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Medizin

12. November 2020
Seite 1/2
CED: Herausforderungen Kinderwunsch, Schwangerschaft oder Krebserkrankung

Die Betreuung von Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) im Praxisalltag stellt den Arzt immer wieder vor Herausforderungen. Dazu zählt etwa die Behandlung von Patientinnen mit Kinderwunsch und während einer Schwangerschaft sowie von Patienten mit Krebserkrankung. Im Rahmen eines Medical Academy Webinars wurden aktuelle wissenschaftliche Daten und darauf basierende praxisrelevante Empfehlungen zu diesen besonderen Aspekten der CED-Therapie von Experten zusammengefasst und kommentiert.
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CED und Schwangerschaft – was ist zu beachten?

Kinderwunsch und Schwangerschaft bei CED-Patientinnen werfen im Praxisalltag zahlreiche Fragen auf. Die Datenlage hierzu ist limitiert, wie Prof. Raja Atreya (Erlangen) erläuterte. Leitlinien und andere Empfehlungen basieren auf Konsensuskonferenzen. Oft ist es schwierig, zwischen den
Folgen einer aktiven Erkrankung und deren Therapie zu differenzieren. Das Thema Schwangerschaft und CED beginnt mit der präkonzeptionellen Planung. Dazu gehören allgemein eine Reduktion von Risiken (Nikotin- und Drogen-Abstinenz), die Optimierung der Therapieadhärenz und des Ernährungszustands (inkl. Folsäure-Substitution) sowie speziell die Diskussion über Risiken in Zusammenhang mit der Erkrankung und deren Behandlung (1, 2). Dies umfasst auch die Aufklärung über eine genetische Disposition hinsichtlich CED (1). Ist ein Elternteil bzw. Verwandter ersten Grades betroffen, ist das Risiko bei Colitis ulcerosa 4-fach und das bei M. Crohn fast 8-fach erhöht im Vergleich zu einer negativen Familienanamnese (3). Leiden beide Eltern an einer CED, hat das Kind ein Risiko von ca. 30%, ebenfalls eine CED zu entwickeln (1).

Risikofaktor aktive Erkrankung

Bestehende Daten weisen darauf hin, dass eine Konzeption möglichst während einer Remission erfolgen sollte, zumal die weibliche Fertilität bei aktiver Erkrankung vermindert ist (4, 5). Bei etwa 45% der Patientinnen mit aktiver Colitis ulcerosa zum Zeitpunkt der Empfängnis kommt es zu einer
Verschlechterung der Erkrankung, und in jeweils rund einem Viertel der Fälle verläuft diese gleich oder besser. Bei Patientinnen mit aktivem M. Crohn ist in jeweils etwa einem Drittel der Fälle mit Verbesserung, Verschlechterung oder unverändertem Erkrankungsverlauf zu rechnen (5). Betrachtet man den Einfluss einer CED auf Verlauf und Ausgang einer Schwangerschaft, so ist auch hier eine aktive Erkrankung der stärkste Prädiktor für Komplikationen wie Frühgeburt, geringes Geburtsgewicht, Totgeburt, Präeklampsie, vorzeitiger Blasensprung oder Thrombosen (6-8). „Bei CED-Patientinnen in Remission ist es jedoch annähernd gleich wie in der Allgemeinbevölkerung“, betonte der Gastroenterologe. „Eine aktive Erkrankung stellt somit ein Risiko dar und sollte behandelt werden. Wichtig dabei ist eine multidisziplinäre Absprache.“

Keine Hinweise für erhöhtes Risiko mit Biologika

Mit Ausnahme von Methotrexat (MTX), das aufgrund seiner Teratogenität bei Kinderwunsch und Schwangerschaft kontraindiziert ist, weisen die vorliegenden Daten zu anderen konventionellen Therapieoptionen sowie Biologika darauf hin, dass in diesem Zusammenhang keine Dosisänderung erforderlich ist. Auch systemische Glukokortikoide können im akuten Schub, jedoch mit begrenzter Anwendungsdauer eingesetzt werden (1). Differenzierte Empfehlungen für das Vorgehen bei Therapie mit einzelnen TNF-Inhibitoren wie auch mit Ustekinumab und Vedolizumab wurden 2019 von der American Gastroenterological Association (AGA) vorgelegt (1). Zu Januskinase (JAK)-Inhibitoren ist die Datenlage bislang limitiert und tierexperimentelle Daten zur Exposition mit Tofacitinib weisen laut Atreya darauf hin, von einem Einsatz v.a. im ersten Trimenon eher abzuraten (9).
 
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