Sonntag, 15. Dezember 2019
Navigation öffnen
Anzeige:

Medizin

23. Oktober 2019 Antikoagulation: Risikoreduktion für schwere Blutungen unter Edoxaban

Die orale Antikoagulation mit Edoxaban (LIXIANA®) zur Schlaganfallprophylaxe bei nicht-valvulärem Vorhofflimmern hat sich im klinischen Alltag etabliert. Patienten unter Edoxaban profitieren von einem um 20% reduzierten relativen Risiko für schwere Blutungen im Vergleich zu einer Therapie mit dem Vitamin-K-Antagonisten Warfarin und der einfachen, einmal täglichen oralen Anwendung (1, 2). Auf den diesjährigen DGK Herztagen wurden unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Christian Hamm, Bad Nauheim/Gießen, und Prof. Dr. Burghard Schumacher, Kaiserslautern, weitere Studien aus dem Forschungsprogramm EDOSURE vorgestellt, die das Wirksamkeits- und Sicherheitsprofil von Edoxaban in der klinischen Praxis bestätigen. Im Fokus stand die Studie ENTRUST-AF PCI, deren Daten auf dem diesjährigen Jahreskongress der European Society of Cardiology (ESC) erstmalig international vorgestellt wurden.
Die Studie ENTRUST-AF PCI bilde ein wichtiges Puzzlestück im Gesamtbild der Behandlung von Patienten mit nicht-valvulärem Vorhofflimmern (nvVHF) nach erfolgreicher perkutaner Koronarintervention (PCI), erläuterte Prof. Dr. Andreas Goette, Paderborn. Die multinationale, multizentrische, randomisierte Phase-IIIb-Studie untersuchte die Wirksamkeit und Sicherheit von einmal täglich Edoxaban in Kombination mit einem P2Y12-Inhibitor im Vergleich zur Triple-Therapie mit einem Vitamin-K-Antagonisten (VKA) in Kombination mit einem P2Y12-Inhibitor plus Acetylsalicylsäure (ASS) bei Patienten mit nvVHF nach erfolgreicher Stent-Platzierung aufgrund eines akuten Koronarsyndroms (ACS) oder einer stabilen koronaren Herzkrankheit (KHK). Der primäre Sicherheitsendpunkt war zusammengesetzt aus schweren und klinisch relevanten nicht-schweren Blutungen, nach der Definition der International Society of Thrombosis and Haemostasis (ISTH). Der primäre Endpunkt trat bei 128 Patienten (17,0%; annualisiert: 20,7%) in der Edoxaban-Gruppe und bei 152 Patienten (20,1%; annualisiert: 25,6%) in der VKA-Gruppe auf (HR: 0,83; 95%-KI: 0,654-1,047). Dies bestätigt, dass das duale Therapieschema mit Edoxaban im Vergleich zur VKA-basierten Triple-Therapie hinsichtlich des primären Endpunkts über den Studienzeitraum von 12 Monaten hinweg hoch signifikant nicht unterlegen ist (p=0,001; Nichtunterlegenheitsgrenze 1,2). Für den zusammengesetzten Hauptwirksamkeitsendpunkt – kardiovaskulär bedingter Tod, Schlaganfall, systemische embolische Ereignisse, spontaner Myokardinfarkt und definitive Stent-Thrombose – wurden für das Edoxaban-basierte duale Therapieschema und das VKA-basierte Triple-Therapie-Regime vergleichbare Raten festgestellt (3, 4).

PCI und DOAKS – 4 Studien, 4 Antworten, eine Meinung?

Aufgrund der aktuellen Studienlage sei inzwischen davon auszugehen, dass für nvVHF-Patienten nach PCI nicht mehr die Triple-Therapie mit einem VKA angezeigt sei, sondern zukünftig die Standardtherapie in der Basis aus einem Nicht-VKA oralen Antikoagulans (NOAK) wie Edoxaban in Kombination mit einem P2Y12-Inhibitor plus ASS bestehen werde, ergänzte Prof. Dr. Andreas Schäfer, Hannover. Die wissenschaftliche Grundlage hierfür liefern die Daten der Studien ENTRUST-AF PCI (3, 4), AUGUSTUS (5) und RE-DUAL PCI (6), in denen gezeigt werden konnte, dass die Standarddosierung der NOAKs mit weniger Blutungen einherginge als ein VKA in Kombination mit Thrombozytenhemmern; zudem hätten die getesteten NOAK-Dosierungen eine erwiesene Effektivität in der Schlaganfallprophylaxe, erklärte Schäfer.

EDOSURE – das Edoxaban Studienprogramm: ETNA, EMIT, ELIMINATE im klinischen Alltag

