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Medizin

01. Oktober 2018 Clostridium-difficile-Infektionen: Rekurrenz-Prävention bei hohem Risiko

Pathogene Stämme von Clostridium difficile bilden Toxine, die insbesondere bei nicht ausreichender IgG-Antwort des Patienten zu einer symptomatischen Clostridium difficile-Infektion (CDI) führen können. CDI erhöht die Sterblichkeit und ist insbesondere bei erneutem Aufflammen mit enormen Kosten verbunden.
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Fachinformation
Nach einer retrospektiven Fall-Kontroll-Studie der Universitätsklinik Köln mit 150 Patienten mit bestätigter CDI (36 mit rekurrenter Infektion) und 150 stationär behandelten Kontrollen geht die CDI-Rekurrenz mit drastisch erhöhten Kosten einher. Gründe sind unter anderem ein wesentlich längerer Krankenhausaufenthalt und eine lange Intensivbehandlung im Vergleich zu Kontrollen und Patienten mit einer ersten CDI (1). Wie Dr. Sebastian M. Heilmann von der Universitätsklinik Köln erläuterte, lagen die direkten und indirekten Kosten in der inzidenten CDI-Gruppe mit 22.100 Euro schon 5.500 Euro über den Kosten in der Kontrollgruppe (p<0,001), bei Rekurrenz aber mit 87.500 Euro und 70.900 Euro darüber (p<0,001). Deshalb sind innovative Behandlungsstrategien zur Vermeidung der CDI-Rekurrenz unbedingt notwendig und auch kosteneffektiv, betonte Dr. Heimann.

Anti-Toxin B-Antikörper

Mit der passiven Immunisierung mit Bezlotoxumab (ZINPLAVA®) lässt sich der Teufelskreis der rekurrenten CDI durchbrechen, erläuterte Prof. Dr. Stefan Schreiber, Direktor der Klinik für Innere Medizin I der Universität Kiel. Das Antitoxin des C. difficile-Toxins B ist als erster Wirkstoff zur Prävention der Rekurrenz einer CDI bei erwachsenen Patienten mit einem hohen Rekurrenzrisiko für eine CDI zugelassen.

In den doppelblinden, randomisierten, Placebo-kontrollierten Phase-III-Studien MODIFY I und II reduzierte Bezlotoxumab die CDI-Rekurrenzrate gegenüber Placebo deutlich (2). Über 12 Wochen Nachbeobachtungszeit erlitten 129 von 781 Patienten in der Antikörper-Gruppe eine CDI-Rekurrenz (16,5%), in der Placebo-Gruppe 206 von 773 Patienten (26,6%; p<0,001). Wurde zusätzlich der gegen Toxin A gerichtete Antikörper Actoxumab gegeben, erhöhte sich die Wirksamkeit der Bezlotuxumab-Therapie nicht. Als häufigste unterwünschte Ereignisse unter der Therapie mit Bezlotoxumab traten Übelkeit, Diarrhoe, Fieber und Kopfschmerz in ähnlicher Häufigkeit wie unter Placebo auf.

Praktische Hinweise

Bezlotoxumab wird während der antibakteriellen Therapie gegen eine CDI als intravenöse Einmalinfusion in einer Dosierung von 10 mg/kg Körpergewicht gegeben. Wie Prof. Schreiber erläuterte, erfolgt die Gabe über 60 Minuten unter Verwendung eines sterilen, pyrogenfreien Inline- oder Add-on-Filters mit geringer Proteinbildung. Er warnte vor der Gabe als intravenöse Druck- oder Bolusinjektion. Bei älteren Patienten und eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion sind keine Dosisanpassungen notwendig.

Friederike Klein

Quelle: Satellitensymposium „Mit der passiven Immunisierung den Teufelskreis der CDI-Rekurrenz durchbrechen?“, DGVS-Jahrestagung, 12.09.2018, München; Veranstalter: MSD

Literatur:

(1) Heimann SM et al. Infection 2015;43:707-14.
(2) Wilcox MH et al. N Engl J Med 2017;376:305-17.


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