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Medizin

30. Juli 2019 CED: Head-to-Head-Studie bestätigt Überlegenheit von Vedolizumab

VARSITY, die erste Head-to-Head-Studie mit direktem Vergleich zweier Biologikatherapien im Bereich der chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED), lieferte signifikante Ergebnisse: Der α4β7-Integrin-Antagonist Vedolizumab zeigte eine überlegene Wirksamkeit gegenüber dem TNFα-Blocker Adalimumab in Woche 52 in Bezug auf klinische Remission und Mukosaheilung bei erwachsenen Patienten mit mittelschwerer bis schwerer aktiver Colitis ulcerosa (1). Auch bei der histologischen Remission ergaben sich für Vedolizumab in Woche 52 signifikant höhere Raten vs. Adalimumab (2). Wie die Erkenntnisse aus VARSITY zukünftig die Wahl einer Biologikatherapie bei CED unterstützen können, diskutierten Experten im Rahmen einer Pressekonferenz von Takeda. Sie berichteten zudem über ihre Erfahrungen im Praxisalltag mit dem seit 5 Jahren in Europa zugelassenen Vedolizumab (Entyvio®).
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Vedolizumab bei klinischer Remission überlegen

„Head-to-Head-Studien sind am aussagekräftigsten, um 2 Wirkstoffe bezüglich Wirksamkeit und Sicherheit miteinander zu vergleichen“, erklärte Prof. Stefan Schreiber, Kiel. „Jetzt liegen uns die Ergebnisse der ersten Head-to-Head-Studie vor, die 2 Biologika – den α4β7-Integrin-Antagonisten Vedolizumab und den TNFα-Blocker Adalimumab – bei erwachsenen Patienten mit aktiver Colitis ulcerosa direkt vergleicht und damit relevante Fragen zur Wahl der Biologikatherapie untersuchte.“ VARSITY zeigte die Überlegenheit von Vedolizumab gegenüber Adalimumab in Woche 52 beim Erreichen der klinischen Remission und der Mukosaheilung (1).

Vorteile bei Ansprechraten und Nebenwirkungen

Für die multizentrische, randomisierte, doppelblinde, Double-Dummy, aktiv kontrollierte Phase-IIIb-Studie VARSITY wurden 769 erwachsene Patienten mit mittelschwer bis schwer aktiver Colitis ulcerosa, davon mindestens 75% Anti-TNFα-naiv, in eine von 2 Behandlungsgruppen randomisiert. Die Patienten der Vedolizumab-Gruppe (n=383) erhielten intravenös (i.v.) Vedolizumab (300 mg) und subkutan (s.c.) Placebo, die der Adalimumab-Gruppe (n=386) Placebo i.v. und Adalimumab s.c. (160 mg/80 mg/40 mg) (1).
Den primären Endpunkt klinische Remission in Woche 52 erreichten 31,3% der Vedolizumab-Patienten im Vergleich zu 22,5% der Adalimumab-Patienten. Der Unterschied war statistisch signifikant (p=0,0061) (1). Unter Vedolizumab kam es auch signifikant häufiger zur Mukosaheilung in Woche 52 (39,7% vs. 27,7%; p=0,0005) (1). Zudem erreichte ein signifikant höherer Anteil der Vedolizumab-Patienten im Vergleich zu Adalimumab eine histologische Remission – sowohl im Geboes-Score (33,4% vs. 13,7%; p < 0,0001) als auch im Robarts-Histopathologie-Index (42,3% vs. 25,6%; p < 0,0001) (2). Das Ergebnis sei laut Schreiber insofern interessant, da das Erreichen nicht nur einer klinischen, sondern auch einer histologischen Remission besonders bei CU immer mehr als Therapieziel in den Fokus rücke. „Die VARSITY-Auswertung hat gezeigt, dass die Patienten unter Vedolizumab genauso schnell ansprechen wie unter Adalimumab“, betonte Schreiber. Ab Woche 4 seien die Ansprechraten unter Vedolizumab zudem numerisch höher gewesen und ab Woche 14 signifikant höher als unter Adalimumab (2). Auch beim Thema Sicherheit zeigten sich Vorteile für Vedolizumab, so Schreiber weiter: Unter dem Integrin-Antagonisten kam es seltener zu unerwünschten Ereignissen, Infektionen und schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen als unter Adalimumab (62,7% vs. 69,2%; 33,5% vs. 43,5%; 11,0% vs. 13,7%) (1).

