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Medizin

27. Juni 2018 Biosimilare Antikörper: Konsequente Nutzung in der Onkologie ist umsetzbar

Mit biosimilaren Antikörpern tun sich manche Onkologen noch schwer. An der Charité Berlin wird jetzt bei Rituximab-Neueinstellungen sehr konsequent auf kopierte Biologika gesetzt. Kritik von Ökonomen gibt es an der Regulierung biosimilarer Rezepturarzneien.
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Beim Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit berichtete Prof. Dr. Diana Lüftner von der Hämatologie und Onkologie der Charité Berlin über die Einführung biosimilarer Antikörper in einer großen onkologischen Universitätsklinik. „Mit biosimilaren Antikörpern erreichen wir die gleiche Behandlungsqualität wie mit Originalprodukten und sparen dabei Kosten“, so Lüftner. Bisher geht es bei den biosimilaren monoklonalen Antikörpern in der Onkologie vor allem um Rituximab. In Kürze wird das Thema aber an Relevanz gewinnen, wenn Trastuzumab- und perspektivisch auch Bevacizumab-Biosimilars in den Markt kommen.

Um einen Konsens über den Einsatz biosimilarer Antikörper in der Onkologie zu erzielen, hätten sich alle betroffenen Ärzte der Klinik anderthalb Stunden zusammengesetzt und dabei unter anderem im Detail über das Zulassungsprozedere für Biosimilars bei der EMA diskutiert. „Am Ende wurde Einigkeit darüber erzielt, dass wir die bei Biosimilars vorgenommene Extrapolation von einer Indikation auf andere als sicher ansehen. Wir behandeln heute ungefähr 9 von 10  neu auf Rituximab eingestellte Patienten mit Biosimilars“, so Lüftner. Dagegen würden keine anlasslosen Umstellungen auf Biosimilar vorgenommen, und auch der Patientenwunsch werde respektiert.

Insgesamt sei der Marktanteil von Biosimilars im deutschen Gesundheitswesen allerdings weiterhin gering, sagte Prof. Dr. Uwe May, Gesundheitsökonom an der Hochschule Fresenius, Idstein. Dies sei nicht zuletzt deswegen ungünstig, weil damit gerade in der Onkologie relevante Einsparpotenziale nicht gehoben würden. „Die durch Biosimilar-Verordnung freigesetzten Ressourcen stehen der Solidargemeinschaft für die Finanzierung des medizinisch-pharmazeutischen Fortschritts in der Onkologie zur Verfügung“, so May.

Einer der Gründe dafür, dass sich Biosimilars eher zögerlich durchsetzen, sei eine suboptimale Regulierung, die es Biosimilar-Herstellern in vielen Bereichen erschwere, relevante Umsatzanteile zu erzielen. Hier gelte es, gegenzusteuern, um Marktverwerfungen und Fehlanreize zu vermeiden. Als Beispiel nannte May die Rezepturarzneimittel, bei denen es durch Rabattverträge und Einzelvereinbarungen mit den Apothekern zu einer Doppelrabattierung komme. Diese Regelung bringe die Krankenkassen in eine viel zu starke Verhandlungsposition. May sprach sich für einen Mix aus Verordnungs- und Preissteuerung bei Biosimilars aus, riet aber von exklusiven Rabattverträgen ab.

Philipp Grätzel

Quelle: Chancen und Risiken für Biosimilars in Deutschland; 8. Juni 2018; 9.00h-10.30h im Rahmen des Hauptstadtkongress Medizin & Gesundheit 2018; Veranstalter: Pfizer


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