert ≤ 6 mg/dl entscheidend, nicht der Referenzwert. Der Serumharnsäurespiegel muss effektiv gesenkt werden", so die Expertin. Dabei erwies sich in zahlreichen Studien der selektive Nicht-Purin-Xanthinoxidasehemmer Febuxostat effektiver als Allopurinol.

Literaturhinweise:
(1) Dalbeth N, Stamp L (2014), Ann Rheum Dis. Sep;73(9):1598-600
(2) Richette P et al Ann Rheum Dis 2014, 73
(3) Khanna D et al. Arthritis Care Res 2012, 64: 1447-1461

Quelle: Berlin Chemie


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