Ergebnisse aus Metaanalysen und Real-World-Daten untermauert

VARSITY habe die Vorteile verdeutlicht, die Vedolizumab gegenüber Adalimumab hinsichtlich der wichtigen Therapieziele klinische und histologische Remission sowie Mukosaheilung haben kann. Die Studie habe damit wertvolle Erkenntnisse für die Wahl der Biologikatherapie geliefert, so Schreiber weiter. Die VARSITY-Ergebnisse untermauern zudem die Erkenntnisse aus den klinischen Studien sowie die Hinweise, die Metaanalysen und vergleichende Real-World-Daten geliefert haben. Beispielsweise ergab laut Schreiber eine große Netzwerk-Metaanalyse, dass bei Biologika-naiven CU-Patienten Infliximab und Vedolizumab unter den zugelassenen Biologika und weiteren neuen Wirkstoffen beim Erreichen von klinischer Remission und Mukosaheilung am besten abschnitten (4). Unter allen zugelassenen Biologika sei bei Vedolizumab die niedrigste Rate an schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen und Infektionen verzeichnet worden, ergänzte Schreiber weiter (4).

Hinweise für Vorteile gegenüber Anti-TNFα

Seit 5 Jahren ist Vedolizumab nun als wichtige Behandlungsoption bei CU und MC im praktischen Einsatz, erklärte PD Dr. med. Ulf Helwig, Oldenburg. Einen guten Einblick, wie sich ein solches Medikament im Versorgungsalltag bewährt, könnten Real-World-Daten geben, da die hierbei untersuchten heterogenen Patientenpopulationen die klinische Praxis repräsentieren. Eine Metaanalyse von 89 Real-World-Studien bestätigte die Langzeit-Wirksamkeit von Vedolizumab im Praxisalltag, in Subanalysen auch als First-Line-Biologika-Therapie, so Helwig. Nach 12 Monaten unter Vedolizumab lagen bei Biologika-naiven Patienten die Remissionsraten bei 61% (CU) und 44% (MC) (5).
Um die Real-World-Daten von mehreren Zentren, wie beispielsweise des US-amerikanischen VICTORY-Konsortiums, gemeinsam auswerten zu können, eigne sich das Propensity Score Matching (PSM) sehr gut. Mit Hilfe dieses statistischen Verfahrens können die Auswirkungen von relevanten Einflussfaktoren bei der Verwendung von Beobachtungsdaten reduziert oder eliminiert werden, erklärte Schreiber (6). Die auf diese Weise gewonnenen Daten des Konsortiums haben Hinweise darauf gegeben, dass Vedolizumab in der CU- und MC-Therapie hinsichtlich klinischer Remission und endoskopischer Heilung TNFα-Antagonisten überlegen sein könnte (7, 8), berichtete Helwig. Signifikant mehr CU-Patienten erreichten unter Vedolizumab über 12 Monate kumulativ eine klinische Remission (54% vs. 37%) sowie eine endoskopische Heilung (50% vs. 42%) als unter Anti-TNFα (7). Bei MC lagen die kumulativen Raten für die endoskopische Heilung unter Vedolizumab ebenfalls signifikant höher als unter TNFα-Blockern (50% vs. 41%), bei der klinischen Remission betrug das Verhältnis 38% versus 34% (8). Bei Befall des Kolons erreichte Vedolizumab auch signifikant häufiger eine klinische sowie kortikosteroidfreie Remission als eine Anti-TNFα-Therapie (8).

