Mittwoch, 3. Juni 2020
Navigation öffnen

Medizin

10. April 2019 Arzt-Patienten-Kommunikation: Pflegepersonal von großer Bedeutung

Eine gute Arzt-Patienten-Kommunikation ist eine Grundvoraussetzung für den Aufbau einer tragfähigen therapeutischen Beziehung und somit für den Therapieerfolg. Das gilt nicht nur für die ambulante Behandlung, sondern ebenso für die stationäre Versorgung. In dem Arzt-Patienten-Verhältnis spielt die Pflege eine wichtige Rolle. Über innovative Ansätze zur Verbesserung der Kommunikation mit Patienten und Angehörigen diskutierte ein interprofessionelles Panel im Rahmen des Deutschen Pflegetags.
Anzeige:
Bei der Kommunikation zwischen Arzt und Patient hakt es im Klinikalltag immer wieder. „Der Patient ist in einem Ausnahmezustand; er ist nervös, verunsichert und traut sich nicht, Fragen zu stellen“, so die Erfahrung von Lilo Habersack, Vorsitzende der Selbsthilfeorganisation RLS e.V. „Der Arzt steht unter Zeitdruck. Ein vertrauensvolles Gespräch kann so nicht zustande kommen.“ Die eigentlichen Probleme treten häufig erst nach der Entlassung auf, ergänzte Anna Mahnke, Pflegedienstleiterin von der Universitätsklinik Regensburg. Denn vielen Patienten sei es nicht klar, wie sie die Therapie zu Hause fortsetzen müssen. Kommunikationslücken zeigen sich aber auch auf der Intensivstation, bemerkte Susanne Fieberg, Stationsleiterin Intensivstation der Berliner Charité. Von einer tatsächlich partizipativen Entscheidungsfindung (Shared Decision Making) ist man im klinischen Alltag noch weit entfernt.

„Sobald ein Mensch krank ist, begegnen sich Arzt und Patient nicht mehr auf Augenhöhe“, bedauerte der Nürnberger Schmerztherapeut PD Dr. Michael Überall. Ein wirkliches Shared Decision Making im klinischen Alltag könne nur durch konsequente Einbindung von Pflegekräften in alle Gespräche mit dem Patienten und seinen Angehörigen umgesetzt werden. „Sie sind näher dran am Patienten und bringen ihm ein hohes Maß an Empathie entgegen“, so Überall.

Auswege aus der Arzt-dominierten Kommunikation

Um Ärzte und Pflegekräfte zu einem Team zusammenzuführen, habe man in Regensburg neue Wege eingeschlagen, erläuterte Mahnke. Im Rahmen des im Oktober 2016 gestarteten Projekts werden Besprechungen und Visiten zusammen durchgeführt. Zu diesem Zweck wurden die Tagesabläufe der beiden Berufsgruppen synchronisiert und spezielle Zeitfenster für die gemeinsamen Besprechungen festgelegt. Zudem wird die gemeinsame Lehre gefördert. So stehen alle Veranstaltungen für Medizinstudenten auch den Pflegeauszubildenden offen. Die Forschung ist ebenfalls interprofessionell ausgerichtet.

Online-Therapieprogramme

Internet-basierte Programme bieten eine weitere Möglichkeit, eine Brücke zum Patienten zu schlagen, wie Überall am Beispiel Depression erläuterte. In Deutschland stehen nicht genügend Psychotherapeuten zur Verfügung, um allen Menschen mit Depression zeitnah zu helfen. Bis zu 6 Monate müssen die Betroffenen auf einen Therapieplatz warten. Diese Lücke könnte zum Beispiel durch das Online-Therapieprogramm deprexis®24 (www.deprexis24.de) geschlossen werden. Das interaktive Programm besteht aus verschiedenen Online-Modulen, die auf den Prinzipien der kognitiven Verhaltenstherapie beruhen. Das Programm führt einen interaktiven Dialog mit dem Nutzer und stellt sich dabei individuell auf seine Antworten ein. Die Ergebnisse zahlreicher unabhängiger Studien mit mehreren tausend Patienten in Deutschland und den USA (1-12) belegen, dass die Anwendung von deprexis®24 über einen Zeitraum von 3 Monaten mit einer deutlichen und nachhaltigen Besserung der depressiven Symptomatik einhergeht. Die stärksten Effekte lassen sich erreichen, wenn der behandelnde Arzt oder Psychotherapeut mit eingebunden wird.

