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Medizin

01. November 2019 Cannabis bei chronischen Schmerzen: Evidenz, Standardisierung und Kosten

Bei chronischen oder neuropathischen Schmerzen, Tumorschmerzen sowie Nicht-Tumorschmerzen empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Schmerztherapie e.V. (DGS) nach Versagen anderer Schmerztherapien den Einsatz von medizinischem Cannabis, eingebettet in ein multimodales Therapiekonzept. Dass Cannabis aber keineswegs gleich Cannabis ist, in die Therapieentscheidung deshalb Unterschiede in der Evidenz, standardisierter Qualität und auch der Wirtschaftlichkeit Eingang finden sollten, verdeutlichte Prof. Dr. Michael Überall, Nürnberg. 
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Basistext
Die erwünschten Wirkungen von Cannabis sind laut Überall vor allem auf seine Inhaltsstoffe Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) zurückzuführen. Beide modulieren das Endocannabinoidsystem im ZNS, wirken analgetisch und haben je nach ihrer Kombination auch synergistische und antagonistisch Effekte. So hat THC eine psychoaktive, stimulierende Wirkung, die von CBD mit seiner antipsychotischen Wirkung antagonisiert wird. Dadurch treten die von THC bekannten stimulierenden Effekte in einem standardisierten Fertigarzneimittel wie z.B. Sativex® nur sehr selten auf. Unter den erhältlichen Cannabis-Produkten gibt es laut Überall große Unterschiede nicht nur hinsichtlich der standardisierten Qualität, sondern auch der Evidenz – und der Wirtschaftlichkeit.

Als am besten untersuchtes Cannbinoid wurde in einer aktuellen wissenschaftlichen Bestandsaufnahme das als Oromukosalspray angebotene Fertigarzneimittel Sativex® ermittelt (1). Es enthält die Cannobinoide THC und CBD im definierten Verhältnis und ist in Deutschland zur Add-on-Behandlung der mittelschweren bis schweren Spastik bei Multipler Sklerose zugelassen (2). Laut Überall profitieren aber auch Patienten mit anderen, schwer therapierbaren Schmerzen von Sativex®. REAL-World-Daten aus dem von der DGS initiierten PraxisRegister Schmerz (3) zufolge führte die Zusatztherapie mit dem THC-CBD-Oromukosalspray bei den 800 ausgewerteten Patienten zu einer signifikanten Besserung verschiedener Beschwerden (alle p < 0,001). Die Patienten hatten vorwiegend chronische, dysfunktionale, meist neuropathische (62,5%) bzw. gemischte (30,8%) Schmerzen. Bei 82,3% der Patienten wurde eine klinisch relevante Abnahme der Schmerzintensität (definiert als Verbesserung des Schmerzindex (PIX) um ≥ 30%) erzielt. Auch hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit kann Sativex® laut Überall punkten: Mit 8,44 € (entsprechen 18,9 mg THC/7 Sprühstöße, durchschnittliche Dosis in iDL-Studien) die unter allen anderen angebotenen Cannabiszubereitungen niedrigsten Tagestherapiekosten an.

Quelle: Pressegespräch „Ist Cannabis gleich Cannabis?“, Deutscher Schmerzkongress 2019, 11.10.2019, Mannheim; Veranstalter: Almirall

Literatur:

(1) Hoch E et al., Bundesgesundheitsblatt 2019; 1: 291.
(2) Fachinformation Sativex® (März 2015).
(3) Überall MA et al., J Pain Res 2019; 12: 1577-1604.


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