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Medizin

24. September 2015 Chronische Obstipation - Prokinetikum jetzt auch für Männer

Endlich steht auch für Männer mit chronischer Obstipation das gesamte therapeutische Spektrum zur Verfügung. Seit Mai diesen Jahres gilt auch für sie: Führen eine Änderung des Lebensstils und eine Behandlung mit Laxantien nicht zum Erfolg, so kann das Prokinetikum Prucaloprid (Resolor®) verordnet werden. Durch den 5-HT4-Agonisten kommt es zu einer verstärkten Acetylcholin-Ausschüttung und daher zu einer starken Kontraktion der Darmmuskulatur. Dies verbessert signifikant die Entleerung des Darmes und damit die Lebensqualität.

Unter der Leitung von Prof. Peter Layer vom Israelitischen Krankenhaus, Hamburg, wurden in Leipzig die jüngsten Studiendaten zu Prucaloprid vorgestellt. Dabei stand auf dem Symposium der Firma Shire während der 70. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) die Frage nach dem Einfluss des Geschlechts auf die chronische Obstipation im Mittelpunkt.
 
Neue Studie belegt Wirksamkeit auch bei Männern


Laut einer neuen Untersuchung profitieren auch Männer von Prucaloprid, berichtete Prof. Ingolf Schiefke vom Klinikum St. Georg gGmbh aus Leipzig. In der multizentrischen, doppelblinden, plazebokontrollierten Phase-III-Studie wurden insgesamt 374 Männer über 12 Wochen behandelt. Den primären Endpunkt stellte die Anzahl der Patienten dar, die im Therapiezeitraum mindestens drei spontane, vollständige Stuhlentleerungen pro Woche aufwiesen. Unter der täglichen Einnahme von 2 mg Prucaloprid waren dies signifikant mehr Patienten als in der Plazebo-Gruppe (37,9% vs. 17,7%; p < 0,0001). Auch die Therapiebewertung der Patienten fiel in der Prucaloprid-Gruppe deutlich positiver aus. Als unerwünschte Wirkungen können vor allem am ersten Behandlungstag Kopfschmerzen, Übelkeit und Durchfall auftreten. Ab dem zweiten Behandlungstag bestand in der längeren Anwendung eine Verträglichkeit wie bei Plazebo, so Schiefke.
 
Die neue Untersuchung war notwendig geworden, weil in den vorherigen Zulassungsstudien der Anteil der untersuchten Männer nur bei 12% gelegen hatte. Daher hatte die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) die Zulassung zunächst nur für Frauen mit chronischer Obstipation ausgesprochen, bei denen Laxativa keine ausreichende Wirkung erzielen.
 
Chronische Obstipation - gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede?


Frauen sind von der chronischen Obstipation etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer, berichtete Prof. Layer in seinem Vortrag. Weltweit hat die Erkrankung eine Prävalenz von etwa 14%. Dabei ist die Häufigkeit in den verschiedenen Ländern ähnlich, es handelt sich demnach nicht um eine Zivilisationskrankheit, betonte Layer. Generell nimmt die Störung mit dem Lebensalter zu. Oft assoziiert sind Symptome des Obstipations-prädominanten Reizdarmsyndroms (RDS-O), welches ebenfalls bei Frauen eine höhere Prävalenz aufweist. Allerdings ist nach modernen Konzepten dieses nicht (mehr) zwingend von der chronischen Obstipation zu unterscheiden. Beide Erkrankungen können heute in der Mehrzahl der Fälle als symptomatisch etwas verschieden gewichtete Manifestationen derselben Grundkrankheit aufgefasst werden. Folglich müssen zur Häufigkeit der chronischen Obstipation auch noch die des Reizdarmes mit Obstipation hinzugerechnet werden, was die Verbreitung auf ca. 20% steigern würde.
 
Eine Sonderform der schweren Obstipation, die Slow-Transit-Constipation oder Kolonparese, betrifft jedoch überwiegend nur junge Frauen (< 1% aller Patienten). Meist zwischen der Pubertät und dem 30. Lebensjahr beginnt ein extrem verlangsamter Darmtransit, der länger als 250 Stunden dauern kann. Eine Darmentleerung ist dabei nur alle 10-14 Tage möglich, meist nur nach Einläufen. Die Erkrankung ist gegenüber allen Laxantien refraktär und führt nicht selten zu einer psychischen Traumatisierung. Milde Formen sprechen auf Prucaloprid an, so Layer. In schweren Fällen muss eine chirurgische Intervention erwogen werden, jedoch nur nach umfassender Diagnostik und Evaluation.
 