Effektive Kommunikation

Konsequente Einbindung des Pflegepersonals und eine vertrauensvolle Teamarbeit können dazu beitragen, das Gespräch mit dem Patienten effektiver zu gestalten. Das Resultat einer verbesserten und von Empathie getragenen Kommunikation, so das übereinstimmende Fazit der interdisziplinären Diskussionsrunde, ist ein zufriedener Patient – und dies wirke sich oft auch günstig auf den Therapieerfolg aus.

Quelle: Symposium „Kommunikation Arzt-Patienten: Ohne Pflege geht es nicht“ im Rahmen des Deutschen Pflegetags, 15. März 2019, Berlin.

Literatur:

(1) Meyer B et al. J Med Internet Res 2009; 11(2): e15. doi: 10.2196/jmir.1151
(2) Berger T et al. Cog Behav Ther 2011; 40: 251-266.
(3) Moritz S et al. Behav Res Ther 2012; 50: 513-521.
(4) Schröder J et al. Epilepsia 2014; 55: 2069-2076.
(5) Meyer B et al. Internet Interventions 2015; 2: 48-59.
(6) Fischer A et al. Lancet Psychiatry 2015; 2: 217-223.
(7) Klein P et al. Psychother Psychosom 2016; 85: 218-228.
(8) Beevers, C.G., et al. J Consult Clin Psychol, 2017: 367-380.
(9) Zwerenz, R., et al. Psychother Psychosom, 2017: 341-350.
(10) Berger T, et al. J Affect Disord; 2018; 227: 455-62.
(11) Gräfe V., Greiner W: Internet-based treatment of depressive symptoms – a health economic evaluation of costs and benefits, oral presentation, 6. Bayerischer Tag der Telemedizin 2018.
(12) Fuhr K, Fahse B, Hautzinger M, Gulewitsch MD. Psychother Psychosom med Psychol. 2018; 68(6): 234-41.


Anzeige:

Das könnte Sie auch interessieren

Urologen geben Entwarnung: Sorgen vor Zeugungsunfähigkeit sind unbegründet

Urologen geben Entwarnung: Sorgen vor Zeugungsunfähigkeit sind unbegründet
@ deagreez / Fotolia.com

Eine neue Studie zur männlichen Fruchtbarkeit, veröffentlicht in der Fachzeitschrift "Human Reproductive Update", sorgt derzeit für Aufsehen. Die Untersuchungen von Mediziner Hagai Levine und seinem Team der Hebräischen Universität Jerusalem zeigen, dass die Spermienanzahl von Männern aus westlichen Ländern immer weiter abnimmt. Laut den Wissenschaftlern ist die Spermienanzahl pro Milliliter Sperma um etwa 52 Prozent gesunken. Bei der Gesamtzahl der Spermien pro Samenerguss gaben die Forscher sogar einen Rückgang von nahezu 60 Prozent an....

Blasenentzündung: Erstmal ohne Antibiotikum behandeln

Blasenentzündung: Erstmal ohne Antibiotikum behandeln
© absolutimages - stock.adobe.com

Blasenentzündungen sind kein Phänomen der kalten Jahreszeit, auch in den Sommermonaten tritt die Infektion häufig auf. Denn wenn nasse Badekleidung nicht rasch genug ausgezogen oder die abendliche Kühle unterschätzt wird, macht man es Bakterien unfreiwillig leicht. Harnwegsinfektionen werden oft sofort mit einem Antibiotikum behandelt. Noch immer zu wenig bekannt ist: Antibiotika sind bei diesem Krankheitsbild in vielen Fällen unnötig. Ihr unkritischer Einsatz trägt zudem zur Entstehung von Antibiotikaresistenzen bei. Darauf weist die Deutsche...

