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Medizin

26. Juni 2019 Asthma mit Typ-2-Inflammation: Weniger Exazerbationen und verbesserte Lungenfunktion unter Dupilumab

Dupilumab ist seit dem 6. Mai 2019 in der EU zugelassen als Add-on-Erhaltungstherapie bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren mit schwerem Asthma mit Typ-2-Inflammation, gekennzeichnet durch eine erhöhte Anzahl der Eosinophilen im Blut und/oder erhöhtes FeNO (fractional exhaled nitric oxide), das trotz hochdosierter inhalativer Kortikosteroide (ICS) plus einem weiteren zur Erhaltungstherapie angewendeten Arzneimittel unzureichend kontrolliert ist (1). Basis der Zulassung sind die positiven Ergebnisse der pivotalen Studien DRI12544, QUEST und VENTURE. Diese zeigten, dass Dupilumab Exazerbationen und den Bedarf an oralen Kortikosteroiden reduzieren kann und gleichzeitig die Lungenfunktion sowie Lebensqualität der Patienten verbessert (2,3).
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Fachinformation
„Mit Dupilumab beginnt eine neue Ära für die Therapie des schweren unkontrollierten Asthmas. Mit dieser neuen Therapieoption können wir über die duale Rezeptorblockade und damit Hemmung der Signalwege der Interleukine IL-4 und IL-13 gezielt die Typ-2-Inflammation angehen. Diese liegt den meisten Asthmaerkrankungen zugrunde“, sagte Prof. Karl-Christian Bergmann, Berlin, im Rahmen einer Launch-Pressekonferenz von Sanofi Genzyme.

Exazerbationen deutlich reduziert

Professor Dr. Johann-Christian Virchow, Rostock, präsentierte die Ergebnisse der zulassungsrelevanten Phase-III-Studie QUEST (2). Insgesamt nahmen 1.902 Patienten mit mittelschwerem bis schwerem unkontrolliertem Asthma teil. Sie erhielten zusätzlich zur Standardtherapie Dupilumab (200 mg oder 300 mg) oder Placebo. Nach 52 Wochen konnte bei Patienten mit hochdosiertem ICS und einem weiteren zur Erhaltungstherapie angewendetem Arzneimittel, die eine erhöhte Anzahl an Eosinophilen im Blut (≥ 150/µl) beziehungsweise erhöhtes FeNO (≥ 25 ppb) aufwiesen, die Rate an schweren Exazerbationen unter Dupilumab (Dupixent®) im Vergleich zu Placebo um 55 beziehungsweise 69% im Mittel reduziert werden (4). „Darüber hinaus kam es unter Dupilumab zu einer beeindruckenden Verbesserung der Lungenfunktion“, so Virchow.

Verbesserte Lungenfunktion bereits nach 2 Wochen

Die VENTURE-Studie schloss 210 Patienten mit schwerem Asthma ein, die zusätzlich zur regelmäßigen Anwendung von inhalativen Kortikosteroiden plus einem weiteren Arzneimittel zur Erhaltungstherapie auf orale Kortikosteroide angewiesen waren*. Bereits nach der ersten Dosis Dupilumab war bei Patienten mit erhöhten Eosinophilen-Werten (≥ 150/µl) die Einsekundenkapazität vor Bronchodilatation (präBD FEV1) um etwa 160 ml angestiegen (3). Über die gesamte Studiendauer von 24 Wochen konnte bei diesen Patienten eine Verbesserung um 220 ml im Mittel gegenüber Placebo erreicht werden (3). Virchow betonte: „Insgesamt nahm die Kontrolle des Asthmas unter Dupilumab zu. Die erreichten Verbesserungen bei den klinischen Parametern übersetzten sich auch in eine bessere Lebensqualität der Patienten.“

Deutliche Abnahme des Bedarfs an oralen Kortikosteroiden

Mehr als die Hälfte der Teilnehmer der VENTURE-Studie mit erhöhten Eosinophilen-Werten (≥ 150/µl) (Median Prozent), die Dupilumab als Add-on-Therapie erhielten, konnten in Woche 24 vollständig auf orale Kortikosteroide verzichten (3). Durchschnittlich nahm der Bedarf an oralen Kortikosteroiden um rund 76% ab (vs. 47% unter Placebo) (3). Unter Dupilumab traten darüber hinaus signifikant weniger schwere Exazerbationen auf (3). „In VENTURE waren die Vorteile besonders ausgeprägt, wenn die Patienten eine Eosinophilie bzw. erhöhte FeNO-Konzentrationen aufwiesen. Die Unterschiede waren jedoch bei schwerem steroidabhängigem Asthma weniger stark ausgeprägt als in der QUEST-Studie“ (3), so Virchow.