Gezielte Diagnostik Basis für erfolgreiche Therapie

Unabhängig vom Geschlecht ist die Basisdiagnostik unerlässlich, sagte Prof. Heiner Krammer vom End- und Dickdarmzentrum Mannheim. Wenn es bei Anamnese, Labor und körperlicher Untersuchung Hinweise auf mögliche verursachende Erkrankungen gibt, wie z. B. eine kurzfristige Änderung des Stuhlverhaltens oder andere Alarmsymptome, so sollte sich eine weitere Diagnostik unter anderem mittels Sonographie und totaler Koloskopie anschließen. Bei der chronischen Obstipation dient die gezielte Anamnese vor allem auch der Abgrenzung der Entleerungsstörung, bei der der zunächst normal weiterbeförderte Darminhalt im Enddarm nicht regulär entleert werden kann. Die Patienten berichten über Symptome wie häufige fraktionierte Entleerung, ständiges heftiges Pressen, digitale Manipulation, Gefühl der unvollständigen Entleerung. Eine funktionelle rektale Untersuchung kann hier klären, ob beispielsweise eine Rektozele die Entleerung behindert.
 
Hinton-Test objektiviert Transitzeit

Besteht jedoch der Verdacht auf eine funktionelle Passageverzögerung im Kolon, so kann dieser mit Hilfe der Gastrointestinalen Transitzeitmessung (GIT) mit radiopaken Markern objektiviert werden. Dabei nimmt der Patient über sechs oder auch mehr Tage hinweg morgens eine Kapsel mit jeweils zehn radiopaken Markern oral ein (also insgesamt 60 Marker), und am 7. Tag (oder entsprechend später) wird eine Röntgen-Abdomen-Leeraufnahme mit Erfassung des kleinen Beckens durchgeführt. Bei der Auswertung wird die verbliebene Anzahl der eingenommen 60 Marker mit dem Faktor 2,4 multipliziert. Der ermittelte Wert entspricht der Kolontransitzeit in Stunden. Sind zum Beispiel mehr als 30 Marker verblieben, entspricht das also einer Transitzeit von über 72 Stunden als Ausdruck einer Slow-Transit-Obstipation. Da bei diesem Test die Marker pro Kapsel unterschiedliche Formen besitzen, können diese bei der Auswertung zeitlich dem jeweiligen Einnahmetag zugeordnet werden. Wichtig ist, dass der Patient während der Testung ein tägliches Stuhlprotokoll führt, in dem neben dem Stuhlgang auch Besonderheiten, wie dringend erforderliche Laxantieneinnahme und Beschwerden, dokumentiert werden, um falsch negative Ergebnisse zu erkennen.
 
Männer und Frauen erhalten die gleiche Therapie

Sind andere behandelbare Ursachen für die chronische Obstipation ausgeschlossen, so orientiert sich das therapeutische Vorgehen bei Männern und Frauen gleichermaßen an der S2K-Leitlinie chronische Obstipation der DGVS und DGNM. Darin stehen Allgemeinmaßnahmen wie ausreichende Flüssigkeitszufuhr, Bewegung und ballaststoffreiche Ernährung, gegebenenfalls ergänzt durch eine supplementäre Ballaststoff-Gabe, am Anfang. Reicht dies nicht aus, schließt sich die Gabe von Laxantien wie Makrogol-Präparaten sowie Bisacodyl oder Natriumpicosulfat an. Bei deren Ineffektivität ist durchaus ein Wechsel des Präparates und/oder eine Kombinationstherapie aus mehreren Laxantien oder aus Laxans plus Ballaststofftherapie möglich. Aufgrund unzureichender Wirkung oder starker Nebenwirkungen ist jedoch fast die Hälfte der Patienten mit der Behandlung durch Laxantien nicht wirklich zufrieden. Wenn Laxantien nicht ausreichend wirken, können Frauen und Männer mit dem Prokinetikum Prucaloprid (Resolor®) behandelt werden. Denn der 5-HT4-Rezeptoragonist Prucaloprid wirkt direkt auf die gestörte Darmmotilität und stimuliert höhere Kontraktionsamplituden. Hierdurch werden sowohl Obstipationssymptome als auch die subjektive Lebensqualität der Betroffenen verbessert.

Quelle: Shire


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