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Medizin

13. Dezember 2013 Chronische Obstipation: Leitlinien-basierte Handlungsempfehlungen für Ärzte

Die chronische Obstipation ist mit einer Prävalenz von 15% eine der häufigsten Erkrankungen in Europa. Die traditionelle Auffassung, es handele sich lediglich um eine banale Befindlichkeitsstörung, die zudem selbst verschuldet und leicht zu korrigieren sei, ist hinreichend widerlegt - so die Autoren der im Jahr 2013 veröffentlichten Leitlinie "Chronische Obstipation".

Krankheitsbild

Bei der chronischen Obstipation handelt es sich in der Mehrzahl der Fälle um eine persistierende, nicht selten mit hohem Leidensdruck einhergehende Erkrankung. Zu den in der Definition (Tab. 1) genannten Symptomen kommen Völlegefühl, Unwohlsein und Schmerzen im Abdomen sowie beim Stuhlgang. Die Häufigkeit der chronischen Obstipation nimmt mit dem Alter zu, Frauen sind doppelt so häufig betroffen wie Männer. Die chronische Obstipation ist abzugrenzen vom Reizdarmsyndrom und von intestinalen Motilitätsstörungen, für die separate Leitlinien vorliegen.

Tab 1: Definition


Therapie

Die Autoren der Leitlinie empfehlen ein Stufenschema für die Therapie der chronischen Obstipation. Bei unauffälliger Basisdiagnostik erfolgt demnach zunächst eine probatorische Therapie in Form von Allgemeinmaßnahmen (s. Tab. 2), die im 2. Schritt durch zusätzliche Ballaststoffe (Psyllium oder Weizenkleie) ergänzt werden kann. In dieser Phase ist auch ein probatorischer Einsatz von Probiotika sinnvoll. Der Erfolg dieser Maßnahmen ist nach ca. vier Wochen zu prüfen.

In der nächsten Stufe der Therapie kommen osmotische Laxanzien (Lactulose, Macrogol) und/oder stimulierende Laxanzien (Natriumpicosulfat und Bisacodyl) zum Einsatz. Ist die Kombination von Allgemeinmaßnahmen und konventioneller medikamentöser Therapie nicht effektiv, sollen neue medikamentöse Therapien versucht werden. Dazu zählen Prucaloprid (5-HT4-Antagonist mit prokinetischer Wirkung), und Linaclotid (Guanlytazyklase-C-Agonist). Bei funktionellen Entleerungsstörungen werden weiterhin Klysmen und Suppositorien eingesetzt. Biofeedback-Training kann bei Beckenbodendyskoordination helfen.

Tab. 2: Allgemeinmaßnahmen

 

Probiotika

Der Wirksamkeit von Probiotika bei funktioneller chronischer Obstipation ist durch klinische Studien erforscht und belegt. Es bestand starker Konsens bei den Autoren der Leitlinie, dass Probiotika bei funktioneller chronischer Obstipation eingesetzt werden können. In randomisierten kontrollierten Studien verbesserten die Bakterienstämme E. coli Nissle 1917 und Lactobacillus casei Shirota die Stuhlfrequenz und -konsistenz.

L. casei Shirota und B. animalis DN 173 010 verkürzten die Colontransitzeit. Experten führen diese Effekte der probiotischen Bakterien u.a.  auf die bakterielle Produktion von kurzkettigen Fettsäuren (Essig-, Propion- und Buttersäure) zurück, welche die Darmmotilität anregen können (Bischoff 2009, Chmielewska u. Szajewska 2010).

Die Wirkung setzte meistens nach ca. 14 Tagen Anwendung ein. Viele Patienten berichteten auch über eine Verbesserung des Wohlbefindens. Eine Meta-Analyse bestätigte die Wirksamkeit, gute Verträglichkeit und Sicherheit der Anwendung in der Schwangerschaft (Dugoua et al., 2009). Die Leitlinie Reizdarmsyndrom empfiehlt Probiotika beim Reizdarmsyndroms einzusetzen, u. a. auch beim Obstipationstyp (Layer et al. 2011).

Literaturhinweise:
Andresen V, Enck P et al. S2k-Leitlinie Chronische Obstipation: Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie. Gemeinsame Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität (DGNM) und der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). AWMF-Registriernr. 021/19. Z Gastroenterologie 51: 651-672, 2013

Bischoff SC (Hrsg.) Probiotika, Präbiotika und Synbiotika. Georg Thieme Verlag Stuttgart, 2009

Chmielewska A, Szajewska H et al. Systematic review of randomised controlled trials: Probiotics for functional constipation World J Gastroenterol 16, 69-75, 2010

Layer P Andresen V, Pehl C. et al. S3-Leitlinie Reizdarmsyndrom: Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie. Gemeinsame Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) und der Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität (DGNM). AWMF-Registrierungsnummer: 021/16. Z Gastroenterol 49: 237-93, 2012

Dugoua J.J. et al. Probiotic safety in pregnancy: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials of Lactobacillus, Bifidobacterium, and Saccharomyces spp. J Obstet Gynaecol Can 31: 542-552, 2009

Quelle: Yakult


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