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Medizin

18. März 2019 Analgesie: Beobachtungsstudie zur THC-Cannabiol-Kombination

Auf dem 30. Deutschen Schmerz- und Palliativtag in Frankfurt diskutierten Schmerzexperten den seit 2017 gesetzlich zugelassenen Einsatz von Cannabinoiden in der Analgesie. Für den Arzt ist es gegenwärtig äußerst schwierig bei der Vielzahl der auf dem Markt befindlichen Substanzen einen Überblick zu gewinnen. Auf einem von Almirall unterstütztem Symposium diskutierte der Pharmakologe Prof. Dr. med. Beat Lutz, Mainz, 2 wesentliche Präparate, nämlich THC und Cannabiol (CBD). PD Dr. med. Michael A. Überall, Nürnberg, stellte eine Beobachtungsstudie zu einer Kombination beider Substanzen vor.
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Der Pharmakologe Lutz erläuterte die wichtige Rolle, welche Endocannabinoide bei der Angst- und Stressregulation im Körper spielen. „So wird das Endocannabinoid-System – über den CB1-Rezeptor – während des Auslöschens des Furchtgedächtnisses aktiviert“ (1). Das aus der Hanfpflanze vornehmlich gewonnene THC (Tetrahydrocannabinol) weist problematische pharmakologische Eigenschaften auf; unter anderem eine mögliche Abhängigkeitsentwicklungen sowie Störungen des Kurz- und Langzeit-Gedächtnisses. Cannabiol (CBD) hingegen soll eine indirekte Stimulation des Endocannabinoid-Systems bewirken (2). Gemäß aktuellen Forschungsergebnissen „kann CBD die kognitiven Beeinträchtigungen von THC verringern“ (3).  Aus den bisherigen Forschungsergebnissen, so Lutz, „kann daher die Kombination aus THC und CBD ein vielversprechender Ansatz sein.“ Allerdings sind noch deutlich mehr klinische Studien am Menschen notwendig, da zahlreiche Forschungen bislang am Tier vorgenommen wurden.  

Wirksamkeit bei neuropathischem Schmerz

Der Neurologe Überall präsentierte die Real-world-Daten des PraxisRegisters Schmerz zum Einsatz der THC:CBD-haltigen Kombination in Form eines Oromukosalsprays (Sativex®). Dabei ergab sich der höchste prädiktive Wert für das Ansprechen auf THC:CBD für den Schmerzphänotyp. Insbesondere neuropathische Schmerzen respondierten auf dieses analgetische Regime, bei nozizeptiven Schmerzen sind THC:CBD nahezu wirkungslos. Entsprechend ist bei Mischformen mit einem moderaten Ansprechen zu rechnen.

Reduktion schmerzbedingter Nebenwirkungen

Ferner hat THC:CBD, möglicherweise stellvertretend für die Substanzklasse, eine sehr gute Wirkung „auf die für die Schmerzbewältigung bedeutsamen Dimensionen Stress, Angst und Depression.“ Wenngleich aus diesen Daten nicht zu entnehmen, betont der Schmerzforscher, „scheint die Minderung von Stress eher Ursache als eine Folge der Schmerzreduktion zu sein.“ In jedem Fall konnte ein signifikanter Rückgang der dokumentierten Schmerzintensität verzeichnet werden. Als besonders wirksam erwies sich THC:CBD im Einsatz bei Patienten mit schwerwiegenden Beeinträchtigungen. Bei ihnen wurde der Schmerz, gemessen auf der VAS*, von 82,9 auf 20,0 reduziert.

Ferner konnten andere Analgetika drastisch reduziert oder sogar abgesetzt werden, betont Überall. Die Nebenwirkungen beziehen sich auf den Stoffwechsel (7,0%), das Nervensystem (6,5%) und den GI-Trakt (5,3%) (4).

*VAS – Visuelle Analogskala

Reimund Freye

Quelle: Lunchsymposium „Cannabis als Medizin – Evidenz oder Eminenz?“, im Rahmen des 30. Deutscher Schmerz- und Palliativtags, Frankfurt, 7. März 2019; Veranstalter: Almirall

Literatur:

(1) Marsicano G et al., Nature 2002; 418 (6897): 530-4.
(2) Leishman et al., Cannabis Cannabinoid Res 2018; 3 (1): 228-41.
(3) Aso E et al., Mol Neurobiol 2019; doi: 10.1007/s12035-018-1456-3.
(4) Überall MA et al., Schmerzmedizin; 35 (2): 42-50.


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