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Medizin

16. Oktober 2018 COPD: Erst die Luftnot behandeln, dann belasten

Körperliche Inaktivität ist ein unabhängiger Risikofaktor für Mortalität und bei COPD klinisch relevant. Es ist schwer, COPD-Patienten zu mehr Bewegung zu motivieren, denn für sie ist die akute Atemnot durch Bewegung meist bedrohlicher als das langfristige Risiko.
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Fachinformation
Wenn die Lunge von COPD-Patienten vor körperlicher Aktivität effektiv entbläht würde, könnte die Motivation steigen. In der ACTIVATE-Studie, einer randomisierten, doppelblinden, Placebo-kontrollierten Studie mit 267 Patienten wurde über 8 Wochen die Wirkung einer LAMA/LABA-Kombination auf die körperliche Belastbarkeit von Patienten mit moderater bis schwerer COPD untersucht. Nach einer Einführungsphase, in der die Patienten informiert und untersucht wurden, begann die 8-wöchige medikamentöse Therapie: Die Teilnehmer inhalierten über 4 Wochen die LAMA-LABA-Kombination Aclidinium/Formoterol (Brimica® Genuair®) oder Placebo. In den folgenden 4 Wochen bekamen beide Gruppen zusätzlich eine telefonische Verhaltensschulung mit individueller Zielsetzung zur Steigerung ihrer körperlichen Aktivität. Am Ende der 4 bzw. 8 Wochen wurden die Parameter Ausdauer auf dem Fahrradergometer, Inspiratorische Kapazität, Daten des Schrittzählers und ein Score für die körperliche Aktivität erfasst.

Die Überblähung, bestimmt anhand der funktionellen Residualkapazität, verringerte sich in den ersten 4 Wochen in der Verum-Gruppe um 162 ml, in der Placebo-Gruppe um 37 ml (1). Über die 8 Wochen nahm die Ausdauer auf dem Fahrrad-Ergometer unter Placebo leicht ab, unter LAMA/LABA aber deutlich zu. Der Erstautor der ACTIVATE-Studie, PD Dr. Henrik Watz, Großhansdorf, ermittelte nach 4 Wochen eine Differenz von 59 Sekunden und nach acht Wochen 55 Sekunden zwischen den Gruppen.

Die Patienten der Verum-Gruppe liefen in Woche 4 im Mittel 621 Schritte pro Tag mehr als zu Beginn der Studie. Die Placebo-Gruppe lief 110 Schritte weniger. Die Verhaltensschulung mit individueller Zielsetzung (Woche 5-8) steigerte die Leistung in der Verum-Gruppe um durchschnittlich 32 Schritte, und in der Placebo-Gruppe um 252 Schritte pro Woche. Die Differenz zwischen Verum und Placebo reduzierte sich durch die Verhaltensschulung also auf 510 Schritte pro Tag.

Die ACTIVATE-Studie zeigt, dass die effektive Lungenentblähung eine wichtige Voraussetzung für körperliche Aktivität bei COPD ist. Maßnahmen zur Stärkung der Motivation, das Verhalten zu ändern, sind hilfreich und zusätzlich notwendig.

Dr. rer. nat. Maren Mundt

Quelle: Symposium „Der aktive COPD-Patient: Stigmen & Visionen. Wie können wir den Status Quo ändern?", DGP-Kongress, 15.03.2018, Dresden; Veranstalter: Berlin Chemie

Literatur:

(1) Watz H et al. Int J Chron Obstruct Pulmon Dis 2017;12:2545-2558.


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