Schnelle Symptomfreiheit bei CU und MC als Ziel

„Rasche Symptomfreiheit und damit eine schnelle Wiederherstellung der Lebensqualität sind ein vorrangiger Wunsch der CED-Patienten“, erläuterte Helwig. Diesbezüglich wurde die Wirksamkeit von Vedolizumab im Vergleich zu TNFα-Blockern im Praxisalltag untersucht: Die Real-World-Daten aus 15 deutschen Zentren wurden bei CU-9 und MC-Patienten (10) über 12 Monate analysiert. Die Vedolizumab-Gruppe der CU-Kohorte erreichte numerisch schneller alle Endpunkte (klinische Remission, Abklingen von Rektalblutungen und Stuhlfrequenz) im Vergleich zur Anti-TNFα-Gruppe. Vedolizumab war sowohl als First-Line-Biologikum als auch bei Anti-TNFα-vorbehandelten Patienten mindestens so wirksam wie eine Anti-TNFα-Therapie, erläuterte Helwig (9). In der MC-Kohorte waren die Ergebnisse zu den untersuchten Parametern in beiden Behandlungsgruppen vergleichbar (10).

Günstiges Sicherheitsprofil

Ein wichtiger Aspekt bei der Therapieentscheidung sei die Sicherheit eines Medikamentes, betonte Helwig. Sehr häufig käme von Seiten der Patienten die Frage, welches Präparat am besten verträglich sei. Für Vedolizumab wurde das günstige Sicherheitsprofil aus den Zulassungsstudien (11) auch in Real-World-Studien mittels einer umfangreichen Metaanalyse bestätigt (5). Das VICTORY-Konsortium analysierte ebenfalls die Sicherheit von Vedolizumab – im Vergleich zu Anti-TNFα. Die große Patientenzahl im Konsortium sowie das Propensity Score Matching, das u.a. auch Komorbiditäten und Komedikation berücksichtigt, ermögliche eine gute Beurteilung des Nebenwirkungsprofils eines Wirkstoffs, erläuterte Helwig. Unter den gematchten Patienten mit Biologika-Monotherapie kam es bei Vedolizumab zu signifikant weniger schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen (4,7% vs. 14,5%) und numerisch zu weniger schwerwiegenden Infektionen (4,1% vs. 10,1%) als unter einer Anti-TNFα-Monotherapie (12).

Vedolizumab als First-Line-Biologika-Therapie langfristig wirksam und gut verträglich

Die in den letzten 5 Jahren in der Praxis gesammelten Erfahrungen mit Vedolizumab bei erwachsenen CU- und MC-Patienten decken sich mit den Ergebnissen der klinischen Studien. Zudem unterstützen die Ergebnisse der Head-to-Head-Studie VARSITY (1, 2)  den Einsatz des Integrin-Antagonisten bei erwachsenen Patienten als First-Line-Biologikum insbesondere bei CU. „Wir wissen jetzt, dass das darmselektiv wirkende Vedolizumab (3) eine im Vergleich mit Adalimumab niedrige Nebenwirkungsrate aufweist – bestätigt durch die VARSITY-Studie (1) –, dass es schnell wirken kann (2) und vor allem auch, dass die Wirkung lange anhält“ (2, 13, 14), resümierte Schreiber. Bei der Frage, welche Biologikatherapie eingesetzt werden soll, seien dies die entscheidenden Aspekte für ein Medikament, so die beiden Referenten abschließend.

Quelle: Takeda

Literatur:

(1) Schreiber S et al. J Crohns Colitis 2019; 13(Supplement_1): S 612-613. Abstract OP34.
(2) Sands BE et al. Digestive Disease Week (DDW) 2019, San Diego, USA. Abstract 416a.
(3) Fachinformation Entyvio®, Stand: Februar 2019.
(4) Singh S et al. Aliment Pharmacol Ther 2018; 47: 162-175.
(5) Schreiber S et al. J Gastroenterol 2018; 53: 1048-1064-
(6) Blonde L et al. Adv Ther. 2018; 35: 1763-1774.
(7) Faleck D et al. Digestive Disease Week (DDW) 2018, Washington, USA. Abstract 328.
(8) Bohm M et al. Digestive Disease Week (DDW) 2018, Washington, USA. Abstract Sa1723.
(9) Helwig U et al. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) 2018, München; Abstract KV 060.
(10) Helwig U et al. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) 2018, München; Abstract KV 061.
(11) Colombel JF et al. Gut 2017; 66 (5): 839-851.
(12) Lukin D et al. Digestive Disease (DDW) 2018; Washington, USA. Abstract 277.
(13) Loftus EV Jr et al. J Crohns Colitis 2017; 11: 400-411.
(14) Vermeire S et al. J Crohns Colitis 2017; 11: 412-424.


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