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Medizin

31. Mai 2012 Akustische CR-Neuromodulation: Überzeugend in Studien und in der Praxis

„Die Akustische CR®-Neuromodulation ist ein riesiger Fortschritt in der Tinnitus-Therapie und bietet Patienten mit chronisch subjektivem Tinnitus gute Chancen auf eine substanzielle Verbesserung ihrer Symptomatik“, so das Resümee von Universitäts-Professor Dr. Kai Helling, Leitender Arzt der Römerwallklinik, Fachklinik für HNO-Erkrankungen in Mainz, im Rahmen eines Expertengesprächs. Die Therapie bewährt sich bereits seit mehr als zwei Jahren in der klinischen Praxis und hat überzeugende Studienergebnisse gezeigt (1). Eine kürzlich erschienene Publikation gibt nun zusätzliche Einblicke in die Wirkweise der Coordinated Reset (CR)-Neuromodulation (2).

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Fachinformation

Eine effektive Desynchronisation und ein Verlernen von pathologisch neuronaler Synchronität und Konnektivität in entsprechend betroffenen Zielregionen des Gehirns ist das Ziel der CR-Neuromodulation. Basis des Therapieansatzes ist die Erkenntnis, dass chronisch subjektiver Tinnitus durch eine (partielle) Deafferentierung induziert wird. Infolge dessen kommt es zur Ausbildung krankhafter neuronaler Synchronisation in auditorischen und nicht-auditorischen Hirnarealen sowie neuronalen Reorganisationsvorgängen. Eine aktuelle theoretische Publikation untermauert nun die klinischen Daten zur CR-Neuromodulation (2): In Simulationen konnte gezeigt werden, dass das Konzept der CR-Neuromodulation seine Wirkung sehr robust über ein breites Spektrum unterschiedlicher Stimulationsstärken erreicht, unabhängig davon ob direkt elektrisch, indirekt-inhibitorisch, indirekt-exzitatorisch oder ein Netzwerk mit gemischter Topologie (inhibitorisch/exzitatorisch) stimuliert wird. Diese Ergebnisse wurden in zwei sehr unterschiedlichen Modellen neuronaler Netzwerke konsistent gezeigt. Gesunde Neuronennetzwerke werden von der Therapie nicht beeinflusst. „Die Ergebnisse verdeutlichen, dass es für die positiven therapeutischen Effekte keine Rolle spielt, ob die betroffenen Nervenzellen direkt gereizt werden oder über Nervenfasern, die die Signale weiterleiten“, erläutert Professor Dr. Dr. Peter Tass, Direktor des Instituts für Neurowissenschaften und Medizin am Forschungszentrum Jülich. „Die CR-Technologie erzielt ihre Wirkung, unabhängig davon, ob die Reize elektrisch, also über implantierte Elektroden, oder nicht-invasiv, etwa über akustische Reize wie bei der Tinnitusbehandlung, verabreicht werden, was auch die Daten der RESET-Studie eindrücklich in der klinischen Praxis nahelegen.“

Effektiv, sicher und gut verträglich


Die RESET-Studie zeigte, dass die Akustische CR-Neuromodulation sowohl die Symptome bei chronisch-tonalem Tinnitus verringerte, als auch die krankhaft erhöhte neuronale Synchronisation in Tinnitus-assoziierten Hirnarealen deutlich reduzierte (1) Bereits nach zwölf Wochen Therapieanwendung zeigten voxelbasierte Hirnstrom-Analysen signifikant positive Effekte der Therapie auf elektroenzephalografische (EEG-)Spektren als Biomarker. Es zeigte sich eine deutliche Rückbildung der pathologischen Hirnrhythmen – eine signifikante Abnahme der pathologischen Synchronisation in Delta, Theta und Gamma bei gleichzeitiger signifikanter Erholung des physiologischen Alpharhythmus – sowie eine signifikante Rückbildung der pathologischen Interaktion zwischen auditorischem Cortex und nicht-auditorischen Arealen. Im gleichen Zeitraum konnten signifikante Verbesserungen in allen untersuchten klinischen Tinnitus-Parametern (VAS Lautheit und Belastung, Tinnitus-Fragebogen nach Goebel & Hiller, 1994) gezeigt werden. Über den Verlauf von insgesamt zehn Monaten stabilisierten und verbesserten sich diese Effekte. Die Behandlung mit der Akustischen CR-Neuromodulation erwies sich dabei als sicher und gut verträglich.


Zur Anwendung der Akustischen CR-Neuromodulation in der Praxis wird zunächst das Tinnitus-Profil des Patienten bestimmt. „Anschließend wird für jeden Patienten individuell das CR-Therapiesignal berechnet, das an die dominante Tinnitusfrequenz und das Hörvermögen angepasst ist“, erläutert Professor Helling, der in seiner Klinik bereits seit fast zwei Jahren mit der CR-Therapie arbeitet. Auf einem tragbaren Schallgenerator, dem T30 CR-Neurostimulator, werden die CR-Therapiesignale dann programmiert und über medizinische Kopfhörer täglich vier bis sechs Stunden appliziert. „Meine Patienten empfinden die Therapiesignale als sehr angenehm, sie fühlen sich dadurch in der Regel in keiner Weise eingeschränkt“, berichtet Helling aus seiner Erfahrung. Drei Viertel der für die Therapie geeigneten Patienten hätten davon deutlich profitiert, bei einigen sei der Tinnituston phasenweise sogar verschwunden. „Ich halte die Akustische CR-Neuromodulation für eine echte Innovation – sie eröffnet eine neue Dimension in der Tinnitustherapie“, so das Resümee des Experten.

Literaturquellen:
(1) Tass PA et al.: Counteracting tinnitus by acoustic coordinated reset Neuromodulation. Restorative Neurology and Neuroscience 30, 2, 2012, 137-159.
(2) Popovych OV; Tass PA: Desynchronizing Electrical and Sensory Coordinated Reset Neuromodulation. Front. Hum. Neurosci. 2012 (6:58). doi:10.3389/fnhum.2012.00058.

Quelle: 83. Jahresversammlung der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e.V. in Mainz


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