Sonntag, 24. Januar 2021
Navigation öffnen

Medizin

11. Juni 2018 Selten exazerbierende COPD-Patienten: Weitere Evidenz für Bluteosinophilenzahlen als Kortisongrenzwert

Im Rahmen des internationalen Kongresses der American Thoracic Society (ATS; 18.-23.05.2018, San Diego) wurde die Veröffentlichung der SUNSET*-Studie in der Fachzeitschrift American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine bekannt gegeben. Es handelt sich hierbei um die erste Studie, die das direkte Absetzen von ICS nach einer Langzeit-Dreifachtherapie bei Patienten, die nicht häufig exazerbieren, untersuchte (1). Es konnte gezeigt werden, dass die direkte Umstellung von einer Dreifachtherapie auf die duale Bronchodilatation mit Indacaterol/Glycopyrronium (Ultibro® Breezhaler®) keine Auswirkungen auf das Exazerbationsrisiko hatte (1). Lediglich Patienten mit einer hohen Bluteosinophilenzahl (≥ 300 Zellen/μl) konnten einen Nutzen aus einer Weiterführung der Dreifachtherapie ziehen (1). Die Ergebnisse liefern weitere Evidenz für einen Kortisongrenzwert von 300 Zellen/μl Bluteosinophile und stellen somit einen Schritt in die Richtung der COPD-Präzisionsmedizin dar.
Anzeige:
OFEV
OFEV
 
Die aktuelle deutsche COPD-Leitlinie (2) sowie der GOLD 2018 Report (3) empfehlen eine Eskalation auf eine Dreifachtherapie mit LABA#+LAMA##+ICS nur für Patienten, die trotz dualer Bronchodilatation häufig Exazerbationen erleiden. Allerdings erhalten im Versorgungsalltag auch viele der selten exazerbierenden Patienten eine solche Therapie. Für die präzise Therapie von COPD-Patienten ist es wichtig zu wissen, welcher selektierte Anteil von Patienten mit einer Dreifachtherapie behandelt werden könnte.

SUNSET zeigt, dass bei selten exazerbierenden Patienten mit Langzeit-Dreifachtherapie der Entzug des ICS zu einem klinisch nicht relevanten Absinken der Lungenfunktion von 26 ml im Trough FEV1**-Wert führte. Der Unterschied bezüglich des Trough FEV1 zwischen den Behandlungsgruppen wurde hauptsächlich durch die Subgruppe der Patienten mit hohen Bluteosinophilenzahlen verursacht (Patienten mit ≥ 300 Zellen/μl). Diese Gruppe macht einen kleinen Teil aller COPD-Patienten aus, die meisten Patienten haben Bluteosinophilenwerte < 300 Zellen/μl1 (4-6). Hinsichtlich der Rate von COPD-Exazerbationen gab es keinen Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen (1). Die direkte Umstellung von einer Dreifachtherapie auf Indacaterol/Glycopyrronium hatte folglich keine Auswirkungen auf das Exazerbationsrisiko.

„Insbesondere interessant sind die Daten, weil sie Hinweise für eine präzise Therapie von COPD-Patienten im Sinne eines Kortisongrenzwertes von Bluteosinophilenzahlen ≥ 300 Zellen/μl liefern“, so Prof. Dr. med. Lothar Färber, Medizinischer Direktor der Novartis Pharma GmbH. „Die Ergebnisse zeigen, dass die selten exazerbierenden Patienten mit Bluteosinophilenzahlen < 300 Zellen/μl beim Absetzen des ICS keinen Nachteil hinsichtlich der Lungenfunktion und dem Auftreten von Exazerbationen hatten. Sie können somit ohne Auswaschphase und auch nach längerer Dreifachtherapie auf Indacaterol/Glycopyrronium umgestellt werden und somit von Kortison entlastet werden.”

*Long-term Triple Therapy De-escalation to Indacaterol/Glycopyrronium in COPD Patients (SUNSET): a Randomized, Double-Blind, Triple-Dummy Clinical Trial
**FEV1: forcierte exspiratorische Einsekundenkapazität; ICS: inhalatives Kortikosteroid; #LABA: langwirksamer Beta2-Agonist
##LAMA: langwirksamer Muskarinrezeptor-Antagonist, auch: langwirksames Anticholinergikum

Quelle: Novartis

Literatur:

(1) Chapman KR et al. Long-term Triple Therapy De-escalation to Indacaterol/Glycopyrronium in COPD Patients(SUNSET): a Randomized, Double-Blind, Triple-Dummy Clinical Trial. Am J Respir Crit Care Med 2018. Published Online 20 May 2018; doi: 10.1164/rccm.201803-0405OC.
(2) Vogelmeier C et al. S2k-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie von Patienten mit chronisch-obstruktiver Bronchitis und Lungenemphysem (COPD). Abrufbar unter: https://www.atemwegsliga.de/copd.html
(3) Global Strategy for the Diagnosis, Management and Prevention of COPD, Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease (GOLD) 2018. Abrufbar unter: http://goldcopd.org. [Letzter Zugriff: Mai 2018]
(4) Watz H et al. Blood eosinophil count and exacerbations in severe chronic obstructive pulmonary disease after withdrawal of inhaled corticosteroids: a post-hoc analysis of the WISDOM trial. Lancet Respir Med 2016; 4(5):390-398.
(5) Calverley PMA et al. Eosinophilia, Frequent Exacerbations, and Steroid Response in Chronic Obstructive Pulmonary Disease. Am J Respir Crit Care Med 2017;196(9):1219-1221.
(6) Roche N et al. Blood Eosinophils and Response to Maintenance Chronic Obstructive Pulmonary Disease Treatment. Data from the FLAME Trial. Am J Respir Crit Care Med 2017;195(9):1189-1197.


Anzeige:
Xelevia
 

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Selten exazerbierende COPD-Patienten: Weitere Evidenz für Bluteosinophilenzahlen als Kortisongrenzwert"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EILMELDUNGEN zu SARS-CoV-2 und COVID-19
  • COVID-19-Impfstoffkandidat JNJ-78436735 zur 1x-Gabe: Interimsdaten der Phase 1/2a
  • COVID-19-Impfstoffkandidat JNJ-78436735 zur 1x-Gabe: Interimsdaten der Phase 1/2a