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Medizin

26. September 2017 Anti-IL-5 gerichtete Therapie bei schwerem Asthma und erhöhter Eosinophilenzahl ist wirksam

Bei schwerem Asthma ist ein zielgerichteter und auf den jeweiligen Asthma-Phänotyp abgestimmter Einsatz moderner Medikamente von Bedeutung (1). Die therapeutischen Möglichkeiten für ein individualisiertes Asthma-Management haben sich hierbei in letzter Zeit erheblich verbessert: So steht mit dem gegen Interleukin-5 (IL-5) gerichteten humanisierten monoklonalen Antikörper Reslizumab (CINQAERO®) eine effektive Zusatztherapie für erwachsene Patienten mit schwerem Asthma und erhöhter Eosinophilenzahl („eosinophiles Asthma“) zur Verfügung (2).
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Basistext
Doch welche Patienten profitieren besonders von der Anti-IL-5-Therapie mit Reslizumab? Und was lässt sich in Bezug auf Symptomkontrolle, Exazerbationsfrequenz und Lebensqualität von Patienten mit eosinophilem Asthma durch Reslizumab erreichen? Antworten auf diese Fragen gaben Experten bei einem von Teva unterstützten Symposium im Rahmen des Kongresses der European Respiratory Society (ERS).

Entsprechend der aktualisierten Empfehlungen der „Global Initiative for Asthma“ (GINA) von 2017 sollte auf Stufe 5 der therapeutischen Stufenleiter – zusätzlich zu einer Basistherapie mit inhalativen Kortikosteroiden und langwirksamen Bronchodilatatoren – der Einsatz eines Antikörpers gegen IL-5 oder eines Anti-IgE-Antikörpers in Erwägung gezogen werden (1). Für Patienten mit schwerem Asthma, das sich mit konventionellen Therapieoptionen nicht ausreichend kontrollieren lässt, steht in dem GINA-Update damit die Gruppe der Biologika aufgrund der besseren Verträglichkeit noch vor einer Behandlung mit oralen Kortikosteroiden (1). Der Schlüssel zum Therapieerfolg stellt dabei eine sorgfältige Phänotypisierung des Asthmas dar, berichtete Prof. Dr. Stephen T. Holgate, Southampton/UK. Was die therapeutischen Besonderheiten bei verschiedenen Phänotypen angeht, stehen beim schweren eosinophilen Asthma Anti-IL-5-Antikörper wie Reslizumab obenan. Zunächst muss geklärt werden, ob es sich um ein schweres Asthma handelt. Wichtige Hinweise für ein schweres Asthma mit Eosinophilie sind ein später Krankheitsbeginn (> 30 Jahre), häufige Exazerbationen (≥ 2 pro Jahr) und ein hoher Bedarf an oralen oder systemischen Kortikosteroiden (3). Viele Patienten weisen zudem eine chronische Sinusitis, Nasenpolypen sowie einen beeinträchtigten Geschmacks- und Geruchssinn auf. Außerdem sprechen Patienten mit eosinophilem Asthma in der Regel gut auf orale Kortikosteroide an, benötigen aber hohe Dosierungen, um eine Symptomkontrolle zu erreichen bzw. aufrecht zu erhalten.

Reslizumab halbiert die Exazerbationsrate

Liegt ein schweres, refraktäres eosinophiles Asthma vor, so könne durch eine Anti-IL-5-Therapie die Exazerbationsrate gesenkt, die Lungenfunktion verbessert und der Bedarf an Kortikosteroiden verringert werden, erläuterte Prof. Dr. Parameswaran Nair, Hamilton/Kanada. Der humanisierte monoklonale Antikörper Reslizumab (3 mg/kg i.v. alle 4 Wochen) bindet zirkulierendes IL-5 mit hoher Affinität, verhindert somit die Bindung des proinflammatorischen Zytokins an seinen Rezeptor und hemmt in der Folge die Aktivierung und Überlebensrate von Eosinophilen (2). In den beiden zulassungsrelevanten Studien bei Patienten mit unkontrolliertem mittelschweren bis schweren Asthma und einer erhöhten Eosinophilenzahl im Blut (≥ 400 Zellen/μl) verringerte Reslizumab die Rate klinisch relevanter Asthma-Exazerbationen gegenüber Placebo um mindestens die Hälfte (50-59%; p < 0,0001) (2,4). Gleichzeitig wurde ein signifikanter Anstieg der FEV1 dokumentiert (p = 0,0018 vs. Placebo) (2).

