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Medizin

24. Juli 2012 Auch im Praxisalltag überlegene Blutzuckersenkung mit Liraglutid – bei gleichzeitiger Gewichtsreduktion und Kosteneffektivität

Das humane-GLP-1 Analogon Liraglutid (Victoza®) senkt unter Praxisbedingungen in der britischen Primärversorgung den HbA1c-Wert signifikant stärker als Exenatid oder DPP-4 Inhibitoren. Zudem ist es hinsichtlich Gewichtsreduktion Exenatid im Trend und den DPP-4- Inhibitoren signifikant überlegen. Liraglutid erwies sich als die kosteneffektivere Therapie und kommt den Präferenzen der Patienten besonders entgegen. Dies sind die Ergebnisse einer retrospektiven Studie (1), die im Rahmen der 72. Jahrestagung der American Diabetes Association (ADA) in Philadelphia, USA vorgestellt wurde.

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Fachinformation

Die Studie hat die klinische Wirksamkeit und Kosteneffektivität der Inkretin-basierten Therapien im Routinealltag verglichen. Dazu wurden in 15 britischen Hausarzt-Praxen Daten von insgesamt 1.114 Patienten unter einer solchen Behandlung über im Schnitt 48 Wochen gesammelt und 188 Patienten nach ihren Präferenzen befragt.

Die Ergebnisse (1)

• Nach den Studiendaten wurde mit Liraglutid (1 x tgl.) eine signifikant stärkere mittlere HbA1c-Senkung erzielt als mit Exenatid (2 x tgl.) oder mit DPP-4-Inhibitoren (1,23 vs. 0,79 und 0,72%; p < 0,05).
• In der Gewichtsreduktion war Liraglutid Exenatid im Trend (-3,9 vs. -2,9 kg) und den DPP-4 Inhibitoren signifikant überlegen (-3,9 vs. -0,8 kg, p < 0,05).
• Gemessen in QALYs (Qualitätsadjustierte zusätzliche Lebensjahre) waren die beiden GLP-1 Rezeptor Agonisten ähnlich kosteneffektiv (Liraglutid £ 16.505; Exenatid £ 16.648 pro QALY) und deutlich kosteneffektiver als DPP-4-Inhibitoren (£ 20.661 pro QALY).
• Danach befragt, ob sie eher ein Medikament mit einem Liraglutid-ähnlichen oder einem Sitagliptin-ähnlichen Profil bevorzugen würden, entschieden sich signifikant mehr Patienten für die Liraglutid-ähnliche Substanz (62,5 vs. 37,5%, p < 0,05), obwohl diese injiziert werden muss, während das Gliptin oral genommen wird.

Individualisierte Therapieentscheidung

Kurz vor dem Kongress haben die ADA und die europäische Diabetesgesellschaft EASD (European Association for the Study of Diabetes) aktualisierte Empfehlungen zur antihyperglykämischen Therapie des Typ 2 Diabetes vorgestellt (2). Neu ist die Betonung einer individualisierten Behandlung – z. B. bei der Frage, welcher Wirkstoff nach Metformin eingesetzt wird. Die Entscheidung sollte „im Einklang mit den individuellen Bedürfnissen, Präferenzen und Werten des Patienten stehen“, sagte Professor Jack Leahy, Burlington, Vermont, USA im Rahmen eines Symposiums auf der ADA-Jahrestagung. Neben der antihyperglykämischen Wirkung empfahl er, weitere Aspekte wie etwa das Körpergewicht, das Hypoglykämierisiko sowie kardiovaskuläre Faktoren zu berücksichtigen. In all diesen Punkten sei Liraglutid „eine attraktive Möglichkeit“ (3).
Das bestätigte auch Professor Richard E. Pratley, Orlando, Florida, USA mit Hinweis auf eine große randomisierte Vergleichsstudie von Liraglutid und Sitagliptin (jeweils kombiniert mit Metformin) (4). Darin war mit 1,2 bzw. 1,8 mg Liraglutid eine signifikant stärkere HbA1c-Senkung als mit Sitagliptin (-1,2 und -1,5 vs. -0,9%) erzielt worden. Auch war die Gewichtsabnahme unter dem GLP-1 Rezeptor Agonisten ausgeprägter (-2,86 und -3,38 vs. -0,96 kg).

