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Medizin

10. April 2019 COPD: Aktualisierte Praxis-Leitlinien

„Die gerade aktualisierten Praxis-Leitlinien zur COPD sollen in kompakter Kürze den Arzt in die Lage versetzen, diese auch zur Kenntnis zu nehmen“, sagte Dr. med. Thomas Voshaar, Moers, auf einer Presseveranstaltung von Berlin Chemie vor dem Hintergrund des DGP-Kongresses in München. In diesen wird in übersichtlichen Algorithmen dargestellt, wann eine LAMA-Monotherapie noch ausreichend ist, ab welchen Zeitpunkt LAMA/LABA indiziert ist, und vor allem: welches die Kriterien für den Einsatz inhalativer Kortikosteroide (ICS) bei dieser Erkrankung sind (1).
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Fachinformation
„ICS werden aktuell bei rund der Hälfte der COPD-Patienten verordnet, was jedoch eine Übertherapie darstellt“, monierte Prof. Dr. med. Claus Franz Vogelmeier, Marburg. Daher gibt die neue Praxis-Leitlinie diesbezüglich möglichst genaue Empfehlungen, wann ICS bei der COPD indiziert sind. Als Kriterien bedient man sich einmal des Biomarkers eosinophile Granulozyten und zum zweiten der Anzahl der stattgehabten Exazerbationen.

Ohne Exazerbation keine ICS

„Unabdingbare Voraussetzung einer ICS-Behandlung bei COPD ist mindestens eine Exazerbation in der Vorgeschichte des Patienten. Ohne diese Bedingung sind ICS kontraindiziert“, unterstreicht Vogelmeier. Bei einer moderaten Exazerbation pro Jahr und einem Eosinophilen-Spiegel im Blut von 100 bis 300 Zellen/µl kann der Beginn einer ICS-Behandlung (zusammen mit LABA) erwogen werden.

Moderate COPD-Exazerbation

Von einer moderaten COPD-Exazerbation kann dann gesprochen werden, wenn der Patient neben seiner üblichen COPD-Medikation eine Antibiose oder systemische Kortikosteroide erhalten hat. Eine starke Empfehlung für die Hinzunahme von ICS besteht im Falle von mindestens 2 moderaten oder einer schweren Exazerbation (z.B. Hospitalisation) sowie einer Anzahl der Eosinophilen von mehr als 300 Zellen/µl. Betrifft dieses, so der Pneumologe, die Therapie-Eskalation, so ist in der neuen Praxis-Leitlinie aber ebenfalls ein Algorithmus zur Deeskalation enthalten, u.a. mit der Fragestellung, wann die ICS-Gabe wieder ausgeschlichen werden kann. Wird der Patient etwa mit LABA plus ICS behandelt und können eine ausreichende Symptomkontrolle sowie keine weiteren Exazerbationen mehr konstatiert werden, so ist der Übergang auf eine LAMA-Monotherapie oder LAMA/LABA möglich, sofern die Anzahl der Eosinophilen unter 300/µl beträgt.

Kardiovaskuläre Komorbidität

Immer sollte der Arzt auch an die häufige kardiovaskuläre Komorbidität wie eine Herzinsuffizienz denken, welche ebenfalls mit Luftnot einhergeht und womöglich Ursache einer symptomatischen Exazerbation sein kann, betont Voshaar. Die Konsultation eines pneumologischen Facharztes, fährt Voshaar fort, ist etwa dann zu empfehlen, wenn sich die Symptomatik sowie die Exazerbationshäufigkeit trotz medikamentöser Intervention nicht verbessert.

Ferner sollte an die erheblichen Effekte der Nicht-medikamentösen Therapie in Form von Lungensport oder krankengymnastischer Atemtherapie gedacht werden. Ist ersteres grundsätzlich budgetfrei verordnenbar, so ist auch die Atemtherapie bei einem FEV1 < 35%/Soll budgetfrei. Bei einem FEV1 > 35% muss vorher ein Antrag bei der Krankenkasse gestellt worden sein.
 

Reimund Freye

Quelle: Pressedinner: „Neuer GOLD-Standard: Eine individualisierte COPD-Therapie“, im Rahmen des 60. Kongresses der DGP (Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin), 13. März 2019, München; Veranstalter: Berlin Chemie

Literatur:

(1) Idzko M et al., Dtsch Ärzteblatt 2019; 116(7): 32. doi: 10.3238/PersPneumo. 2019.02.15.006


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