Das günstige Wirksamkeits- und Verträglichkeitsprofil von Reslizumab war mit einer ebenfalls signifikanten Verbesserung der Lebensqualität sowohl in Woche 16 (p < 0,05) als auch in Woche 52 (p < 0,01) assoziiert (4). Patienten mit inadäquat kontrolliertem Asthma und chronischer Sinusitis mit Nasenpolypen profitierten besonders von der Anti-IL-5-Therapie: In dieser Subgruppe nahm die Exazerbationsrate über 52 Wochen sogar um 83% gegenüber Placebo ab (relative Risikoreduktion (RR) 0,17; 95%-Konfidenzintervall (KI): 0,10-0,32; p = 0,0002) (5).

Den richtigen Patienten finden

Wie Prof. Dr. Roland Buhl, Mainz, an einem Fallbeispiel demonstrierte, ist beim schweren eosinophilen Asthma auch bei maximaler inhalativer Basistherapie und guter Adhärenz oftmals keine ausreichende Symptomkontrolle möglich. Bluteosinophilie und hohe FeNO*-Werte können dabei auf die Spur der eosinophilen Atemwegsentzündung führen. Gerade Patienten mit schwerem eosinophilen Asthma und spätem Krankheitsbeginn („late-onset-Asthma“) können deutlich von der Behandlung mit Reslizumab profitieren: Eine aktuelle Analyse der beiden 52-wöchigen Zulassungsstudien ergab, dass der Anti-IL-5-Antikörper bei Patienten mit einem Erkrankungsbeginn nach dem 40. Lebensjahr die Exazerbationsrate vs. Placebo um 75% reduzierte (RR 0,25; 95%-KI: 0,16-0,40). Die Exazerbationsreduktion war damit noch ausgeprägter als bei den Patienten, bei denen das Asthma vor dem 40. Lebensjahr begann (RR 0,58; 95%-KI: 0,44-0,76) (6). Vor dem Hintergrund des GINA-Updates 2017 und der aktuellen Datenlage rät Buhl, den Einsatz eines Antikörpers gegen IL-5 oder gegen Immunglobulin E (IgE) in Erwägung zu ziehen, wenn ein Patient ohne relevante Allergien trotz hochdosierter Erhaltungstherapie mit ICS und Bronchodilatatoren persistierende obstruktive Beschwerden mit häufigen Exazerbationen hat. Zudem sollte eine ausgeprägte Eosinophilie mit ≥ 400 Zellen pro μl Blut vorliegen.

* Fraktioniertes exhaliertes Stickstoffmonoxid (NO)

Quelle: Teva

Literatur:

(1) Global Strategy for Asthma Management and Prevention, Global Initiative for Asthma (GINA) 2017; http://www.ginasthma.org/
(2) Fachinformation CINQAERO®; Stand: April 2017
(3) Buhl R et al. Eur Respir J 2017; 49. pii: 1700634. doi:10.1183/13993003.00634-2017
(4) Castro M et al. Lancet Respir Med 2015; 3: 355-366
(5) Weinstein SF et al. AAAAI Annual Meeting USA 2016; Abstract 283; https://aaaai.confex.com/aaaai/2016/webprogram/Paper24250.html
(6) Brusselle G et al. Pulm Pharmacol Ther 2017; 43: 39-45


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