Vitamin D-Mangel begünstigt Ausbildung von Osteoporose

Vitamin D-Mangel begünstigt Ausbildung von Osteoporose
© crevis / Fotolia.com

Osteoporose ist eine Erkrankung des Skeletts, bei der die Knochen an Festigkeit verlieren und leichter brechen. Dann kann es schnell zu einem Knochenbruch kommen. Sehr oft betroffen sind der Oberschenkelhalsknochen oder die Arme. Eine Ursache für ein schwaches Knochengefüge kann Vitamin D-Mangel sein, wie Prof. Andreas Roth, Leiter des Bereichs Endoprothetik der Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Plastische Chirurgie am UKL, anlässlich des Welt-Osteoporose-Tages am 20. Oktober erläutert. Doch auch ein Zuviel an Vitamin D kann zu Gefährdungen führen.

Fasten 2019: Immer mehr Menschen halten es für sinnvoll

Fasten 2019: Immer mehr Menschen halten es für sinnvoll
© beats_ / fotolia.com

Fasten liegt im Trend: Immer mehr Deutsche halten es für gesundheitlich sinnvoll. Die Zahl der Fasten-Befürworter stieg in den vergangenen Jahren stetig an. Lag sie vor acht Jahren noch bei 53 Prozent, sind es nun 63 Prozent – ein Plus von fast 20 Prozent. Vor allem unter jungen Menschen ist der bewusste Verzicht weit verbreitet. Dabei möchten immer mehr Fasten-Fans auf Alkohol verzichten: Die geplante Abstinenz liegt mit 73 Prozent so hoch wie nie zuvor. Das zeigt eine aktuelle und repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag der Krankenkasse DAK-Gesundheit. Auch auf...

Videosprechstunde ermöglicht schnelle dermatologische Verlaufskontrolle

Videosprechstunde ermöglicht schnelle dermatologische Verlaufskontrolle
© Africa Studio / Fotolia.com

Um die Entwicklung einer Hauterkrankung oder den Heilungsprozess einer Wunde zu überwachen, ist in der Regel kein Vor-Ort-Termin in der Arztpraxis mehr notwendig. Zeitgemäß können Dermatologen nach Diagnosestellung und Therapieempfehlung im Rahmen der Eingangsuntersuchung mit der Videosprechstunde therapeutische Erfolge mit dem Patienten vertraulich via PC, Laptop oder Tablet besprechen. Mit dem durch die gesetzlichen Krankenkassen geförderten Patientenservice entlasten Dermatologen zugleich Praxispersonal, etablieren komfortable Arbeitsabläufe und verhindern...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Arzt-Patienten-Kommunikation: Pflegepersonal von großer Bedeutung "

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EILMELDUNGEN zu SARS-CoV-2 und COVID-19
  • Keine Krankschreibungen mehr via Telefon – Seit heute ist eine Krankschreibung via Telefon ohne den Patienten persönlich gesehen zu haben, nicht mehr erlaubt. Der Hausärzteverband fodert eine Verlängerung der „Corona“-Sonderregelung (dpa, 01.06.2020).
  • Keine Krankschreibungen mehr via Telefon – Seit heute ist eine Krankschreibung via Telefon ohne den Patienten persönlich gesehen zu haben, nicht mehr erlaubt. Der Hausärzteverband fodert eine Verlängerung der „Corona“-Sonderregelung (dpa, 01.06.2020).

Cookies

Diese Webseite benutzt Cookies, um den Nutzern das beste Webseiten-Erlebnis zu ermöglichen. Ausserdem werden teilweise auch Cookies von Diensten Dritter gesetzt. Weitere Informationen erhalten Sie in den Allgemeine Geschäftsbedingungen und in den Datenschutzrichtlinien.

Verstanden