Beim frühen Einsatz von Liraglutid bessere Zielwert-Erreichung

Für einen frühen Einsatz von Liraglutid – direkt, wenn mit Metformin allein die Glucoseziele nicht erreicht werden und nicht erst nach der Metformin Sulfonylharnstoff-Kombination – sprechen weitere auf dem Kongress vorgestellte Daten (5). Es handelt sich um die Posthoc-Analyse einer Studie mit knapp 1.000 Patienten (6). Diese hatten zuvor entweder Metformin allein oder kombiniert mit Sulfonylharnstoff erhalten. Liraglutid (1,8 mg/Tag) wurde additiv zur Metformin-Monotherapie oder als Ersatz für den Sulfonylharnstoff gegeben. Patienten, die bereits mit Metformin Sulfonylharnstoff-Kombination behandelt wurden, wiesen eine signifikant längere Diabetesdauer auf (9,0 vs. 6,5 Jahre). Die Ausgangs-HbA1c-Werte waren aber in beiden Gruppen ähnlich (7,7 vs. 8,0%).

Das Ergebnis zeigte: Je früher Liraglutid eingesetzt wurde, desto mehr profitierten die Patienten. Die HbA1c-Senkung war ausgeprägter; die Rate derjenigen, die ein HbA1c-Ziel unter 7,0% nach zwölf Wochen erreichten, war signifikant höher (70% vs. 45%), wenn Liraglutid direkt mit Metformin eingesetzt wurde und nicht den Sulfonylharnstoff ersetzte. In beiden Gruppen nahm unter Liraglutid auch der systolische Blutdruck ab (-4,2 bzw. -3,7 mmHg). Das Fazit der Autoren: Wird Liraglutid früh eingesetzt, profitieren die Patienten stärker. Aber auch ein späterer Einsatz und Ersatz des Sulfonylharnstoffes durch das humane-GLP-1 Analogon bringt einigen Patienten zusätzlichen Nutzen.

Diese Schlussfolgerung wird durch weitere in Philadelphia vorgestellte Daten aus britischen Arztpraxen unterstützt (7). Die Autoren um Dr. Ken Y. Thong, City Hospital Birmingham, UK zeigten, dass die erreichte HbA1c-Senkung (mit 1,2 mg Liraglutid/Tag) umso größer ausfiel, je kürzer die Diabetesdauer war. Dennoch profitieren Patienten auch dann noch signifikant von Liraglutid, wenn die Diabeteserkrankung bereits länger besteht.

Literaturhinweise:
(1) Evans M et al. 1116-P, präsentiert bei den American Diabetes Association (ADA) Scientific Sessions 2012, Philadelphia, Pennsylvania, USA
(2) Inzucchi S et al. Diabetes Care 2012 Apr 19, DOI: 10.2337/dc12-0413
(3) Symposium “Real Time Clinical Scenarios” bei den American Diabetes Association (ADA) Scientific Sessions 2012, Philadelphia, Pennsylvania, USA, 9.6.2012
(4) Pratley RE et al. Lancet 2010;375:1447-1456
(5) Bain SC et al. 1168-P, präsentiert bei den American Diabetes Association (ADA) Scientific Sessions 2012, Philadelphia, Pennsylvania, USA
(6) DeVries JH et al. Diabetes Care 2012;35:1446-1454
(7) Thong KY et al. 1038-P, präsentiert bei den American Diabetes Association (ADA) Scientific Sessions 2012, Philadelphia, Pennsylvania, USA

Quelle: Bericht von den 72nd Scientific Sessions der American Diabetes Association (ADA) 8. bis 12. Juni 2012 in Philadelphia, Pennsylvania, USA; Novo Nordisk


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