Donnerstag, 16. Juli 2020
Navigation öffnen
Anzeige:

Medizin

01. März 2017 Bruton-Tyrosinkinase als wichtige „Stellschraube“ im Entzündungsgeschehen identifiziert

Forscher haben ein Protein als wichtige „Stellschraube“ für die Entstehung von Entzündungen im menschlichen Körper genauer identifiziert. Das Protein Bruton-Tyrosinkinase, kurz BTK, wird bei der Aktivierung des Entzündungsgeschehens im menschlichen Körper eingeschaltet.
Anzeige:
Basistext
Entzündungen sind bei vielen Erkrankungen wichtig für den Heilungsprozess. Zugleich können sie bei Erkrankungen wie Gicht, Alzheimer, Atherosklerose, einem Herzinfarkt oder Schlaganfall aber auch negative Folgen haben und die Erkrankungsfolgen verstärken.

Entzündungszustände werden unter anderem durch eine molekulare Maschinerie gesteuert, die als Inflammasom bezeichnet wird. Dabei werden zunächst Zellen des Immunsystems aktiviert, die wiederum Zytokine freisetzen.

„Da die Funktionsweise des Inflammasoms noch nicht im Detail aufgeklärt ist, fehlen auch in der Klinik derzeit therapeutische Ansätze, die direkt die molekulare Maschinerie des Inflammasoms als Entzündungsauslöser blockieren könnten“, sagt Weber. Stattdessen zielen bislang verfügbare Therapien in erster Linie auf deutlich später einsetzende Symptome einer Entzündung. Diese therapeutische Lücke motivierte die Tübinger Forscherinnen und Forscher, das Inflammasom genauer zu erforschen, um neue Angriffspunkte für die direktere Hemmung von Entzündungen zu finden.

Im Zuge ihrer Untersuchungen stieß Webers Team auf das Protein BTK als wesentliche „Stellschraube“ des Inflammasoms. „Die Bruton-Tyrosinkinase ist seit vielen Jahren als genetische Ursache für die sehr seltene Immunschwäche Morbus Bruton bekannt“, erklärt Xiao Liu, Doktorandin in der Abteilung Immunologie. Bei dieser Krankheit fehlen den Betroffenen schützende Antikörper, denn BTK ist für Reifung und Funktion der B-Zellen zwingend erforderlich. Gemeinsam mit weiteren Kollegen in Tübingen, Bonn, Freiburg, Ulm und Baltimore (USA) konnten die Tübinger Immunologen zeigen, dass BTK direkter Bestandteil des Inflammasoms ist und Patienten mit BTK-Mutationen, das heißt mit Morbus Bruton, auch einen Defekt des Inflammasoms zeigen.

Nach Webers Worten rückt damit ein neuer Ansatz für die Behandlung von Entzündungen in den Bereich des Möglichen. Arzneimittel, welche die Aktivität von BTK hemmen, werden seit kurzem für die Therapie einer bestimmten Form von Lymphdrüsenkrebs mit entarteten B-Zellen (CLL und Mantelzell-Lymphom) eingesetzt. „Wir konnten zeigen, dass eine Hemmung von BTK experimentell das Entzündungsgeschehen stark bremsen kann“, sagt Weber. In Immunzellen von Krebspatienten, die regelmäßig BTK-Hemmer zur Behandlung ihrer Krebserkrankung einnehmen, sei die Zytokin-Freisetzung effektiv blockiert und das Inflammasom praktisch lahmgelegt.

„Somit könnten Patienten, die unter den Folgen eines Schlaganfalls, eines Herzinfarkts oder Gicht leiden, möglicherweise vom Einsatz eines BTK-Hemmers in Zukunft deutlich profitieren“, erklärt Weber. Denn in diesen Fällen scheint das Inflammasom als Krankheitstreiber zu fungieren. Da BTK-Hemmer bereits in der klinischen Entwicklung weit fortgeschritten sind, könnte der Weg bis hin zu dieser neuen klinischen Anwendung, welche allerdings aktuell noch nicht zugelassen ist, kürzer ausfallen als bei Ansätzen, für die es noch keinen entsprechenden Wirkstoff gibt. „Unsere Ergebnisse und die unserer Kollegen geben Anlass dazu, diese Möglichkeit in weiterer experimenteller Forschung und in klinischen Studien auszuloten“, erklären die Tübinger Forscher abschließend.

