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Medizin

22. März 2017 Aortenaneurysma: Risikosenkung bei ausgedehnten Operationen

Ein Ärzteteam aus Herzchirurgie, Gefäßchirurgie und interventioneller Radiologie am Klinikum der Universität München um Dr. Maximilian Lühr testet bei längeren Aneurysma-Operationen ein neues Verfahren an der Aorta mit dem Ziel, das Risiko einer schweren Komplikation deutlich zu senken.
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Wenn Aneurysmen rechtzeitig erkannt werden, können Chirurgen sie operativ behandeln. Das passiert, indem sie in den betroffenen Abschnitt der Aorta mittels gewebter Prothesen ersetzen oder minimal-invasiv ein Rohr aus Drahtgeflecht einsetzen. Das Problem: Von der Hauptschlagader zweigen unter anderem Äste ab, die das Rückenmark direkt mit Blut versorgen. Bei einer Operation aber müssen die Ärzte die Blutzufuhr zum Rückenmark im erkrankten Abschnitt der Hauptschlagader dauerhaft unterbrechen. Durch die fehlende Blut- und damit Sauerstoffversorgung kann das Rückenmark geschädigt werden. Die Folge ist eine Querschnittslähmung. „Diese schwere Komplikation kann in bis zu 20% ausgedehnter Aneurysma-Operationen im Bereich der thorako-abdominalen Aorta auftreten“, sagt Dr. Maximilian Lühr von der Herzchirurgischen Klinik und Poliklinik am Klinikum der Universität München, „für die Patienten ist das eine dramatische körperliche Beeinträchtigung und eine schwere psychische Belastung.“
 
Es leuchtet sofort ein, dass die Experten nach neuen Verfahren suchen, um die drastische OP-Komplikation zu verhindern – oder zumindest das entsprechende Risiko zu senken. Lührs Kollege Prof. Christian D. Etz von der Universität Leipzig hat eine solche Methode nach jahrelanger Forschungsarbeit, unter anderem in den USA, entwickelt. Nun soll die erfolgversprechende Methode an mehreren internationalen Aortenzentren, so auch durch die Spezialisten am LMU-Klinikum in Großhadern, im großen Maßstab an Patienten geprüft werden. Für die „PAPA-ARTIS“ genannte Studie hat die Kommission der Europäischen Union im Rahmen der Horizon-2020-Förderung insgesamt 6,3 Millionen Euro bewilligt. Die Arbeitsgruppe um Maximilian Lühr erhält davon 215.000 Euro.
 
Zwei Hochrisikopatienten wurden von einem Team um Etz bereits erfolgreich mit dem neuen Verfahren in Hamburg am Deutschen Aortenzentrum des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf behandelt. Hochrisikopatienten laufen Gefahr, dass ihre Aneurysmen binnen weniger Wochen platzen.
 
Um die kritische Blutversorgung zum Rückenmark auch bei der OP zu sichern, wenden die Ärzte vor dem Eingriff einen Trick an. „Wir programmieren das Netzwerk aus Arterien im Gefahrenbereich so um, dass die Hauptschlagader mit einem deutlich niedrigeren Risiko ersetzt werden kann“, erklärt Lühr. Dafür setzen die Mediziner drei bis fünf Wochen vor der OP in die abgehenden Arterien zum Rückenmark winzige Drahtknäuel ein. So entstehen einige Sackgassen im Arteriennetzwerk. Der Körper reagiert darauf flexibel: Er bildet neue Umgehungskreisläufe durch die Neuausrichtung von umgebenden Arterien der Wirbelsäule beziehungsweise deren umgebende Muskulatur. Die Umgehungskreisläufe stellen später während des operativen oder interventionellen Eingriffs eine ausreichende Blutversorgung des Rückenmarks sicher – auch wenn der direkte Blutfluss von der Hauptschlagader unterbrochen ist.
 
„Die klinische Etablierung dieser neuen Methode zur Umleitung des Blutstromes zum Rückenmark“, sagt Lühr, „könnte die drohende Gefahr einer Querschnittslähmung bei ausgedehnten Operationen an der Hauptschlagader minimieren oder im Idealfall ganz eliminieren. Derzeit können wir allerdings nur Patienten mit der neuen Therapiemethode behandeln, die für eine geplante Operation zu uns kommen und sich nach ausführlicher Aufklärung auch ausdrücklich dafür entscheiden.“
 
Am Klinikum der Universität München bestehen durch die gute und enge Zusammenarbeit von Herzchirurgie (Prof. Christian Hagl, Privat-Dozent Maximilian Pichlmaier), Gefäßchirurgie (Dr. Ramin Banafsche) und interventioneller Radiologie (Prof. Marcus Treitl) perfekte Bedingungen, um Hochrisikopatienten mit komplexen Aortenerkrankungen optimal versorgen zu können.
 

Quelle: Klinikum der Universität München


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