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Medizin

01. März 2017 Bruton-Tyrosinkinase als wichtige „Stellschraube“ im Entzündungsgeschehen identifiziert

Forscher haben ein Protein als wichtige „Stellschraube“ für die Entstehung von Entzündungen im menschlichen Körper genauer identifiziert. Das Protein Bruton-Tyrosinkinase, kurz BTK, wird bei der Aktivierung des Entzündungsgeschehens im menschlichen Körper eingeschaltet.
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Entzündungen sind bei vielen Erkrankungen wichtig für den Heilungsprozess. Zugleich können sie bei Erkrankungen wie Gicht, Alzheimer, Atherosklerose, einem Herzinfarkt oder Schlaganfall aber auch negative Folgen haben und die Erkrankungsfolgen verstärken.

Entzündungszustände werden unter anderem durch eine molekulare Maschinerie gesteuert, die als Inflammasom bezeichnet wird. Dabei werden zunächst Zellen des Immunsystems aktiviert, die wiederum Zytokine freisetzen.

„Da die Funktionsweise des Inflammasoms noch nicht im Detail aufgeklärt ist, fehlen auch in der Klinik derzeit therapeutische Ansätze, die direkt die molekulare Maschinerie des Inflammasoms als Entzündungsauslöser blockieren könnten“, sagt Weber. Stattdessen zielen bislang verfügbare Therapien in erster Linie auf deutlich später einsetzende Symptome einer Entzündung. Diese therapeutische Lücke motivierte die Tübinger Forscherinnen und Forscher, das Inflammasom genauer zu erforschen, um neue Angriffspunkte für die direktere Hemmung von Entzündungen zu finden.

Im Zuge ihrer Untersuchungen stieß Webers Team auf das Protein BTK als wesentliche „Stellschraube“ des Inflammasoms. „Die Bruton-Tyrosinkinase ist seit vielen Jahren als genetische Ursache für die sehr seltene Immunschwäche Morbus Bruton bekannt“, erklärt Xiao Liu, Doktorandin in der Abteilung Immunologie. Bei dieser Krankheit fehlen den Betroffenen schützende Antikörper, denn BTK ist für Reifung und Funktion der B-Zellen zwingend erforderlich. Gemeinsam mit weiteren Kollegen in Tübingen, Bonn, Freiburg, Ulm und Baltimore (USA) konnten die Tübinger Immunologen zeigen, dass BTK direkter Bestandteil des Inflammasoms ist und Patienten mit BTK-Mutationen, das heißt mit Morbus Bruton, auch einen Defekt des Inflammasoms zeigen.

Nach Webers Worten rückt damit ein neuer Ansatz für die Behandlung von Entzündungen in den Bereich des Möglichen. Arzneimittel, welche die Aktivität von BTK hemmen, werden seit kurzem für die Therapie einer bestimmten Form von Lymphdrüsenkrebs mit entarteten B-Zellen (CLL und Mantelzell-Lymphom) eingesetzt. „Wir konnten zeigen, dass eine Hemmung von BTK experimentell das Entzündungsgeschehen stark bremsen kann“, sagt Weber. In Immunzellen von Krebspatienten, die regelmäßig BTK-Hemmer zur Behandlung ihrer Krebserkrankung einnehmen, sei die Zytokin-Freisetzung effektiv blockiert und das Inflammasom praktisch lahmgelegt.

„Somit könnten Patienten, die unter den Folgen eines Schlaganfalls, eines Herzinfarkts oder Gicht leiden, möglicherweise vom Einsatz eines BTK-Hemmers in Zukunft deutlich profitieren“, erklärt Weber. Denn in diesen Fällen scheint das Inflammasom als Krankheitstreiber zu fungieren. Da BTK-Hemmer bereits in der klinischen Entwicklung weit fortgeschritten sind, könnte der Weg bis hin zu dieser neuen klinischen Anwendung, welche allerdings aktuell noch nicht zugelassen ist, kürzer ausfallen als bei Ansätzen, für die es noch keinen entsprechenden Wirkstoff gibt. „Unsere Ergebnisse und die unserer Kollegen geben Anlass dazu, diese Möglichkeit in weiterer experimenteller Forschung und in klinischen Studien auszuloten“, erklären die Tübinger Forscher abschließend.

Quelle: Eberhard Karls Universität Tübingen

Literatur:

Liu X, Pichulik P, Wolz OO et al.
Human NLRP3 inflammasome activity is regulated by and therapeu-tically targetable via BTK.
Journal of Allergy and Clinical Immunology 2017,
http://dx.doi.org/10.1016/j.jaci.2017.01.017


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