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Medizin

21. April 2020 Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte: Kinderschutz muss im Fokus bleiben

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e.V. (BVKJ) mahnt, dass Kinderschutz gerade in Zeiten der Corona-Pandemie im Fokus von Politik und Öffentlichkeit bleiben muss. Die Kinder und Jugendlichen brauchen die breite Unterstützung und den Schutz der Gesellschaft.
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BVKJ-Vizepräsidentin Dr. med. Sigrid Peter betont: „Wir Kinder- und Jugendärzte haben regelmäßigen Kontakt zu den Familien. Das gibt uns die Möglichkeit, über das rein Medizinische hinaus die Kinder und Jugendlichen in ihrer komplexen Lebensrealität zu sehen und gegebenenfalls zu schützen.“ Auch Erzieher, Lehrer, Nachmittagsbetreuung, Jugendzentren und viele mehr erfüllen „ganz nebenbei“ diese Schutzfunktion und leisten einen Beitrag zur Vorbeugung und Erkennung von Vernachlässigung und Misshandlung. „Diese Strukturen liegen aktuell brach und wir müssen befürchten, dass die Kinder und Jugendlichen nun oftmals allein sind mit ihren Sorgen und Nöten“, so Peter.

Häusliche Gewalt nimmt zu

Dies ist gerade vor dem Hintergrund erster Daten aus China Anlass zur Besorgnis, dort hat sich die Anzahl der Verdachtsfälle von häuslicher Gewalt wohl verdreifacht. Darauf hat der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig hingewiesen. Aber auch in Deutschland ist bereits jetzt ein zunehmender Anstieg von Meldungen bei den Jugendämtern zu verzeichnen. So ist die Anzahl der Anzeigen wegen häuslicher Gewalt laut dem Bundesfamilienministerium schon um 10% gestiegen. Es ist allerdings mit noch mehr Meldungen insbesondere in der Zeit nach der größten Corona-Welle zu rechnen, wenn Kinder wieder in die Kitas und Schulen sowie in die Arztpraxen gehen und Vernachlässigungen und Misshandlungen u.a. im veränderten Verhalten der Kinder sichtbar werden. „Wir sorgen uns vor allem um benachteiligte Kinder in sozialen Brennpunkten“, sagt Peter. „Insbesondere, weil derzeit Anlaufstellen wie zum Beispiel die Arche fehlen und die wirtschaftlichen Konsequenzen in Folge von Kurzarbeit oder sogar Jobverlust sich insbesondere in diesen Gruppen stark bemerkbar machen. Familienarmut trifft die Kinder am härtesten.“

Schutz durch die Gesellschaft

Der BVKJ fordert deshalb sofortige Maßnahmen, um größere Schäden von den betroffenen Kindern und Jugendlichen abzuwenden. Für das Thema Kinderschutz muss es eine breite Aufmerksamkeit geben: Achtsame Nachbarn und das aktive Verbreiten von Notrufnummern sind wichtige Maßnahmen. Alle Verantwortlichen aus Politik, medizinischer Selbstverwaltung und Kinder- und Jugendhilfe müssen nun besser denn je vernetzt zusammenarbeiten, bestehende Versorgungslücken schließen und gezielte Maßnahmen für die Kinder und Jugendliche etablieren. Kinder- und Jugendärzte werden die Familien im Rahmen der Möglichkeiten aktiv weiter betreuen, sei es durch Vorstellung in den Praxen in Notfällen oder auch durch regelmäßige telefonische Kontaktaufnahme. Außerdem hat der BVKJ Hinweise und Tipps an Eltern für den Umgang mit ihren Kindern in der Isolation auf der Internetseite zusammengestellt unter www.bvkj.de/eltern/.
 

Quelle: Berufsverband der Kinder-und Jugendärzte (BVKJ)


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