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Medizin

19. Juni 2018 Bluthochdruck: Neue ESC/ESH-Leitlinien empfehlen die initiale Kombitherapie in einer Tablette

Die Europäischen Fachgesellschaften für Kardiologie (ESC) und Hypertonie (ESH) haben neue Leitlinien für die Diagnostik und Therapie des Bluthochdrucks entwickelt. Vollständig werden sie erst zum ESC-Kongress im August publiziert, doch sind die wesentlichen Details schon bekannt. Wesentliche Punkte sind niedrigere und differenziertere Behandlungsziele sowie neue Empfehlungen zur Initialtherapie.
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Für Screening und Diagnostik steigt nun der Stellenwert von ambulanten („out of office“), also automatisierten Messungen oder der Blutdruck-Selbstmessung durch die Patienten, so der Nephrologe Prof. Dr. Roland Schmieder, Universität Erlangen-Nürnberg. Dabei liegt bei der Heimmessung die Schwelle zur Grad-1-Hypertonie bereits bei 130/80 mmHg, also 10 mmHg niedriger als in der Praxis. Als Zielwert der Therapie gilt jetzt eine Drucksenkung unter 140/90 mmHg, bei guter Verträglichkeit jedoch auf 130/80 mmHg und tiefer. Der untere systolische Grenzwert für Hypertoniker unter 65 Jahren liegt bei 120 mmHg, bei Älteren jedoch bei 130 bis <140 mmHg. Ab einem Alter über 80 Jahren gilt dies jedoch nur, wenn die Therapie gut vertragen wird. Diastolisch ist unabhängig von Risiko und Komorbiditäten, generell ein Wert unter 80 mmHg, aber nicht unter 70 mmHg anzustreben, sagte Schmieder.

Begonnen werden sollte die Therapie mit einer Kombination zweier Antihypertonika. Bei einem unkomplizierten Hochdruck ist die Kombination aus einem ACE-Hemmer oder einem Angiotensin-Rezeptorantagonisten mit einem Kalziumantagonisten oder einem Diuretikum indiziert. Für die meisten Patienten ist dabei aus Adhärenzgründen eine Fixkombination in einer Tablette optimal. Hier kommen etwa niedrigdosierte Fixkombinationen von Perindopril und Amlodipin (Viacoram®) oder von Perindopril und Indapamid (BiPreterax®) in Frage. Eine initiale Monotherapie sollte Patienten mit niedrigem Risiko oder gebrechlichen Patienten bzw. ab einem Alter von etwa 80 Jahren vorbehalten sein, betonte Schmieder.

Auf die besonderen Probleme geriatrischer und meist multimorbider Patienten bei der Hochdrucktherapie wies Prof. Cornel Sieber vom Krankenhaus Barmherzige Brüder in Regensburg hin. So begrenze die Gefahr einer orthostatischen Hypotonie als wesentliche Sturzursache das Ausmaß der Blutdrucksenkung ebenso wie Probleme mit der Adhärenz aufgrund einer Vielzahl anderer Medikamente. Eine niedrigdosierte Fixkombination aus 3,5 mg Perindopril und 2,5 mg Amlodipin biete dabei die Vorteile der geringen Neigung zu Ödemen und Husten bei effektiver Blutdrucksenkung (1), so Sieber. Diuretika als Kombinationspartner sind nach seiner Erfahrung speziell bei alten Patienten über 80 Jahre und im Sommer wegen unzureichender Flüssigkeitsaufnahme problematisch.

Andreas Häckel

Quelle: Pressegespräch „Neue ESH/ESC Leitlinie Hypertonie: Sprint zu neuen Zielwerten?“, Frankfurt am Main, 15. 06. 2018, Veranstalter Servier.

Literatur:

(1) Fleig SV et al., Adv Ther 2018: doi 10.1007/s12325-018-0675-3


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