Montag, 23. September 2019
Navigation öffnen

Medizin

01. Februar 2018 Antibiotikaprophylaxe bei Verdacht auf eine Knochen- oder Gelenksinfektion ist sinnvoll

Bei Verdacht auf orthopädische Infektionen spricht nichts dagegen, eine Antibiotikaprophylaxe innert 60 Minuten vor der Operation zu verabreichen. Dies bestätigt eine neue Studie der Klinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene am UniversitätsSpital Zürich und der orthopädischen Universitätsklinik Balgrist. Die Diagnostik wird dadurch nicht beeinflusst. Generell ist eine Antibiotikaprophylaxe wichtig zur Senkung der postoperativen Infektionen.
Anzeige:
Bei einer vermuteten Knochen- oder Gelenksentzündung erfolgt in der Regel eine Operation mit Entnahme von verschiedenen Gewebebiopsien, die auf Bakterien untersucht werden. Dabei unterbleibt eine prophylaktische Antibiotika-Gabe häufig, da man besorgt ist, dass die Antibiotika kurz vor der Operation das Bakterienwachstum und damit die Identifikation der verantwortlichen Bakterien verhindert. Die Antibiotikaprophylaxe wäre bei orthopädischen Operationen jedoch sinnvoll – besonders, wenn Implantate eingesetzt sind. Im Rahmen des chirurgischen Eingriffs kommt es selten zu einer Verunreinigung oder Infektion mit Bakterien, die auf der Haut angesiedelt sind. Dazu zählen verschiedene Staphylokokken, Streptokokken oder das Cutibacterium (Propionibacterium) acnes.

"Die Antibiotikaprophylaxe wird bei Verdacht auf eine orthopädische Infektion oft nicht durchgeführt, weil die behandelnden Ärzte befürchten, dass sie dann die bakterielle Ursache der Entzündung nicht mehr finden und folglich auch nicht gezielt behandeln können", sagt die Infektiologin Yvonne Achermann, Oberärztin an der Klinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene des UniversitätsSpitals Zürich und an der Universitätsklinik Balgrist. Frühere Studien zu der Frage seien entweder zu klein gewesen oder hätten nicht die direkten Auswirkungen einer kurzfristigen Prophylaxe auf die intraoperative Diagnostik untersucht.

Infekte in Schulter, Hüfte und Knie

Deshalb wertete nun ein Team von Infektiologen und Orthopäden in einer retrospektiven Studie die Daten von 110 Patienten aus, die zwischen Januar 2005 und Dezember 2015 in der Universitätsklinik Balgrist operiert und nach der Operation mindestens einmal positiv auf Cutibacterium acnes getestet wurden. Am häufigsten betroffen waren Schultern (72), seltener Hüften (25) oder Knie (6). Bei 64 der Patienten wurde die Infektion mit dem Akne-Bakterium eindeutig bestätigt. 44, beziehungsweise knapp 70% dieser Patienten, hatten vor dem Eingriff keine Antibiotikaprophylaxe erhalten.

Unabhängig davon, ob die Prophylaxe gegeben wurde, fanden die Studienautorinnen keinen Unterschied bezüglich der Anzahl der Tage, die bis zur Diagnose des krankheitsauslösenden Bakteriums verstrichen. Unbeeinflusst war auch das Verhältnis der positiven Proben zur Zahl der insgesamt entnommenen Proben.

Um eine homogene Gruppe von Infektionen mit dem gleichen Bakterium zu untersuchen, wurde das langsam wachsende Cutibacterium acnes ausgewählt, das besondere Schwierigkeiten in der Diagnose von orthopädischen Infektionen macht. Ähnliche Ergebnisse sind jedoch auch bei anderen Bakterien zu erwarten. Die bislang größte derartige Studie zeige, dass die prophylaktische Antibiotika-Gabe die für die Behandlung entscheidende mikrobiologische Analyse nicht störe, betont Yvonne Achermann. "Wir empfehlen, innert 60 Minuten vor einem orthopädischen Eingriff routinemäßig Antibiotika zur Prophylaxe zu geben. Das verringert das Risiko bakterieller Infektionen durch die Operation und schützt zudem das Implantat."

Quelle: UniversitätsSpital Zürich


Das könnte Sie auch interessieren

"Sleep like a Baby": App für digitale Schlaftherapie

"Sleep like a Baby": App für digitale Schlaftherapie
@ drubig-photo / Fotolia.com

Die britische Firma Abson Development hat mit "Sleep like a Baby" eine neue Lifestyle-App veröffentlicht, um Schlafprobleme von Erwachsenen, Kindern und Säuglingen zu lösen. "Schlaf ist bekannterweise sehr wichtig, aber viele Menschen haben aufgrund von verschiedenen Faktoren, wie Stress, einem neugeborenen Kind oder einem Tinnitus, immer wieder Probleme mit dem Ein- und Durchschlafen", sagt Entwickler Lance Abson.

Handhygiene stärken – Krankenhausinfektionen vermeiden

Handhygiene stärken – Krankenhausinfektionen vermeiden
© Picture-Factory / fotolia.com

Es ist die denkbar einfachste Hygienemaßnahme der Welt: das Händewaschen. Vielleicht wird seine Effizienz gerade deshalb oft unterschätzt. Anlässlich des Internationalen Tages der Händehygiene, den die WHO am 5. Mai begeht, erinnert die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie (DGI) daran, dass eine sorgsame Händehygiene das mit Abstand wichtigste und effektivste Mittel ist, um die Übertragung und Ausbreitung von Infektionen zu begrenzen. Dies gilt nicht nur im Alltag, sondern gerade auch in Kliniken und Gesundheitseinrichtungen. Anstatt ineffiziente...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Antibiotikaprophylaxe bei Verdacht auf eine Knochen- oder Gelenksinfektion ist sinnvoll"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.