Montag, 6. April 2020
Navigation öffnen

Medizin

13. Dezember 2012 Alte Antipsychotika Mepazin und Thioridazin hemmen MALT1/ Einsatz bei diffus-großzelligen B-Zell-Lymphomen?

Das Team um Daniel Krappmann entdeckte eine neue, unerwartete Wirkung von Medikamenten, die bereits seit den 1950er Jahren gegen psychotische Störungen eingesetzt werden. In bösartigen Lymphomen hemmen diese Antipsychotika das Enzym MALT1 und führen dadurch zum Absterben der Krebszellen. Dieser neue Ansatz zur Behandlung einer aggressiven Form von Lymphdrüsenkrebs erscheint in der Dezemberausgabe von Cancer Cell.

Anzeige:

Die seit den 1950er-Jahren bekannten Antipsychotika Mepazin und Thioridazin* hemmen die Protease MALT1 und entfalten damit eine neue, spezifische Antitumorwirkung in einer hochmalignen Untergruppe von diffus großzelligen B-Zell-Lymphomen. Diese überraschende Entdeckung veröffentlichen die Wissenschaftler um Dr. Daniel Krappmann, Leiter der Abteilung Zelluläre Signalintegration am Institut für Molekulare Toxikologie und Pharmakologie jetzt in Cancer Cell. Das diffus großzellige B-Zell-Lymphom ist eines der häufigsten malignen Lymphome, so dass ein dringender klinischer Bedarf für die Entwicklung wirksamer Medikamente besteht.

Daniel Nagel vom Helmholtz Zentrum München und Erstautor der Studie testete in der Screening Unit des Leibniz-Instituts für Molekulare Pharmakologie (FMP) etwa 18 000 Substanzen aus der ChemBioNet Sammlung auf ihre Fähigkeit die MALT1-Protease zu hemmen. Unter den gefundenen Verbindungen gehörten die bekannten Antipsychotika Mepazin und Thioridazin zu den besten MALT1-Hemmstoffen. Präklinische Tests zeigen, dass die Hemmung der MALT1 Protease das Absterben der Tumorzellen auslöst. Die Ergebnisse eröffnen Möglichkeiten für klinische Tests zum Einsatz von Mepazin und Thioridazin in einer zielgerichteten Behandlung von Lymphompatienten. Die präklinischen Studien entstanden in enger Kooperation mit dem Institut für Molekulare Immunologie am Helmholtz Zentrum München, der Charité  Universitätsmedizin Berlin und der Philipps-Universität Marburg.

„Es ist ein enormer Vorteil, dass beide Substanzen lange im klinischen Einsatz waren“, so Daniel Krappmann, der Leiter der Studie. „So sind viele Nebenwirkungen gut untersucht und das ermöglicht es uns, schneller klinische Studien einzuleiten. Es ist noch ein langer Weg, sollte sich aber der positive Effekt auch in Patienten bestätigen, könnte unsere Arbeit tatsächlich richtungsweisend für ein neues, personalisiertes Behandlungskonzept bösartiger Lymphome sein.“ Da unterschiedliche Mechanismen für die antipsychotischen Effekte und die Antitumorwirkung von Mepazin und Thioridazin verantwortlich sind, zielen weitere Arbeiten nun auch auf die Entwicklung neuer Wirkstoffe. Spezifische MALT1-Hemmstoffe ohne antipsychotische Nebenwirkungen könnten die Behandlungschancen von Lymphompatienten stark verbessern.

Mepazin und Thioridazin waren untern den Namen Pactal und Mellaril wurden ab den 1950er Jahren als antipsychotische Arzneimittel der ersten Generation eingesetzt. Mellaril/Thioridazin ist bis heute für die Behandlung chronisch-psychotischer Patienten zugelassen.

