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Medizin

28. Juli 2020 Cannabinoide in der Schmerztherapie: Anwendung nur bei Versagen der Standardtherapie

In Deutschland werden zunehmend Cannabinoide für medizinische Zwecke eingesetzt, besonders in der Schmerztherapie. Experten der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. (DGS) mahnten beim virtuellen Deutschen Schmerz- und Palliativtag 2020 einen rationalen Umgang mit den entsprechenden Präparaten an. Denn Hintergründe der seit langem bekannten klinischen Wirkungen von Cannabinoiden bedürfen vielfach noch der wissenschaftlichen Aufklärung. Mit ihrer PraxisLeitlinie „Cannabis in der Schmerztherapie“ bietet die DGS Ärzten konkrete Hilfestellungen für den differenzierten Umgang mit Cannabis-Arzneimitteln in der Schmerztherapie.
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„Die Cannabispflanze beinhaltet etwa 100 Stoffe“, erklärt Norbert Schürmann, DGS-Vizepräsident und Departmentleiter der Abteilung für Schmerz- und Palliativmedizin am St. Josef Krankenhaus in Moers. „Bislang betrachten wir lediglich Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) als hauptwirksame Inhaltsstoffe.“ In Abhängigkeit von der Extraktzusammensetzung werden sowohl synergistische als auch antagonistische Effekte am komplexen Endocannabinoid-System des menschlichen Organismus angenommen. Reine THC oder CBD-Präparate haben dementsprechend andere Wirkungen als Vollspektrum-Extrakte, synthetische Produkte andere Effekte als pflanzliche, das Verhältnis von THC zu CBD ist bedeutsam und Fertigarzneimittel unterscheiden sich von Cannabisblüten. Die Art der Einnahme (oral oder inhalativ) spielt ebenso eine Rolle wie die spezifische Indikation beim einzelnen Patienten, seien es zentrale oder periphere neuropathische Schmerzen, chronische Tumor- oder Nichttumorschmerzen sowie andere Anwendungsgebiete.

Cannabinoide zu 70% bei Schmerzpatienten eingesetzt

Das Wissen dazu wird sich in den kommenden Jahren voraussichtlich deutlich erweitern. Denn weltweit haben die Forschungsaktivitäten erheblich zugenommen. Aktuelle wissenschaftliche Daten wurden beim Deutschen Schmerz- und Palliativtag 2020 präsentiert, der in diesem Jahr ausschließlich online stattfindet. Mit Spannung erwarten Schmerzexperten die Ergebnisse der vom Gesetzgeber vorgeschriebenen Begleiterhebung des BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte) zur Cannabis-Arzneimitteltherapie in Deutschland in voraussichtlich 2 Jahren. Eine Zwischenauswertung hatte ergeben, dass Cannabinoide zu 70% als Schmerztherapeutika eingesetzt werden.

Empfehlung der DGS

Die DGS empfiehlt die Verwendung von Cannabinoiden entsprechend der vorliegenden Evidenz, die die Fachgesellschaft in ihrer PraxisLeitlinie „Cannabis in der Schmerztherapie“ zusammengefasst hat.  Dort finden sich konkrete Hilfestellungen für die Anwendung von Cannabinoiden bei der Betreuung schwerstkranker Patienten. Die Fachgesellschaft spricht sich dafür aus, Cannabis-Fertigarzneimittel, etwa in Form von Tropfen, Kapseln, Tabletten oder als Spray, zu bevorzugen. Denn dies gewährleistet eine gute Steuerbarkeit der Wirkung.

Anwendung stets als Zusatztherapie

„Cannabinoide sollen nur angewendet werden, wenn bisherige Standardtherapien nicht erfolgreich waren“, betont Schürmann. Außerdem handelt es sich stets um eine Zusatztherapie. Cannabinoide können herkömmliche Analgetika nicht ersetzen. Der Schmerztherapeut weist außerdem darauf hin, dass nicht allein die analgetische Wirkung betrachtet werden dürfe. Gerade die entspannenden und appetitanregenden Effekte sind bei manchen Patienten erwünscht. Bei anderen Patienten dagegen kann Müdigkeit eine störende Nebenwirkung sein. Wie sich im Einzelfall ein günstiges Wirkungs-Nebenwirkungsprofil erreichen lässt, ist in der Praxisleitlinie nachzulesen.

Quelle: DGS


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