Quelle: Eberhard Karls Universität Tübingen

Literatur:

Liu X, Pichulik P, Wolz OO et al.
Human NLRP3 inflammasome activity is regulated by and therapeu-tically targetable via BTK.
Journal of Allergy and Clinical Immunology 2017,
http://dx.doi.org/10.1016/j.jaci.2017.01.017


Anzeige:
Fachinformation

Das könnte Sie auch interessieren

13 Prozent der Deutschen glauben, Rheuma sei eine Krankheit des Alters

13 Prozent der Deutschen glauben, Rheuma sei eine Krankheit des Alters
© wavebreak3 / fotolia.com

Rheuma ist keine Frage des Alters Rheumatoide Arthritis ist eine von mehr als 200 verschiedenen Rheuma-Erkrankungen Welt-Rheuma-Tag am 12. Oktober   Mehr als jeder Zehnte glaubt, Rheuma sei eine altersbedingte Krankheit, die einfach hingenommen werden müsste (1). Das ergab eine repräsentative Umfrage unter 1.000 Deutschen anläßlich des Welt-Rheuma-Tages am 12. Oktober im Auftrag des Biotechnologie-Unternehmens Amgen. Dabei kann die Erkrankung in jedem Lebensalter auftreten. Auch viele junge Menschen erkranken an Rheuma: Rund 20.000 Kinder und...

Wenn die Eltern trinken: Über 2,6 Millionen Kinder wachsen mit alkoholabhängigem Elternteil auf

Wenn die Eltern trinken: Über 2,6 Millionen Kinder wachsen mit alkoholabhängigem Elternteil auf
© Africa Studio / Fotolia.com

Kinder von alkoholkranken Eltern haben keinen normalen Alltag und ihre Sorgen beschränken sich nicht mehr auf Schule oder Freizeit-Aktivitäten. Oftmals müssen sie sich viel zu früh Aufgaben und Sorgen eines Erwachsenen stellen und sind der Situation ausgeliefert. In Deutschland leben mehr als 2,6 Millionen Kinder in einer solchen Situation. Mindestens ein Elternteil dieser Kinder ist alkoholabhängig.

Es ist mehr als nur eine Ausrede: Migräne am Arbeitsplatz

Es ist mehr als nur eine Ausrede: Migräne am Arbeitsplatz
© deagreez / fotolia.com

Mit starken Kopfschmerzen, Übelkeit, Licht- und Geräuschempfindlichkeit zur Arbeit? Für viele Migränepatienten ist das Alltag. Ein Großteil der 900.000 an Migräne leidenden Deutschen schleppt sich trotz starker Schmerzen zur Arbeit – aus Angst einen schlechten Eindruck bei Arbeitskollegen und Vorgesetzten zu hinterlassen. Denn wer über Kopfschmerzen klagt, trifft immer noch auf Vorurteile. Nicht selten wird Migräne belächelt und als Ausrede abgetan. Zum Tag der Arbeit berichten Migränepatienten und Nutzer der Kopfschmerz- und...

Wenn das Herz stockt: Herzinfarkt erkennen und behandeln

Wenn das Herz stockt: Herzinfarkt erkennen und behandeln
© psdesign1 - stock.adobe.com

Nach wie vor stellen Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems in Deutschland die häufigste Todesursache dar. Dennoch lässt sich in den vergangenen Jahren ein deutlicher Mortalitätsrückgang verzeichnen. Laut Deutschem Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung e. V. ist die Zahl der Todesfälle rückläufig und hat sich seit dem Jahr 1980 sogar halbiert. „Aufgrund der guten Notfallversorgung können wir viele Patienten schnell und zielgerichtet behandeln“, erklärt Priv.-Doz. Dr. Wolfgang Fehske, Chefarzt der Kardiologie und Inneren Medizin...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Bruton-Tyrosinkinase als wichtige „Stellschraube“ im Entzündungsgeschehen identifiziert"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EILMELDUNGEN zu SARS-CoV-2 und COVID-19
  • Tönnies darf am Hauptstandort wieder schlachten – Die Stadtverwaltung hat den Produktionsstopp mit sofortiger Wirkung aufgehoben (dpa, 15.07.2020).
  • Tönnies darf am Hauptstandort wieder schlachten – Die Stadtverwaltung hat den Produktionsstopp mit sofortiger Wirkung aufgehoben (dpa, 15.07.2020).

Cookies

Diese Webseite benutzt Cookies, um den Nutzern das beste Webseiten-Erlebnis zu ermöglichen. Ausserdem werden teilweise auch Cookies von Diensten Dritter gesetzt. Weitere Informationen erhalten Sie in den Allgemeine Geschäftsbedingungen und in den Datenschutzrichtlinien.

Verstanden