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Medizin

30. April 2013 COPD-Symptomatik: Atemwegstonus unterliegt tageszeitlichen Schwankungen

Der Tonus der Atemwege ist keineswegs ein stabiler Parameter, sondern unterliegt einer tageszeitlichen Veränderung. Diese zirkadiane Rhythmik macht sich dadurch bemerkbar, dass nicht nur Asthmatiker, sondern auch COPD-Patienten nachts und in den frühen Morgenstunden über entsprechende Beschwerden klagen, welche die körperliche Aktivität über mehrere Stunden einschränken können. Die Konsequenz daraus ist die Chronotherapie. Werden Bronchodilatatoren zweimal täglich appliziert, ergibt sich für die zweite Tageshälfte ein zusätzlicher bronchodilatatorischer Effekt.

Laut der Ende 2011 aktualisierten GOLD-Leitlinie (Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease) sollten Patienten mit COPD nicht mehr streng nach den Resultaten der Lungenfunktionsprüfung und dem Schweregrad der Symptomatik behandelt werden. Künftig sollte man neben der bislang praktizierten FEV1-basierten Einteilung der Schweregrade auch das Exazerbationsrisiko berücksichtigen. Neu hinzu gekommen ist ferner, dass die Patienten das Ausmaß der Symptomatik anhand von Fragebögen beurteilen. Gerade die Häufigkeit von Exazerbationen muss künftig systematisch erfasst werden, forderte Prof. Helgo Magnussen, Großhansdorf. Und das gilt gleichermaßen für die Komorbiditäten, wie Herzinsuffizienz, Depressionen, Osteoporose sowie schlafbezogene Atmungsstörungen.

Morgendliche Beschwerden sind deutlich häufiger als nächtliche

Praktisch neu ist die Erkenntnis, dass der Atemwegstonus tageszeitlichen Schwankungen unterliegt. So verstärken sich asthmatische Beschwerden in den frühen Morgenstunden. Mittels Peak-Flow-Meter lässt sich eine Verstärkung der Symptomatik auch in den Nachtstunden nachweisen, wie Magnussen versicherte. Auch die COPD-Symptomatik folgt einer solchen zirkadianen Rhythmik. Doch bei diesen Patienten sind die nokturnen Beschwerden wesentlich seltener als die morgendlichen.

Welche Tragweite die nicht nur tagsüber auftretenden Beschwerden haben, ist daran zu erkennen, dass 57% der Patienten mit schwerer COPD in den Morgenstunden eine so stark ausgeprägte Symptomatik aufweisen, dass ihre physische Aktivität über mehrere Stunden in Mitleidenschaft gezogen wird. Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass COPD-Patienten von der zweimal täglichen Zufuhr eines Bronchodilatators profitieren, der auch die zweite Tageshälfte abdeckt. Die Devise lautet: Bei der COPD-Therapie die Chronobiologie der Symptomatik beachten.

In welchem Zustand sich ein COPD-Patient befindet, lässt sich anhand des CAT (COPD Assessment Test) erurieren. Dabei handelt es sich um einen acht Punkte umfassenden Fragenkatalog, der von einem internationalen Expertenkonsens erarbeitet und validiert wurde. Berücksichtigt werden nicht nur Husten und Atemnot, sondern auch die individuellen täglichen Aktivitäten und die subjektiv verfügbare Lebensenergie. Der CAT-Score liegt umso höher, je mehr Exazerbationen die Patienten durchgemacht haben und steigt mit jeder weiteren Exazerbation noch höher, berichtete Prof. Claus Franz Vogelmeier, Marburg. Auch Komorbiditäten treiben den Score nach oben.

"Exazerbationen sind die Sargnägel der COPD-Patienten und müssen reduziert werden", forderte Prof. Heinrich Worth, Fürth. Ob sich die Häufigkeit von Exazerbationen mit dem seit Mitte 2012 EU-weit zugelassenen selektiven und langwirksamen Muskarin-Rezeptor-Antagonisten Aclidiniumbromid (Bretaris®) nennenswert eindämmen lässt, wurde in der doppelblinden, multizentrischen und placebokontrollierten Phase-III-Studie ACCORD-COPD-1 überprüft. Teilnehmer waren 561 Patienten mit mittelschwerer bis schwerer COPD. Sie erhielten jeweils über zwölf Wochen zweimal täglich 200 oder 400 µg des neuen Anticholinergikums, das mit dem Mehrfachdosis-Trockenpulver-Inhalator Genuair® appliziert wurde.
Beide Aclidinium-Dosierungen bewirkten gegenüber Placebo eine hochsignifikante Verbesserung der Lungenfunktionen. Dabei fielen die spirometrischen Daten der 400-µg-Gruppe deutlich günstiger aus. Bezogen auf alle Schweregrade pro Patient und Jahr betrug die Rate der Exazerbationen 0,79 unter Placebo, aber nur 0,41 unter 400 µg Aclidinium. Und das entspricht einer Reduktion um fast die Hälfte. Die zweimal tägliche Applikation von 400 µg schränkte auch die tägliche Notfallmedikation mit Salbutamol signifikant ein. Auch in der ATTAIN-Studie mit einer Laufzeit von 24 Wochen führte die zweimal tägliche Gabe von 400 µg Aclidinium zu einer verbesserten Bronchodilatation und Lebensqualität. Berücksichtigt man alle Exazerbationen pro Patient und Jahr, fand sich in dieser Gruppe versus Placebo eine Senkung des relativen Exazerbationsrisikos um 33%.                                                        

kbf

Quelle: Symposium „COPD - Eine zirkadiane Erkrankung?“ anlässlich des 119. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM), Wiesbaden, 7. April 2013; Veranstalter: Berlin-Chemie AG


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