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Medizin

09. April 2020
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Corona global: Wie ein Virus die Welt verändert

Wo breitet sich das Coronavirus gerade am rasantesten aus? Wo sind die Gegenmaßnahmen am härtesten und die Folgen am dramatischsten? Aber auch: Wo gibt es Hoffnung? Diesen Fragen sind Korrespondenten der dpa in aller Welt nachgegangen - von Brasilien bis China.
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Shoppen im Einkaufszentrum, Essen gehen im Restaurant, mit dem Flugzeug verreisen: Wovon man in Europa derzeit nur träumen kann, ist in Wuhan, dem Ursprungsort der Corona-Pandemie, wieder Realität. Von der chinesischen Metropole hat sich das Virus innerhalb von drei Monaten in mehr als 180 Länder ausgebreitet. Hier ein Blick auf die Lage in einigen von ihnen.

USA - Hoffnung für New York - aber keine Entwarnung

In den USA sterben täglich mehr als Tausend Menschen an der Lungenkrankeit Covid-19, aber für den besonders betroffenen Bundesstaat New York gibt es jetzt auch einen Hoffnungsschimmer. Die Zahl der Todesopfer stagniert und in den Krankenhäusern geht die Neuaufnahme von Corona-Patienten deutlich zurück. Die strengen Ausgangsbeschränkungen in der Stadt, die niemals schläft, zeigen offenbar Wirkung, werden aber bis mindestens Ende des Monats beibehalten.

Trotzdem greift die Millionenmetropole New York City zu drastischen Maßnahmen, um das erschreckende Ausmaß der Krise zu bewältigen: Falls nötig, würde man "mit "vorübergehenden Bestattungen" beginnen. Dies wird wahrscheinlich durch die Nutzung eines New Yorker Parks geschehen (ja, Sie haben das richtig gelesen)", erklärte der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses des Stadtrats, Mark Levine.

Nach Ansicht von Präsident Donald Trump geht der Kampf gegen das Virus in den USA diese Woche in eine "entscheidende und schwierige Phase". Auf Grundlage von Berechnungen könnten trotz der Eindämmungsmaßnahmen bis zu 240.000 Menschen sterben. Angesichts der Zahlen aus New York keimt in Trumps Corona-Taskforce aber Hoffnung auf. "Das ist die Art von guten Zeichen, nach denen man sucht", sagte der Virologe Anthony Fauci. Entwarnung gab er aber nicht.

Großbritannien - Regierungschef auf der Intensivstation

In Europa hat das Virus den ersten Regierungschef erwischt. Der britische Premierminister Boris Johnson liegt auf der Intensivstation. Er soll bei Bewusstsein sein und musste bislang nicht an ein Beatmungsgerät angeschlossen werden. Der ehrgeizige Außenminister Dominic Raab vertritt ihn nun und leitet auch die täglichen Corona-Krisensitzungen des "Kriegskabinetts", an dem die wichtigen politischen Entscheider teilnehmen.

Die Erkrankung Johnsons macht das Krisenmanagement nicht gerade einfacher. Die Regierung steht vor massiven Herausforderungen. Der vor allem über Steuern finanzierte staatliche Gesundheitsdienst NHS (National Health Service) ist seit Jahren chronisch unterfinanziert und marode. Krankenschwestern berichten, dass sie bei der Behandlung von Corona-Patienten die Luft anhalten, weil sie keine Masken haben.

Ganz nebenbei steht die britische Regierung auch noch vor einer anderen Herausforderung, die mit Corona nichts zu tun hat. Der Brexit muss geregelt werden. Nächste Woche soll der Fahrplan für die weiteren Verhandlungen über die Partnerschaft zwischen der Europäischen Union und Großbritannien nach dem Austritt des Vereinigten Königreichs verhandelt werden. In den letzten Wochen lag das Thema auf Eis. Das wiederum hatte viel mit Corona zu tun: Auch der EU-Chefunterhändler Michel Barnier hatte sich mit dem Coronavirus infiziert und auch sein britischer Kollege David Frost begab sich in Quarantäne.

China - Wuhan kehrt zur Normalität zurück

Die guten Nachrichten in Sachen Corona kommen derzeit vor allem aus China. Schon seit Wochen werden dort kaum noch neue Infektionen gemeldet. Am Dienstag war zum ersten Mal seit den Anfängen der Krise kein Todesfall mehr zu beklagen. Nach offiziellen Angaben sind 3.331 Menschen durch die Lungenkrankheit Covid-19 ums Leben gekommen - weit weniger als inzwischen in Italien oder Spanien. Die tatsächlichen Zahlen dürften allerdings deutlich höher liegen, da die Art der Erhebung immer wieder geändert worden ist und viele Fälle nicht in der offiziellen Statistik auftauchen.

Als symbolischer Akt für die Verbesserung der Lage sollten am Dienstag mehr als zweieinhalb Monate nach der Abriegelung von Wuhan die letzten Beschränkungen der Bewegungsfreiheit für die elf Millionen Bewohner fallen. Von hier hat sich die Pandemie weltweit ausgebreitet. Am Mittwoch wird auch der Flugverkehr wieder aufgenommen. Autos dürfen die Stadt wieder verlassen und die Menschen mit dem Zug reisen - vorausgesetzt, sie sind gesund und hatten jüngst keinen Kontakt zu Infizierten.

Türkei - Hausarrest statt Gefängnis angedacht

Kontaktverbot in Gefängnissen? Angesichts der Platzverhältnisse in den meisten Haftanstalten weltweit undenkbar. In der Türkei ist nun im Gespräch, Gefangene vorzeitig aus den überfüllten Gefängnissen zu entlassen. Am Dienstag diskutierte das Parlament über einen Gesetzentwurf, der die Strafe von bis zu 90.000 Insassen beispielsweise in Hausarrest umwandeln würde. Anwälte und Menschenrechtler kritisieren das aber scharf, weil wegen Terrorvorwürfen inhaftierte Menschen von der Regelung ausgenommen wären. Unter ihnen sind viele Regierungskritiker und Journalisten.

Der Hotspot der Corona-Krise in der Türkei ist Istanbul, wo rund 16 Millionen Einwohner dicht an dicht miteinander leben. Vergangene Woche wurden zu einem Zeitpunkt mal 60% aller Fälle hier gemeldet. Im berühmten touristischen Zentrum wirkt die Stadt nach allmählich gesteigerten Virusabwehrmaßnahmen jetzt wie eine Geisterstadt.

Ausgangssperren gibt es dennoch bisher nur für Unter-20-Jährige und Über-65-Jährige - also vor allem die, die mehrheitlich nicht arbeiten. Das kommt nicht von ungefähr: In der Türkei trifft die Corona-Krise auf eine bereits schwer angeschlagene Wirtschaft, unter anderem durch eine Währungskrise im Jahr 2018. Jetzt ist die Lira wieder abgerutscht. Und die für das Land so wichtige Tourismusindustrie, für die über Ostern die Saison beginnen sollte, dürfte zumindest bis Spätsommer harte Einbrüche vermelden.
 
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