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Medizin

10. April 2019 Arzt-Patienten-Kommunikation: Pflegepersonal von großer Bedeutung

Eine gute Arzt-Patienten-Kommunikation ist eine Grundvoraussetzung für den Aufbau einer tragfähigen therapeutischen Beziehung und somit für den Therapieerfolg. Das gilt nicht nur für die ambulante Behandlung, sondern ebenso für die stationäre Versorgung. In dem Arzt-Patienten-Verhältnis spielt die Pflege eine wichtige Rolle. Über innovative Ansätze zur Verbesserung der Kommunikation mit Patienten und Angehörigen diskutierte ein interprofessionelles Panel im Rahmen des Deutschen Pflegetags.
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Fachinformation
Bei der Kommunikation zwischen Arzt und Patient hakt es im Klinikalltag immer wieder. „Der Patient ist in einem Ausnahmezustand; er ist nervös, verunsichert und traut sich nicht, Fragen zu stellen“, so die Erfahrung von Lilo Habersack, Vorsitzende der Selbsthilfeorganisation RLS e.V. „Der Arzt steht unter Zeitdruck. Ein vertrauensvolles Gespräch kann so nicht zustande kommen.“ Die eigentlichen Probleme treten häufig erst nach der Entlassung auf, ergänzte Anna Mahnke, Pflegedienstleiterin von der Universitätsklinik Regensburg. Denn vielen Patienten sei es nicht klar, wie sie die Therapie zu Hause fortsetzen müssen. Kommunikationslücken zeigen sich aber auch auf der Intensivstation, bemerkte Susanne Fieberg, Stationsleiterin Intensivstation der Berliner Charité. Von einer tatsächlich partizipativen Entscheidungsfindung (Shared Decision Making) ist man im klinischen Alltag noch weit entfernt.

„Sobald ein Mensch krank ist, begegnen sich Arzt und Patient nicht mehr auf Augenhöhe“, bedauerte der Nürnberger Schmerztherapeut PD Dr. Michael Überall. Ein wirkliches Shared Decision Making im klinischen Alltag könne nur durch konsequente Einbindung von Pflegekräften in alle Gespräche mit dem Patienten und seinen Angehörigen umgesetzt werden. „Sie sind näher dran am Patienten und bringen ihm ein hohes Maß an Empathie entgegen“, so Überall.

Auswege aus der Arzt-dominierten Kommunikation

Um Ärzte und Pflegekräfte zu einem Team zusammenzuführen, habe man in Regensburg neue Wege eingeschlagen, erläuterte Mahnke. Im Rahmen des im Oktober 2016 gestarteten Projekts werden Besprechungen und Visiten zusammen durchgeführt. Zu diesem Zweck wurden die Tagesabläufe der beiden Berufsgruppen synchronisiert und spezielle Zeitfenster für die gemeinsamen Besprechungen festgelegt. Zudem wird die gemeinsame Lehre gefördert. So stehen alle Veranstaltungen für Medizinstudenten auch den Pflegeauszubildenden offen. Die Forschung ist ebenfalls interprofessionell ausgerichtet.

Online-Therapieprogramme

Internet-basierte Programme bieten eine weitere Möglichkeit, eine Brücke zum Patienten zu schlagen, wie Überall am Beispiel Depression erläuterte. In Deutschland stehen nicht genügend Psychotherapeuten zur Verfügung, um allen Menschen mit Depression zeitnah zu helfen. Bis zu 6 Monate müssen die Betroffenen auf einen Therapieplatz warten. Diese Lücke könnte zum Beispiel durch das Online-Therapieprogramm deprexis®24 (www.deprexis24.de) geschlossen werden. Das interaktive Programm besteht aus verschiedenen Online-Modulen, die auf den Prinzipien der kognitiven Verhaltenstherapie beruhen. Das Programm führt einen interaktiven Dialog mit dem Nutzer und stellt sich dabei individuell auf seine Antworten ein. Die Ergebnisse zahlreicher unabhängiger Studien mit mehreren tausend Patienten in Deutschland und den USA (1-12) belegen, dass die Anwendung von deprexis®24 über einen Zeitraum von 3 Monaten mit einer deutlichen und nachhaltigen Besserung der depressiven Symptomatik einhergeht. Die stärksten Effekte lassen sich erreichen, wenn der behandelnde Arzt oder Psychotherapeut mit eingebunden wird.

Effektive Kommunikation

Konsequente Einbindung des Pflegepersonals und eine vertrauensvolle Teamarbeit können dazu beitragen, das Gespräch mit dem Patienten effektiver zu gestalten. Das Resultat einer verbesserten und von Empathie getragenen Kommunikation, so das übereinstimmende Fazit der interdisziplinären Diskussionsrunde, ist ein zufriedener Patient – und dies wirke sich oft auch günstig auf den Therapieerfolg aus.

Quelle: Symposium „Kommunikation Arzt-Patienten: Ohne Pflege geht es nicht“ im Rahmen des Deutschen Pflegetags, 15. März 2019, Berlin.

Literatur:

(1) Meyer B et al. J Med Internet Res 2009; 11(2): e15. doi: 10.2196/jmir.1151
(2) Berger T et al. Cog Behav Ther 2011; 40: 251-266.
(3) Moritz S et al. Behav Res Ther 2012; 50: 513-521.
(4) Schröder J et al. Epilepsia 2014; 55: 2069-2076.
(5) Meyer B et al. Internet Interventions 2015; 2: 48-59.
(6) Fischer A et al. Lancet Psychiatry 2015; 2: 217-223.
(7) Klein P et al. Psychother Psychosom 2016; 85: 218-228.
(8) Beevers, C.G., et al. J Consult Clin Psychol, 2017: 367-380.
(9) Zwerenz, R., et al. Psychother Psychosom, 2017: 341-350.
(10) Berger T, et al. J Affect Disord; 2018; 227: 455-62.
(11) Gräfe V., Greiner W: Internet-based treatment of depressive symptoms – a health economic evaluation of costs and benefits, oral presentation, 6. Bayerischer Tag der Telemedizin 2018.
(12) Fuhr K, Fahse B, Hautzinger M, Gulewitsch MD. Psychother Psychosom med Psychol. 2018; 68(6): 234-41.


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