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Medizin

25. Januar 2017 Buchtipp: Macht Toxoplasma schizophren?

"Die Möglichkeit, dass menschliches Verhalten von irgendeinem dummen Parasiten beeinflusst werden kann, ruft starken psychologischen Widerstand hervor." Kann es sein, dass Infektionen mit Toxoplasma das Risiko erhöhen, psychische Erkrankungen wie Zwangsstörungen oder Schizophrenie zu entwickeln? Dazu haben die Biologinnen Dr. Monika Niehaus und Andrea Pfuhl ein unterhaltsamen Buch geschrieben.
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Die Erklärung klingt durchaus schlüssig: Unser Immunsystem versucht nach einer Toxoplasma-Infektion, den Parasiten auszuhungern, indem es ihm Tryptophan vorenthält, was dann aber auch dem menschlichen Körper vorenthalten wird. Daraufhin kommt angefangen mit Serotoninmangel eine neurochemische Kaskade in Gang. Schließlich gerät das neurochemoische Gleichgewicht vollends aus dem Takt, da der Parasit, der sich im Gehirn niederlässt, unablässigen Dopaminüberschuss produziert.

"Parasiten sind allgegenwärtig, praktisch kein Lebewesen ist vor ihrer unerwünschten Zuneigung sicher. Die raffiniertesten von ihnen haben sogar die Fähigkeit entwickelt, das Verhalten und die Psyche der Wirte zu ihrem eigenen Vorteil zu steuern. Auch beim Menschen können Parasiten zu auffälligen psychischen Veränderungen führen. Heute steht gut ein Dutzend Infektionserreger im Verdacht, psychiatrische Erkrankungen auszulösen, doch vermutlich sind es deutlich mehr."

Es klingt auf den ersten Blick abenteuerlich und ein wenig nach Verschwörungstheorie; denn man würde doch meinen, dass solche ursächlichen Zusammenhänge längst herausgefunden worden wären, wenn sie bestünden? Schließlich wurde Toxoplasma gondii bereits 1908 entdeckt...

Das unterhaltsame Sachbuch belegt jede seiner Thesen mit wissenschaftlichen Quellen, biochemische und physiologische Abläufe werden dezidiert dargestellt. Auch historisch hat man sich umgesehen, und beispielsweise für Europa eine Häufung der Schizophrenie-Diagnosen in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts festgestellt – zu der Zeit, als Katzen als Haustiere in Mode kamen.

In der Wissenschaft mehren sich die Stimmen, die Toxoplasma gondii beispielsweise auch mit dem Erkrankungsrisiko für Alzheimer in Verbindung bringen, dazu erschien gerade ein Beitrag im amerikanischen Journal of Parasitology (Toxoplasma gondii Infection Potentiates Cognitive Impairments of Alzheimer’s Disease in the BALB/C Mice,” Journal of Parasitology, Vol. 102, No. 6, 2016, http://www.journalofparasitology.org/doi/full/10.1645/16-28). Und erst langsam beginnen wir ja schließlich erst zu verstehen, was das Mikrobiom in unserem Darm – unser "Bauchhirn" – für das Befinden des Individuums bedeutet. Fragt sich also, ob wirklich der Parasit der Dumme ist....

In jedem Fall eine interessante Lektüre.

Monika Niehaus/ Andrea Pfuhl
"Die Psycho-Trojaner. Wie Parasiten uns steuern"
Hirzel 2016, ISBN 978-3-7776-2622-2
24,90 EUR

ab

Quelle: journalmed.de


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