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Medizin

28. Mai 2020 Aktuelle Versorgungssituation von COVID-19-Patienten: Ultraschall als erste Bildgebung

Lungenultraschall, der standardisiert zur Diagnostik eines Pneumothorax oder bei Atemnot durch Herzinsuffizienz eingesetzt wird, kann auch bei COVID-19-Patienten eingesetzt werden: Aufgrund ihrer spezifischen Ausprägungen im Lungengewebe lässt sich eine COVID-19-induzierte Pneumonie mit Hilfe des schonenden und nicht-ortsgebundenen Lungenultraschalls sehr gut diagnostizieren. Experten berichteten über ihre Erfahrungen, die Chance zur Früherkennung und die Vorteile gegenüber der Computertomographie (CT).  
 
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Fachinformation
Umfangreicher Schutz des medizinischen Personals nötig

Mit der SARS-CoV-2-Pandemie wurde deutlich, dass Gesundheitssysteme bei einem Massenanfall schwerstkranker Patienten an ihre Belastungsgrenze stoßen können. Der Gleichzeitigkeitsfaktor, also die Situation, dass mehrere Patienten zur selben Zeit eine umfangreiche Betreuung benötigen, birgt ein hohes Überlastungsrisiko. Auch der Mitarbeiterschutz musste den Gegebenheiten angepasst werden: „Jede Maßnahme an Patienten, die möglicherweise an COVID-19 erkrankt sind, darf nur mit einer umfangreichen Schutzausrüstung vorgenommen werden“, sagte Prof. Dr. med. Josef Menzel, Direktor der Medizinischen Klinik II im Klinikum Ingolstadt und Neupräsident der DEGUM.

Intensive Überwachung ausgeprägter Lungenveränderungen

Der Nachweis von pulmonalen Infiltraten zusammen mit der klinischen Symptomatik und den typischen Laborparametern führt zu einer Steuerung der Patienten in verschiedene Behandlungsbereiche (Intensivstation, Intermediate Care, Normalstation). Besonders tückisch an COVID-Infektionen ist die Tatsache, dass Patienten mit stabiler klinischer Symptomatik, aber ausgeprägten Lungenveränderungen sehr schnell dekompensieren können. „Diese Patienten bedürfen daher einer besonders intensiven Überwachung, um rechtzeitig die richtigen Schritte einzuleiten. Daher kommt der bildgebenden Diagnostik eine große Bedeutung zu“, so Menzel.  Hier kann insbesondere im Bereich der Notaufnahmesituation der thorakale Ultraschall sehr deutlich pulmonale Veränderungen, die bis an die Thoraxwand heranreichen, wichtige Weichenstellungen liefern.

Transport kritischer Patienten zum CT problematisch

Im Intensivbereich benötigen beatmete Patienten abhängig von der klinischen Situation gelegentlich ebenfalls eine bildgebende Diagnostik. Die Computertomographen sind üblicherweise nicht auf den Intensivstationen verfügbar, insofern sind aufwendige Lagerungs- und Transportmaßnahmen dieser kritischen Patienten erforderlich. Das Team, das den Transport vornimmt, muss ebenfalls Komplettschutz anlegen. Das bedeutet nicht nur einen erheblichen Zeitaufwand (ca. 30 Minuten pro Patient), sondern ist aufgrund gravierender Engpässe bei der Schutzkleidung gar nicht immer möglich. Auch hier kommt dem vor Ort durchgeführten Lungenultraschall eine große Bedeutung zu. Bei sehr instabilen Patienten kann auf eine CT-Bildgebung nicht zurückgegriffen werden, da der Transport und die Umlagerung vom Patienten nicht toleriert würde. Somit hat die Sonographie einen sehr hohen Stellwert in der Bildgebung auf der Intensivstation. Die Thoraxsonographie ist schnell und direkt am Intensivbett einsetzbar und beliebig oft wiederholbar. Die typischen peripheren Infiltrate, die bei einer COVID-19-Infektion auftreten, lassen sich zuverlässig erfassen und im Verlauf sonographisch beurteilen. Das Zusammenspiel aus der klinischen Symptomatik und den erfassten sonographischen Pathologien, ermöglicht eine verbesserte Einschätzung über den Verlauf der Erkrankung. Bei Bedarf kann die Sonographie auch bei Interventionen am Intensivbett eingesetzt werden. In Kombination mit der klinischen Symptomatik und der Lungensonographie kann die Entscheidung für oder gegen weitergehende Maßnahmen getroffen werden. Lungenultraschall ist also schnell, einfach, sicher und mit deutlich weniger logistischem Ressourcenverbrauch verbunden.

 Wann CT, wann Ultraschall?                                                                                                               

Unabhängig von COVID-Infiltrationen erkennt der Lungenultraschall auch andere zugrunde liegende Lungenerkrankungen, die der Patient möglicherweise aufweist. Grundsätzlich gilt hier: „Alles, was im Zentrum liegt, erfasst die CT besser; die Peripherie sieht man besser mit dem Ultraschall“, sagte Prof. Dr. med. Dirk-André Clevert, Oberarzt im Klinikum der Universität München-Großhadern, Institut für Klinische Radiologie - Interdisziplinäres Ultraschall-Zentrum, Leiter der Sektion Radiologie der DEGUM.

Das sich bei schlechtem COVID-19-Verlauf ansammelnde Lungenwasser ist im Ultraschall sehr gut erkennbar. Ein weiterer Vorteil: Der Ultraschall ist strahlungsfrei, kann also wiederholt mehrfach am Tag eingesetzt werden.

SM

Quelle: Webinar „COVID-19-Lungenentzündung: Chancen und Möglichkeiten des Lungenultraschalls“, 26.05.2020; Veranstalter: DEGUM


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