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Medizin

05. März 2013 Allergische Rhinitis: Alles andere als eine Bagatellerkrankung

Die allergische Rhinitis (AR) ist eine der häufigsten chronischen Erkrankungen überhaupt - mit steigender Tendenz. Nicht oder nur unzureichend behandelt kann die Erkrankung die Lebensqualität, die Leistungsfähigkeit und die Arbeitsproduktivität der betroffenen Patienten erheblich beeinträchtigen und stellt somit auch eine hohe gesundheitsökonomische Belastung dar (1). Nicht zu unterschätzen sind weiterhin die gesundheitlichen Auswirkungen der AR.

Unbehandelt kann die Allergische Rhinitis zu Folgeerkrankungen wie Asthma bronchiale führen. Aktuelle Studiendaten bestätigen die vielfältigen Auswirkungen der AR auf Lebensqualität und Produktivität und weisen darauf hin, dass die Behandlung noch verbesserungsbedürftig ist - vor allem in Bezug auf eine schnelle und effektivere Linderung der nasalen und okularen Symptome (2,3).

Die allergische Rhinitis ist extrem häufig: Weltweit sind rund 500 Millionen Menschen erkrankt; die Prävalenz steigt in den meisten Industrieländern an (4). Klinisch wird die AR als eine symptomatische Erkrankung der Nase definiert, die durch eine IgE-vermittelte Entzündung der Nasenschleimhaut nach Kontakt mit Allergenen ausgelöst wird (5). In der Vergangenheit wurde die AR unterteilt in eine saisonale Form (SAR) und eine perenniale (ganzjährige) Form (PAR), die durch Allergene im häuslichen Bereich oder am Arbeitsplatz hervorgerufen wird (1). Diese strenge Unterteilung wurde inzwischen weitgehend aufgegeben, da saisonale Allergene nahezu das ganze Jahr über auftreten und auch die Konzentrationen perennialer Allergene saisonal schwanken können. Nach der aktuellen WHOKlassifizierung unterscheidet man heute zwischen intermittierender und persistierender AR. Die beiden Formen lassen sich durch die Dauer der Symptome voneinander abgrenzen: Sind die AR-Beschwerden an mehr als 4 Tagen/Woche oder an mehr als 4 Wochen/Jahr vorhanden, so handelt es sich um eine persistierende AR.
 

AR: Eine Erkrankung mit schweren, aber potenziell vermeidbaren Folgen

Laut der Europäischen Stiftung für Allergieforschung (ECARF) ist die allergische Rhinitis eine häufige und unterschätzte chronische Atemwegserkrankung mit gravierenden körperlichen, sozialen und psychologischen Konsequenzen. Die nasalen und okularen Beschwerden erstrecken sich auf nahezu alle relevanten Lebensbereiche. Eine unkontrollierte AR beeinträchtigt die Lebensqualität, reduziert die Leistungsfähigkeit in der Schule und am Arbeitsplatz und begünstigt die Entwicklung von Asthma bronchiale. Patienten mit mäßiger bis schwerer PAR sind in ihrer Lebensqualität ähnlich stark eingeschränkt wie Patienten mit Asthma (6). Eine inadäquat behandelte AR hat auch eine erhebliche sozioökonomische Bedeutung. Die Kosten durch Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit von allergischen Patienten werden in Europa auf 100 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt (7).

Die Behandlung der AR kann sich mitunter schwierig gestalten: Zum einen zeichnet sich eine Verlagerung von leichten AR-Formen hin zu moderaten bis schweren Formen. Einer europäischen Umfrage zufolge leiden 67,2% der AR-Patienten an moderaten oder schweren Symptomen; 42,5% haben eine persistierende Symptomatik8. Zum anderen scheinen auch Mischformen und behandlungsresistente Phänotypen zuzunehmen. So haben etwa 20% der ARPatienten schwere chronische Erkrankungen der oberen Atemwege (SCUAD, severe chronic upper airway diseases) (9). Ein „Etagenwechsel“ ist häufig: Etwa jeder vierte Patient mit langjähriger AR entwickelt ein Asthma (1).

