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Medizin

12. April 2017 Biosignatur zur besseren Vorhersage über Wirksamkeit von Antidepressivum

Ein Drittel aller Patienten, die an einer Depression leiden, spricht nicht auf das erste Medikament an, das ihnen verordnet wird. Bisher bleibt dem behandelnden Arzt nichts anderes übrig, als verschiedene Präparate auszuprobieren. In einer Studie haben Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie jetzt eine Biosignatur identifiziert, die es möglich macht vorherzusagen, welche Patienten auf die Behandlung mit dem Antidepressivum Paroxetin ansprechen und welche nicht. Die Studie markiert einen wichtigen Schritt auf dem Weg zu einer personalisierten Medizin im Fachgebiet der Psychiatrie.
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Patienten reagieren ganz unterschiedlich auf Antidepressiva. Bei ungefähr einem Drittel zeigt das erste verordnete Antidepressivum keine Wirkung. Erschwerend kommt hinzu, dass sich die Wirksamkeit grundsätzlich erst nach vier bis sechs Wochen kontinuierlicher Einnahme herausstellt. Es ist daher nicht ungewöhnlich, dass Patienten sich einigen Behandlungszyklen mit unterschiedlichen Antidepressiva unterziehen müssen, bevor ein passendes Medikament in der geeigneten Dosierung gefunden ist. Abgesehen von den damit verbundenen Kosten führt dies zu langwierigem Leiden sowie zu einem erhöhten Suizidrisiko.

Biosignaturen, mit deren Hilfe sich der Behandlungserfolg für jeden einzelnen Patienten genau vorhersagen ließe, böten eine überzeugende Alternative zur gängigen Praxis des Ausprobierens von Medikamenten. Biosignaturen bieten objektive biologische Parameter wie sie in anderen Bereichen der Medizin bereits Praxis sind, in die Psychiatrie bisher aber noch keinen Eingang gefunden haben. Solche Biosignaturen wären von erheblichem Nutzen für die behandelnden Psychiater, da sie mit ihrer Hilfe voraussagen könnten, ob ein Patient zu Beginn oder in einer frühen Behandlungsphase positiv auf ein Antidepressivum reagieren wird.

Wissenschaftler unter der Leitung von Chris Turck vom Münchner Max-Planck-Institut für Psychiatrie (MPI) haben in Zusammenarbeit mit Marianne Müller von der Universität Mainz an Mäusen molekulare Signalwege beschrieben, die für das Ansprechen bzw. Nichtansprechen auf das Antidepressivum Paroxetin charakteristisch sind. In der aktuellen Studie haben die Wissenschaftler ein Profil von Proteinen und Metaboliten im Hippocampus erstellt. Sie haben herausgefunden, dass zwischen Glutamat- und Ubiquitin-Proteasom-Signalwegen und der Reaktion auf Antidepressiva ein direkter Zusammenhang besteht. Glutamat ist einer der wichtigsten Neurotransmitter und spielt eine zentrale Rolle bei verschiedenen Hirnfunktionen. Ubiquitinierung dient der Qualitätssicherung und ist unverzichtbar bei der Entfernung beschädigter Proteine.

In einem nächsten Schritt untersuchten die Forscher, ob man mit Hilfe dieser Signalwege herausfinden könnte, welche Patienten auf eine Behandlung ansprechen würden und welche nicht. Sie nahmen Blutproben von Patienten, die an Depression litten und entdeckten, dass die Biosignaturprofile eine Klassifizierung des klinischen Ansprechens auf Antidepressiva ermöglichten. Insbesondere waren sie in der Lage, Patienten, die auf ein Antidepressivum ansprechen würden, bereits vor Behandlungsbeginn von denen zu unterscheiden, bei denen dies nicht der Fall sein würde.

„Biosignaturen zur Prognose des Behandlungserfolges von Antidepressiva werden die langwierigen Leidenswege von Patienten verkürzen, indem sie im Voraus abklären, welches das vielversprechendste Antidepressivum ist. Dies ist ein wichtiger Schritt für die personalisierte Medizin im Bereich Psychiatrie“, so die Schlussfolgerung von Dongik Park vom MPI und Erstautor des Artikels. Laut Chris Turck „werden Biosignaturen zur Entwicklung von Medikamenten beitragen, indem sie neue Ansatzpunkte liefern. Darüber hinaus werden sie helfen, neuartige Antidepressiva für Patienten zu finden, die an behandlungsresistenter Depression leiden.“

Quelle: Max-Planck-Institut für Psychiatrie


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