Literaturhinweis:
Nagel D. (2012), Pharmacologic Inhibition of MALT1 Protease by Phenothiazines as a Therapeutic Approach for the Treatment of Aggressive ABC-DLBCL. Cancer Cell, Volume 22, Issue 6, 11 December 2012, Pages 825–837.
http://dx.doi.org/10.1016/j.ccr.2012.11.002

Quelle: Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt


Stichwörter

Das könnte Sie auch interessieren

Jeder vierte Patient erhält die Diagnose bereits als Kind

Jeder vierte Patient erhält die Diagnose bereits als Kind
© magicmine / Fotolia.com

„In Deutschland sind etwa 400.000 Menschen von den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) Morbus Crohn und Colitis ulcerosa betroffen“, sagt der CED-Experte der niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte, PD Dr. Bernd Bokemeyer. „Die Diagnose wird bei etwa einem Viertel der Patienten schon vor dem 18. Lebensjahr gestellt. Ein Viertel dieser erkrankten Jugendlichen hat seine Diagnose sogar schon vor dem zehnten Lebensjahr erhalten.“  

Nur einnehmen, was wirklich benötigt wird: Die erste Untersuchung vor der OP gilt dem Medikationsplan

Nur einnehmen, was wirklich benötigt wird: Die erste Untersuchung vor der OP gilt dem Medikationsplan
© irissca - stock.adobe.com

„Apotheker-Arzneimittelgespräch“ mag ein schwieriges und langes Wort sein – als Instrument, die Sicherheit der Patienten des Universitätsklinikums Leipzig (UKL) zu erhöhen, ist es jede Silbe wert. Wer als UKL-Patient vor einer geplanten chirurgischen Operation steht oder eine Augen-OP erhält, führt zuvor ein vertrauensvolles Gespräch mit einem Klinikapotheker über seinen Medikationsplan. Die pharmazeutischen Experten des UKL kontrollieren und analysieren die Liste der einzunehmenden Arzneimittel und korrigieren an den nötigen Stellen.

Coronavirus: Die Angst geht um

Coronavirus: Die Angst geht um
© dottedyeti - stock.adobe.com

Das Coronavirus hält die Welt seit Wochen in Atem. Drastische Maßnahmen werden in China, aber zum Beispiel auch in Deutschland ergriffen, um die Ausbreitung der neuen Lungenkrankheit zu verhindern. Auch wenn das Kern-Infektionsgebiet Wuhan rund 8.300 Kilometer Luftlinie von Deutschland entfernt liegt: Bei vielen Menschen weckt das Ängste. So sind in hiesigen Apotheken beispielsweise vereinzelt Mund- und Atemschutzmasken ausverkauft. Michael Falkenstein, Experte für Psychologie von der KKH Kaufmännische Krankenkasse, erklärt, woher solche Ängste kommen...

Der Patienten- und Pflegebeauftragte der Bayerischen Staatsregierung rät zur Patientenverfügung

Der Patienten- und Pflegebeauftragte der Bayerischen Staatsregierung rät zur Patientenverfügung
© Pixelot / fotolia.com

Die Patientenverfügung ist wichtig, wenn durch Unfall, Krankheit oder Alter der eigene Wille nicht mehr ausgedrückt werden kann. Denn: Angehörige dürfen im Ernstfall keine medizinischen Entscheidungen treffen. Darauf weist Christian Bredl, Chef der Techniker Krankenkasse (TK) in Bayern, hin. Er rät deshalb dazu, rechtzeitig eine Patientenverfügung schriftlich zu fixieren.  

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Alte Antipsychotika Mepazin und Thioridazin hemmen MALT1/ Einsatz bei diffus-großzelligen B-Zell-Lymphomen?"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


Cookies

Diese Webseite benutzt Cookies, um den Nutzern das beste Webseiten-Erlebnis zu ermöglichen. Ausserdem werden teilweise auch Cookies von Diensten Dritter gesetzt. Weitere Informationen erhalten Sie in den Allgemeine Geschäftsbedingungen und in den Datenschutzrichtlinien.

Verstanden