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Medizin

16. Oktober 2020 Von diesen Corona-Impfstoffen könnte Deutschland früh profitieren

Noch gibt es keinen Corona-Impfstoff. Dennoch schließt die EU schon Verträge ab, um früh versorgt zu sein. Ein Überblick über die Mittel, die in Deutschland wohl an ehesten zur Verfügung stehen könnten.
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Die Menschen sehnen sich nach Normalität. Da wirkt die Aussicht auf einen Impfstoff wie eine Verheißung. Um früh mit dem begehrten Mittel versorgt zu sein, schließen die EU und auch andere Länder schon jetzt Lieferverträge mit Pharmakonzernen. Zudem stellte die EU am Donnerstag ihre Impfstoffstrategie mit Empfehlungen für die Mitgliedstaaten vor. Rund 40 Mittel weltweit werden schon am Menschen erprobt, regelkonform auf dem Markt ist aber noch keines. Laut Bundesgesundheitsministerium könnten Zulassungen von Corona-Impfstoffen noch in diesem Jahr erfolgen, sofern deren Studiendaten positiv sind. Folgende Kandidaten könnten in der EU und hierzulande im Fall einer Zulassung früh zum Einsatz kommen:

AstraZeneca: Mit dem britisch-schwedischen Unternehmen AstraZeneca hat die EU bereits einen Rahmenvertrag über die Lieferung von Impfdosen geschlossen. Dessen Mittel wird bereits in Phase 3 getestet. In dieser Phase wird das Mittel vielen Tausend Menschen verabreicht. Es geht darum, ob der Impfstoff-Kandidat tatsächlich vor einer Corona-Infektion schützt. Laut Gesundheitsministerium entfallen 54 Millionen Impfstoffdosen auf die Bundesrepublik. Das würde nach Angaben von Gesundheitsminister Jens Spahn zunächst für rund 27 Millionen Menschen hierzulande reichen. Der Impfstoff wird derzeit von der europäischen Arzneimittel-Behörde EMA in einem sogenannten Rolling-Review-Verfahren geprüft – und ist damit der Zulassung schon einen Schritt näher. Bei diesem Verfahren werden Daten aus der klinischen Prüfung fortlaufend eingereicht und bewertet.

Johnson & Johnson: Mit der belgischen Tochter des US-Pharmakonzerns Johnson & Johnson schloss die EU-Kommission Verträge über die mögliche Lieferung von 200 Millionen Dosen. Vorgesehen ist zudem eine Option für weitere 200 Millionen Dosen, wie die Brüsseler Behörde mitteilte. Der Impfstoff wurde zuletzt in Phase 3 getestet. Am Montag (Ortszeit) gab Johnson & Johnson jedoch überraschend bekannt, dass es seine Studie wegen einer ungeklärten Erkrankung eines Probanden vorübergehend unterbrochen habe.

Sanofi/GSK: Der Impfstoff der beiden Hersteller Sanofi (Frankreich) und GSK (Großbritannien) wird nach Angaben der EU-Kommission seit September getestet. Die entscheidende Phase-3-Studie soll bis Ende 2020 starten. Läuft alles glatt, wollen die Hersteller den Impfstoff im zweiten Halbjahr 2021 verfügbar haben. Die EU hat einen Vertrag über die Lieferung von bis zu 300 Millionen Einheiten des künftigen Impfstoffes geschlossen.

Biontech/Pfizer, Curevac, Moderna: Mit diesen Unternehmen hat die EU nach eigenen Angaben bereits erfolgreiche Sondierungsgespräche abgeschlossen. Während Biontech/Pfizer und Moderna ihre Impfstoffe schon in Phase 3 testen, ist der Impfstoff des deutschen Herstellers Curevac noch nicht ganz so weit und wird in Phase 2 untersucht. Der Impfstoff von Biontech-Pfizer wird im Rolling-Review-Verfahren der EMA geprüft. Moderna gab am Mittwoch für seinen Impfstoff bekannt, dass die EMA diesen für die Einreichung eines Antrags auf Marktzulassung in der Europäischen Union zugelassen habe.

Weitere Impfstoffe: Neben den von der EU favorisierten Herstellern sind auch andere Konzerne mit ihren Impfstoff-Kandidaten schon recht weit. Dazu gehören die chinesischen Firmen SINOVAC, CANSINO und SINOPHARM. Auch das US-Unternehmen Novavax testet seinen Impfstoff bereits in Phase 3. Das Moskauer Gamaleja-Forschungszentrum hat den weltweit ersten Corona-Impfstoff entwickelt, der zur breiten Verwendung in der Bevölkerung zugelassen ist – gegen internationale Bedenken. Der Impfstoff mit den Namen "Sputnik-V" wurde vor Beginn der – inzwischen eingetretenen – Phase 3 genehmigt. Am Mittwoch sei in Russland ein zweiter Impfstoff mit dem Namen "EpiVacCorona" registriert worden, sagte Präsident Wladimir Putin der Staatsagentur Tass zufolge.

Die EU-Kommission empfiehlt ihren Mitgliedsstaaten, bestimmte Personengruppen bei der Impfung vorrangig zu behandeln. Da anfangs nur geringe Mengen zur Verfügung stünden, sollten etwa medizinisches Personal, Menschen über 60 Jahre, Kranke und Personen mit sozialen Nachteilen den schützenden Piks zuerst bekommen. Gleichwohl hätten – sobald ein Stoff zugelassen sei – alle 27 Staaten gleichzeitig Zugang zu ersten Lieferungen, verteilt nach der Bevölkerungszahl. Zudem empfiehlt die Behörde den EU-Staaten, Vorbereitungen für die Impfungen zu treffen, etwa Kühlketten und medizinisches Personal zu organisieren. Grundsätzlich sollte das Prinzip einer kostenlosen Impfung gelten.

Quelle: dpa


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