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Medizin

24. April 2012 Chirurgen diskutieren über bessere Work-Life-Balance in ihrem Fach

Rund 20 Prozent der Ärztinnen und Ärzte in Deutschland leiden unter Burnout. Bereits jeder Vierte weist erste Anzeichen für einen Erschöpfungszustand auf. Die Ursachen reichen von Versagensängsten bis hin zur klassischen Überbelastung und Verlust der Lebensqualität durch zu hohe Arbeitszeiten. Die Folgen: Ärzte erkranken zunehmend, immer weniger Nachwuchs lässt sich für die ärztliche Tätigkeit begeistern und die künftige medizinische Versorgung in Deutschland ist beeinträchtigt. Inwiefern Chirurgen von Burnout betroffen sind, diskutieren Experten auf dem 129. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH). Thema ist auch, wie sich der Arbeitsalltag des Chirurgen erleichtern lässt. Hierzu informiert der Zeitmanagement-Experte Professor Lothar Seiwert auf einer Kongress-Vortragssitzung am 24. April 2012.
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Fachinformation
Neben der bisherigen hohen Arbeitsdichte und der auch psychisch belastenden Tätigkeit von Medizinern sind nun vermehrt administrative Aufgaben hinzugekommen. Hierzu zählen mitunter die Dokumentation und Kodierung von Diagnosen sowie Stellungnahmen gegenüber dem Kostenträger. „Unsere Ärzte und Pflegepersonal sind zunehmend überstrapaziert – am Ende geht das auch zu Lasten einer guten Patientenversorgung“, erklärt Kongresspräsident Professor Dr. med. Markus W. Büchler. „Wir sehen hier dringenden Handlungsbedarf und widmen uns in mehreren Kongresssitzungen eingehend diesem auch gesellschaftlich wichtigen Thema.“ Ziel sei es, in Zukunft die Arbeitszufriedenheit der Chirurgen zu erhöhen, ausreichenden Nachwuchs zu gewinnen und die Qualität der Patientenversorgung zu gewährleisten.

Zahlreiche Studien der vergangenen Jahre haben wiederholt gezeigt, dass hauptsächlich die „Work-Life Balance“, also das Verhältnis zwischen Privat- und Berufsleben, bei Ärzten – insbesondere Chirurgen – erheblich beeinträchtigt ist und zu psychosozialer Belastung führt. Ursache sind primär die langen und intensiven Arbeitszeiten. So beträgt die durchschnittliche Arbeitszeit eines Chirurgen 60 bis 80 Stunden mit häufigen Wochenend- und Nachtdiensten. Das belastet Privat- und Familienleben. Überdies ist das Angebot an Kinderbetreuung oder Teilzeitstellen immer noch sehr begrenzt. „Wir konnten in den letzten Jahren beobachten, dass ein nicht unerheblicher Teil an Ärzten in den nicht-kurativen Bereich abgewandert ist“, bedauert Büchler, Ärztlicher Direktor der Klinik für Allgemeine, Viszerale und Transplantationschirurgie, Universität Heidelberg. „Die besseren Arbeitsbedingungen, Entlohnung und Vereinbarkeit von Familie und Beruf spielen hier natürlich eine wesentliche Rolle.“ Nicht zu unterschätzen seien auch die Versagensängste durch gestiegenen ökonomischen Druck und zeitlichen Stress in Kliniken. Medizinstudenten geben diese Faktoren als Hauptgründe für ihre Entscheidung gegen die Chirurgie an.

„Bis 2020 werden etwa 70 000 in Krankenhäusern und Praxen tätige Ärztinnen und Ärzte altersbedingt ausscheiden. Diese Lücke können wir nur füllen, wenn das Berufsbild Arzt wieder an Attraktivität gewinnt“, mahnt Büchler. Hier sieht der Chirurg auch die Gesundheitspolitik gefordert. Denn gesundheitliche Entscheidungen wie Umstrukturierungen in der Weiterbildung, neue Tarifverträge, die Budgetierung der Arzthonorare oder die Einführung der Diagnosebezogenen Fallgruppen haben zu insgesamt schlechteren Rahmenbedingungen geführt. Wichtig sei insbesondere Zeit für Weiterbildung, Familie und Freizeit: „Denn nur ein ausgeglichener und physisch und psychisch gesunder Arzt kann den Patienten auch optimal versorgen.“ Darüber hinaus sei es für jeden Arzt wichtig, im Alltag für ein besseres Zeitmanagement zu sorgen, das entlastet und mehr Ruhezeiten erbringt. Hierzu bietet der Kongress mehrere Veranstaltungen, darunter den Vortrag vom renommierten Zeitmanagement-Experten Professor Lothar Seiwert am 24. April 2012.

Literaturhinweise:
T. Bohrer et al., Lebensqualität deutscher Chirurginnen und Chirurgen, Dtsch Med Wochenschr 2011;136:2140-2144

Olaf von dem Knesebeck, et al., Psychosocial Stress Among Hospital Doctors in Surgical Fields, Dtsch Arztebl Int 2010; 107(14): 248–53, DOI: 10.3238/arztebl.2010.0248

Quelle: DGCH


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