Hoher Bedarf für neue, effektivere Therapiekonzepte

Zwei aktuelle Studien beleuchteten die gängigen AR-Therapien und stießen dabei auf deutlichen Verbesserungsbedarf (2,3). Die in Großbritannien durchgeführte „SAR-Patientenstudie“ mit 1.000 SAR-Patienten (254 Patienten mit milden und 746 mit moderaten/schweren Symptomen) ergab, dass eine leichte SAREpisode durchschnittlich 9,8 Tage dauert; bei schwerer Symptomatik leiden die Betroffenen sogar 12,5 Tage unter den AR-Beschwerden (2). Laut Empfehlungen der Leitlinien reicht eine Therapiedauer von 14 Tagen zumeist aus, um die Effektivität einer SAR-Medikation zu testen. Nahezu alle moderat/schwer betroffenen Patienten verwendeten spezifische AR-Medikamente, am meisten orale Antihistaminika und intranasale Steroide. Um die Effektivität der Therapie zu erhöhen und die Symptomkontrolle zu verbessern, setzten 70,5% der moderat/ schwer von SAR Betroffenen und 56,1% der leicht Betroffenen mindestens zwei Präparate ein (2). Drei Viertel der Patienten, die zugleich an Asthma erkrankt waren (n=327), berichteten eine Verschlechterung der Asthma-Symptome durch die AR. Patienten mit moderater/schwerer Symptomatik hatten SAR-bedingt 4,1 Arbeitsunfähigkeitstage pro Jahr und fühlten sich in ihrer Produktivität an 37,7 Tagen pro Jahr eingeschränkt. Bei über der Hälfte von ihnen sank die Arbeitsproduktivität um mindestens 40% (2).

Patientenpräferenzen an die SAR-Behandlung

In einer zweiten Studie wurde bei der gleichen Studienpopulation gezielt die Präferenz der 1.000 SAR-Patienten für die AR-Behandlung untersucht (3). Zu diesem Zweck wurde eine deskriptive Untersuchung, ein sogenanntes „Discret Choice Experiment“ (DCE) durchgeführt, in dessen Rahmen auch die Zahlungsbereitschaft der Patienten für eine verbesserte Therapie abgefragt wurde. Hierfür wurden verschiedene Faktoren zugrunde gelegt: maximale Symptomlinderung, Dauer bis zum Wirkeintritt, Nebenwirkungen, Applikationsform, Anzahl der Tagesdosen sowie (unter der Annahme die Therapie selber zahlen zu müssen) die Höhe der monatlichen Therapiekosten. Das Ergebnis: Die Patienten bevorzugten eine Behandlungsoption, mit der sie die nasalen und okularen SAR-Symptome effektiv und schnell in den Griff bekommen können. Besonders wichtig war ihnen, dass sie unter der Behandlung eine vollständige oder mindestens eine substanzielle Symptomlinderung erreichen (3).

Fazit für die Praxis

Die allergische Rhinitis ist keine Bagatellerkrankung und kann unbehandelt zu schwerwiegenden gesundheitlichen, beruflichen und sozialen Folgen führen. Daher haben für Patienten mit dieser Erkrankung eine hohe Wirksamkeit und ein schneller Wirkeintritt der Therapie sowie eine möglichst vollständige Symptombefreiung die höchste Priorität. Um die Versorgung der betroffenen Patienten zu verbessern und den sozioökonomischen Druck zu reduzieren, werden neue Behandlungsstrategien benötigt, die sowohl die nasalen als auch die okularen Symptome schneller und effektiver vermindern. Ein solch neues Therapieprinzip wurde kürzlich im Journal of Allergy and Clinical Immunology beschrieben: Die ersten Studien des neuen Produktes (MP29-02) zur Behandlung der Allergischen Rhinitis zeigen, dass dieses alle nasalen Symptome signifikant stärker lindert als die Monotherapie mit nasalem Glukokortikoid oder Antihistaminikum (10). Darüber hinaus trat die Verbesserung der Symptome früher auf als bei der Therapie mit den einzelnen Wirkstoffen (10).

Literaturhinweise:
(1) Bachert C et al. Allergo J 2003; 12: 182-194
(2) Pitman R et al. Poster presented at EAACI 2012, Genf/Schweiz
(3) Acaster S et al. Poster presented at EAACI 2012, Genf/Schweiz
(4) Bousquet J et al. Allergy 2007; 63: 8-160
(5) Bousquet J and the ARIA Workshop Group. J Allergy Clin Immunol 2001; 108: 147-333
(6) Bousquet J et al. J Allergy Clin Immunol 1994; 94 (2 Pt 1): 182-188
(7) http://www.ecarf.org/de/die_stiftung/ueber_uns/warum_eine_allergiestiftung.html
(8) Canonica GW et al. Allergy 2007; 62 (Suppl 85): 17-25
(9) Bousquet J et al. J Allergy Clin Immunol 2009; 124: 428-433
(10) Carr W et al. J Allergy Clin Immunol 2012; 129: 1282-1289

Quelle: MEDA Pharma


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