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Medizin

08. Mai 2018 Keine Evidenz für Vitamin D zur Vorbeugung von Stürzen und Knochenbrüchen

Kürzlich im Journal der Amerikanischen Ärztegesellschaft (JAMA) online erschienene Artikeln, Stellungnahmen und Editorials (1,2), welche die Vitamin-D-Gabe zur Verhinderung von Stürzen und Knochenbrüchen untersuchten, fanden keinen Nutzen von Vitamin D +/- Kalzium. Die aktualisierte Stellungnahme der US-amerikanischen Behörde zur Krankheitsverhütung revidierte auf Grund der jetzt vorliegenden Daten aus 62 Studien an 35.000 Personen ihre eigene Einstufung.
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Die aktualisierte Stellungnahme der US-amerikanischen Behörde zur Krankheitsverhütung revidierte auf Grund der jetzt vorliegenden Daten aus 62 Studien an 35.000 Personen ihre eigene Einstufung von 2012 bei Personengruppen ohne Osteoporose und ohne Vitamin-D – Mangel, wie auch immer dieser definiert worden war: Anstelle der früheren Empfehlung von Grad B stufte sie jetzt den  Nutzen von Vitamin-D auf Grad D zurück: „The D recommendation means that the task force discourages use because of moderate or high certainty of no net benefit or that  harms outweigh benefits“. Zu den Schädigungen (harms) heißt es: „The task force did find sufficient evidence confirming an increased risk for kidney stones with combined vitamin D and calcium supplementation, and indicating no increased incidence of cardiovascular disease with vitamin D” (etwa über Koronarverkalkung, aber auch keine Verringerung; Anmerkungen des Referenten).

Für Frauen > 65 Jahre, die nicht in betreuten Heimen leben, wird Vitamin-D-Supplementierung nicht durchgehend empfohlen. Vielmehr wird auf Grund der Analysen der multifaktoriellen Programme mit verstärkter körperliche Aktivität dieser ein hoher Nutzen zur Verhinderung von Stürzen und damit von Knochenbrüchen zugesprochen. Darüber hinaus würde verstärkte körperliche Aktivität auch in dieser Bevölkerungsgruppe die Risiken anderer chronischer Erkrankungen, wie sie im Alter auftreten, reduzieren (2).

Für asymptomatische Männer und prämenopausale Frauen gebe es nicht genügend Evidenz, dass Vitamin-D – und Kalziumsupplementation, allein oder kombiniert, Knochenbrüche verhindern würde. Für postmenopausale Frauen sei die Evidenz zu gering, als dass die Nutzen-Schaden-Relation für eine tägliche Supplementgabe von Vitamin-D-Dosen über 400 Einheiten und von Kalzium über 1.000 mg ausreichend sei. Von täglichen Gaben unter 400 Einheiten Vitamin-D und unter 1.000 mg Kalzium wird abgeraten. Die Task Force identifizierte aber eine Arbeit mit 100.000 Einheiten  Vitamin-D alle 4 Monate, die einen Nutzen zeigte (3), andererseits auch eine mit 100.000 Einheiten Vitamin-D monatlich, die kein verringertes Frakturrisiko ergab (4).

Für eine hoffentlich definitive Antwort auf die Frage zum Nutzen einer Vitamin-D-Gabe wird man die Auswertung der beiden großen, prospektiven randomisierten Doppelblindstudien abwarten müssen, der amerikanischen VITAL-Studie und der australischen D-HEALTH Study. Deren Resultate sollten Ende 2018 bzw. 2025 vorliegen. Gewiss wird man eine Differenzierung zwischen Menschen mit etablierten (muskuloskelettalen und anderen) Erkrankungen sowie unterschiedlichen Vitamin-D-Ausgangsspiegeln und/oder deren Werten im Verlauf, soweit vorhanden, vornehmen.

Helmut Schatz

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie e. V.

Literatur:

(1) Janelle M. Guirguis-Blake et al.: Interventions to prevent falls in older adults. Updated evidence report and systematic review for the US Preventive Services Task Force. JAMA online April 17, 2018
(2) Heike A. Bischoff-Ferrari et al.: Preventing fracures and falls. A limited role for calcium and vitamin D supplements?
Editorial. JAMA 2018. 319(15): 1552-1553
(3) US Preventive Services Task Force: Vitamin D, calcium, or combined supplementation for the primary prevention of fractures in community-dwelling adults: US Preventive Service recommendation statement. JAMA online April 17, 2018
(4) D.P. Trivedi et al.: Effect of four monthly oral vitamin D3 (cholecalciferol) supplementation on fractures and mortality in men and women living in the community.Brit Med J 2003. 326 (7387):469


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