Gute Verträglichkeit

Dupilumab wurde im Allgemeinen gut vertragen. Die häufigste unerwünschte Wirkung in den Studien war ein Erythem an der Injektionsstelle (1-3). Eine anaphylaktische Reaktion wurde sehr selten gemeldet (1-3).
Insgesamt wird Dupilumab von den Experten als wertvolle Bereicherung der verfügbaren Optionen bei der Behandlung von schwerem Asthma eingestuft. Dr. Ekkehard Beck, Rüdersdorf, wagte einen Blick in die Zukunft: „Vielleicht haben wir mit Dupilumab die Zeit der Dauertherapie mit oralen Kortikosteroiden bei Asthma bald hinter uns.“

Typ-2-Inflammation bei schwerem unkontrolliertem Asthma

Dupilumab ist ein vollständig humaner monoklonaler Antikörper, der die Signalwege von IL-4 und IL-13 hemmt. Die Interleukine sind Schlüsselmediatoren der Typ-2-Inflammation, einem Pathomechanismus, der den meisten Asthmaformen und mehreren anderen atopischen Erkrankungen zugrunde liegt (5). So leiden Bergmann zufolge bis zu 83% der Asthmapatienten an einem Asthma mit Typ-2-Inflammation (6-8). Klinische Biomarker der Typ-2-Inflammation sind eine erhöhte Anzahl an Eosinophilen sowie erhöhte FeNO- und IgE-Werte (9,10). „Die großen Zulassungsstudien zeigen, dass sich unter dem Dach des Asthmas mit Typ-2-Inflammation eine ganze Reihe an Asthma-Phänotypen, z.B. eosinophiles allergisches Asthma, eosinophiles nicht-allergisches Asthma sowie Mischformen, zusammenfassen lassen“ (11), erklärte Bergmann.

Einfache Handhabung

Dupilumab kann angewendet werden bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren als Add-on-Erhaltungstherapie bei schwerem Asthma mit Typ-2-Inflammation, gekennzeichnet durch eine erhöhte Anzahl der Eosinophilen im Blut und/oder erhöhte FeNO-Werte, das trotz hochdosierter inhalativer Kortikosteroide (ICS) plus einem weiteren zur Erhaltungstherapie angewendeten Arzneimittel unzureichend kontrolliert ist (1).
Beck begrüßte, dass Dupilumab als Fertigspritze zur Verfügung steht, da damit ein zeitaufwändiges Vorbereiten der Injektionslösung entfalle. Dupilumab wird nach einer Initialdosis alle 2 Wochen subkutan in wechselnde Injektionsstellen appliziert. Die Verabreichung kann sowohl durch das medizinische Fachpersonal in der Praxis/Klinik vorgenommen werden, als auch vom Patienten – nach entsprechender Einweisung – selbst.

Dosierung

Dupilumab ist seit dem 15. Juni 2019 in 2 Wirkstärken erhältlich. Die 200-mg-Dosierung (N1 2 Spritzen PZN -14350117, N2 6 Spritzen PZN -14350123) ist bei Patienten mit schwerem Asthma indiziert, die 300-mg-Dosierung (N1 2 Spritzen PZN -12727279, N2 6 Spritzen PZN -1272791) bei Patienten mit schwerem Asthma, die auf orale Kortikosteroide eingestellt sind oder die gleichzeitig an mittelschwerer bis schwerer atopischer Dermatitis leiden.

Patienteninformationsbox

Patienten, denen Dupilumab verschrieben wurde, können von ihrem Arzt eine Patienteninformationsbox erhalten, um den Therapiestart zu erleichtern. Diese enthält Informationen zum Präparat wie zum Beispiel Wirkweise, Selbstinjektion, Lagerung und unterstützende Materialien wie ein Patiententagebuch. Zudem steht das Service-Team „Aktiv mit schwerem Asthma“ als Ansprechpartner bei Fragen zum Thema schweres Asthma und zur Anwendung von Dupilumab montags bis freitags von 8:00-20:00 Uhr telefonisch unter 0800-50 500 20 (gebührenfrei aus dt. Netzen) zur Verfügung.

* 88,6% der Patienten erhielten hochdosiertes ICS plus ein weiteres Arzneimittel zur Erhaltungstherapie.

Quelle: Sanofi

Literatur:

(1) Fachinformation Dupixent®, Stand Mai 2019.
(2) Castro M et al. N Engl J Med 2018; 378 (26): 2486-2496.
(3) Rabe KF et al. N Engl J Med 2018; 378 (26): 2475-2485.
(4) Pavord I et al. [Poster] EAACI Kongress, 26-30. Mai 2018, München, Deutschland; #0853.
(5) Hammad H et al. Nat Rev Immunol 2008; 8: 193-204.
(6) Seys et al. Respir Res 2017; 18(1): 39.
(7) Peters MC et al. J Allergy Clin Immunol 2014; 133 (2): 300-394.
(8) Tran TN et al. Ann Allergy Asthma Immunol 2016; 116: 37-42.
(9) Woodruff PG, et al. Am J Respir Crit Care Med 2009; 180 (5): 388-395.
(10) Choy DF, et al. Sci Transl Med. 2015; 7 (301): 301ra129.
(11) Ray AL Am J Physiol Lung Cell Mol Physiol 2015; 308 (2): L130-40.


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