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Medizin

10. Februar 2017 Bestimmte Genvarianten erhöhen Erkrankungsrisiko vor allem kleinerer Lungen

Ob bestimmte Abschnitte im Erbgut mit Lungenfunktion und -erkrankungen zusammenhängen, untersuchen Lungenforscher und Epidemiologen am Helmholtz Zentrum München. In einer Studie zeigten sie, warum Menschen mit einer kleineren Lunge ein erhöhtes Risiko für Lungenerkrankungen haben. Zudem lässt sich anhand der Gene demnach das Risiko für eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) vorhersagen.
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Forscher des SpiroMeta Konsortiums haben über Jahre hinweg zahlreiche Bereiche im Erbgut ermittelt, die für die Funktion der Lunge eine Rolle spielen. Von Beginn an dabei ist auch die Gruppe um Prof. Dr. Holger Schulz, kommissarischer Direktor des Instituts für Epidemiologie I (EPI I) am Helmholtz Zentrum München. „Seit Beginn des Projekts im Jahr 2007 konnten wir das Wissen über lungenrelevante Gene entscheidend erweitern“, so Schulz im Rückblick.

„Nach wie vor interessiert uns vor allem der Zusammenhang bestimmter Gene mit der Lungenfunktion, da bekannt ist, dass lungengesunde Menschen mit einer kleineren Lunge ein erhöhtes Risiko für Lungenerkrankungen besitzen.“ In der aktuellen Arbeit des Konsortiums, an der die Helmholtz-Wissenschaftler auch wieder beteiligt sind, ergaben sich genetische Hinweise, warum das so sein könnte. Dr. Christian Gieger, Leiter der Abteilung für Molekulare Epidemiologie (AME) am Helmholtz Zentrum München, erklärt dazu: „Wir konnten Genvarianten identifizieren, die mit einer schlechteren Lungenfunktion assoziiert sind und deren Träger ein erhöhtes Risiko haben, an COPD zu erkranken. Diese neue und weltgrößte Studie zur Genetik von Lungenerkrankungen liefert also erste pathophysiologische Erklärungen für den Zusammenhang zwischen Lungenfunktion und bestimmten Genen.“ Zudem seien letztere auch Kandidaten für künftige Therapieansätze, dieser translationale Aspekt ist den Forschern besonders wichtig.

Dr. Stefan Karrasch, Wissenschaftler am EPI I und ebenfalls an der Arbeit beteiligt, beschreibt das methodische Vorgehen: „Zunächst untersuchte man Genomdaten von knapp 49.000 Probandinnen und Probanden mit sehr unterschiedlichen Lungenfunktionswerten. Die dabei gefundenen Genkandidaten wurden dann in einer zweiten Phase anhand von Daten weiterer gut 95.000 Probandinnen und Probanden überprüft.“* Auf diese Weise erhöhten die Wissenschaftler die Zahl an Kandidatengenen von 54 auf nun 97.

Künftig, so hoffen sie, könnte man an diesen Stellen versuchen in die Lungenbiologie einzugreifen, um Krankheiten zu bekämpfen. Für manche Bereiche seien bereits Wirkstoffe in der Entwicklung, so die Autoren der Arbeit, die unter Federführung der Universität Leicester entstand. Zudem entwarfen die Wissenschaftler einen sogenannten Risikoscore, um die Wahrscheinlichkeit von COPD vorherzusagen. Patienten mit den höchsten Werten hatten ein fast viermal so hohes Risiko, eine COPD zu entwickeln als solche mit den niedrigsten Werten.

* Die Daten stammten aus der sogenannten UK Biobank. Dieses groß angelegte Projekt sammelt Gesundheitsdaten von 500.000 freiwilligen Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Vereinigten Königreich, um die Prävention, Diagnose und Behandlung zahlreicher Krankheiten zu verbessern. Darunter fallen beispielsweise auch Diabetes, Demenz, Krebs und andere Volkskrankheiten: http://www.ukbiobank.ac.uk

Quelle: Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt

Literatur:

Wain, L, Shrine N, Artigas M et al.
Genome-wide association analyses for lung function and chronic obstructive pulmonary disease identify new loci and potential druggable targets.
Nature Genetics (2017) doi:10.1038/ng.3787
http://www.nature.com/ng/journal/vaop/ncurrent/full/ng.3787.html?WT.feed_name=subjects_genetics


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