EDOSURE ist ein umfangreiches klinisches Forschungsprogramm zum Einsatz von Edoxaban bei einem breiten Spektrum von kardiovaskulären Erkrankungen, Patiententypen und klinischen Situationen. Ziel des Programmes ist es, neue klinische sowie Real-World-Daten zur Anwendung des NOAKs bei nvVHF und venösen Thromboembolien zu sammeln und Ärzten sowie Patienten ein größeres Vertrauen in die Therapiesicherheit zu bieten. Prof. Dr. Jan Steffel, Zürich, fokussierte sich auf 3 der zahlreichen Studien des Forschungsprogramms: ETNA-AF, EMIT-AF und ELIMINATE-AF. Die Studie ETNA-AF erhebt Daten aus der klinischen Praxis zur Wirksamkeit und Sicherheit von Edoxaban bei alternden Patienten (Durchschnittsalter 73,6 Jahre) mit nvVHF (7). Die Ergebnisse der 1-Jahres-Analyse zeigen, dass die Inzidenz an klinischen Ereignissen sowohl hinsichtlich der Blutungs- als auch der Schlaganfallraten gering waren. Jährlich trat eine schwere Blutung bei 1,05%, eine intrakranielle Blutung bei 0,23% und ein Schlaganfall oder systemisches embolisches Ereignis bei 0,82% der Patienten auf (2). Die Gesamtmortalität betrug 3,55% pro Jahr, ein Wert, der in dieser Hochrisikogruppe als gering eingestuft werden könne, so Steffel (7). Die nicht-interventionelle Beobachtungsstudie EMIT-AF liefert Daten zum periinterventionellen Management mit Edoxaban aus der klinischen Praxis (8). Bei insgesamt 1.155 Patienten mit Vorhofflimmern oder venöser Thromboembolie, die sich diagnostischen und/oder therapeutischen Eingriffen unterziehen mussten, war die Blutungsinzidenz gering. Das primäre sicherheitsrelevante Outcome, schwere Blutung nach Definition der ISTH im Zeitraum ab dem Eingriff bis 30 Tage danach, trat bei 0,4% (5 von 1.155) der Patienten auf (8). ELIMINATE-AF verglich die Wirksamkeit und Sicherheit der ununterbrochenen Gabe von Edoxaban vs. VKA bei Patienten mit Vorhofflimmern, die eine Katheterablation erhielten (9). Das zentrale Resultat der, bereits auf dem EHRA 2019 präsentierten, ersten Daten ist: Der primäre Endpunkt, der sich aus Tod jeglicher Ursache, Schlaganfall oder schwerer Blutung (ISTH) zusammensetzte, betrug 0,3% (1 von 316) in der Edoxaban-Gruppe bzw. 2,0% (2 von 101) in der VKA-Gruppe (HR: 0,16; 95%-KI: 0,02-1,73) und auch die Zahl der schweren Blutungsereignisse nach ISTH-Definition war gering (7). Steffels Fazit zu den Studiendaten: Edoxaban zeige ein gutes Effizienz- und Sicherheitsprofil und das nicht nur in der Zulassungsstudie, sondern auch im Praxisalltag.

Quelle: Daiichi-Sankyo

Literatur:

(1) Giugliano RP et al. N Engl J Med. 2013; 369 (22): 2093-2104.
(2) Fachinformation LIXIANA®, Stand Mai 2019.
(3) Goette A et al. Presented at: ESC Congress 2019; September 03, 2019; Paris.
(4) Vranckx P et al. Lancet, 2019. Verfügbar unter: http://dx.doi.org/10.1016/S0140-6736(19)31872-0. (Letzter Zugriff: Oktober 2019).
(5) Lopes R D et al. N Engl J Med. 2019; 380: 1509-1524.
(6) Cannon C P et al. N Engl J Med. 2017; 377: 1513-1524.
(7) De Caterina R et al. Abstract presented at ESC 2019.
(8) Colonna P et al. Abstract presented at EHRA 2019.
(9) Hohnloser SH et al. Eur Heart J. 2019; doi. 10.1093/eurheartj/ehz190.


Das könnte Sie auch interessieren

Über 6 Millionen an Osteoporose erkrankt

Über 6 Millionen an Osteoporose erkrankt
© decade3d / Fotolia.com

6,3 Millionen Menschen leiden heute in Deutschland an Osteoporose.(1) Jede vierte Frau über 50 Jahren ist betroffen, jeder 17. Mann.1 Jedes Jahr erkranken rund 885.000 Menschen neu an der Volkskrankheit.(1) Häufig bleibt jedoch die Krankheit unerkannt und unbehandelt. Nur 25 Prozent der Erkrankten werden in Deutschland medikamentös behandelt.(2) Im Vergleich: In Frankreich erhalten fast 60 Prozent der Erkrankten, in Spanien über 80 Prozent eine Osteoporose-Therapie.(2) Diagnose- sowie Behandlungsmöglichkeiten werden in Deutschland nicht ausreichend genutzt, warnen...

Internetbasierte Hilfe für Eltern in Bayern mit chronisch kranken Kindern

Internetbasierte Hilfe für Eltern in Bayern mit chronisch kranken Kindern
© bubutu / Fotolia.com

Rund 100.000 Kinder in Bayern sind von Asthma betroffen, so der aktuelle bayerische Kindergesundheitsbericht. "Das ist nicht nur für die Kleinen belastend, sondern auch für deren Familien", sagt Christian Bredl, Leiter der Techniker Krankenkasse (TK) in Bayern. Mütter, Väter oder Geschwister kommen oft körperlich und psychisch an ihre Grenzen. Hinzu kommt, dass vier von fünf der betroffenen Eltern keine Angebote zur Familienentlastung kennen. "Wir möchten das ändern und mit dem Projekt 'Beratung von Eltern chronisch kranker Kinder...

Augenärzte testen Kontaktlinsen mit UV-Schutz

Augenärzte testen Kontaktlinsen mit UV-Schutz
© HQUALITY - stock.adobe.com

Intensive ultraviolette Strahlung des Sonnenlichts kann Bindehaut und Hornhaut am Auge schädigen. Jetzt testen Forscher, ob Kontaktlinsen mit eingebautem UV-Schutz solche Schäden verhindern können. Die Haftschalen wären hilfreich für Patienten, denen etwa nach einer Verätzung empfindliche Stammzellen der Hornhaut transplantiert wurden. Aber auch Außenarbeiter, die regelmäßig einer hohen UV-Bestrahlung ausgesetzt sind, könnten davon profitieren.   

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Antikoagulation: Risikoreduktion für schwere Blutungen unter Edoxaban"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.