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Medizin

29. Juni 2017
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DGN: Epilepsie-Leitlinie überarbeitet

Die S1-Leitlinie „Erster epileptischer Anfall im Erwachsenenalter“ der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (AWMF-Registernummer: 030/041) unter Federführung von Prof. Christian Elger, Bonn, und Dr. Ralf Berkenfeld, Neunkirchen-Vluyn, wurde nach viereinhalb Jahren überarbeitet und im Internetauftritt der DGN veröffentlicht.
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Pflichttext
Diese Leitlinie stellt eine Überarbeitung und Erweiterung der DGN-Leitlinie von 2012 dar. Die wichtigste Neuerung ist eine überarbeitete Definition der Epilepsie: Die Diagnose Epilepsie setzt entweder 2 nicht provozierte Anfälle im Abstand von mehr als 24 Stunden voraus oder 1 nicht provozierten Anfall, auf den voraussichtlich in den nächsten 10 Jahren weitere Anfälle folgen werden. Die Wahrscheinlichkeit für weitere Anfälle muss mit dem allgemeinen Rückfallrisiko (mindestens 60%) nach 2 nicht provozierten Anfällen vergleichbar sein. Ein wesentlich neuer Aspekt dieser Definition ist die Frage, ob eine Epilepsie „überwunden“ werden kann. Die neue Definition ist umstritten; der Aspekt der „überwundenen Epilepsie“ kann aber für Patienten zum Beispiel in der Berufsfindung hilfreich sein.

Auch zur Klassifikation von Anfällen und Epilepsien ist eine neue Version erschienen, die im Wesentlichen der Version von 1989 entspricht.

Die wichtigsten therapeutische Neuerungen
  • Die Medikamente Zonisamid, Lacosamid und Eslicarbazepinacetat haben eine Zulassung zur Monotherapie fokaler Anfälle mit und ohne sekundäre Generalisation bei Erwachsenen und Jugendlichen erhalten.
  • Perampanel ist zur Zusatzbehandlung von fokalen Anfällen mit oder ohne sekundäre Generalisierung bei Epilepsiepatienten ab 12 Jahren und von primär generalisierten tonisch-klonischen Anfällen bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren mit idiopathischer generalisierter Epilepsie zugelassen. Dieses Medikament ist in Deutschland nicht mehr im Vertrieb, da der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) erneut keinen Beleg für einen Zusatznutzen gesehen hat.
  • Brivaracetam als Weiterentwicklung des Medikaments Levetiracetam erhielt eine Zulassung zur Therapie von fokalen Anfällen mit sekundärer Generalisation bei Epilepsiepatienten ab 16 Jahren. Der G-BA konnte auch hier keinen Mehrwert feststellen, die Kostenträger und der Hersteller haben sich allerdings geeinigt: Seit Anfang Mai 2017 steht das Medikament in Deutschland auch langfristig zur Verfügung.
  • Die Substanz Retigabin ist inzwischen weltweit vom Markt genommen. Ursache waren vor allem Blauverfärbungen der Nägel und Retinaveränderungen.
  • Die Europäische Arzneimittelkommission hat die Empfehlung ausgesprochen, Valproinsäure bei Frauen und Mädchen im gebärfähigen Alter erst dann einzusetzen, wenn alternative Therapien versagt haben. Sie begründet die Entscheidung mit erhöhter Teratogenität, verminderter Kognitionsleistung und einer erhöhten Autismusrate bei Kindern von Müttern, die in der Schwangerschaft Valproinsäure eingenommen haben. Die Leitlinienautoren gehen ausführlich auf diese Problematik ein. Insbesondere die niedrig dosierte Therapie bei idiopathisch-generalisierten Epilepsien (bis 800 mg) zeigt statistisch keine erhöhten Auffälligkeiten im Vergleich zu anderen Therapieformen, sodass die Commission on European Affairs der Internationalen Liga gegen Epilepsie (ILAE) vor allen Dingen bei Patientinnen mit generalisiert tonisch-klonischen Anfällen einen niedrig dosierten Einsatz empfiehlt, da das Medikament dort oft alternativlos ist. Von einem Einsatz von Valproinsäure bei Frauen mit fokalen Epilepsien wird abgeraten.
  • Neue Daten über die Absetzprognose und Anfallsfreiheit ohne Medikation bei Patienten mit idiopathisch-generalisierten Epilepsien über einen Zeitraum von 40 Jahren nach der Erstdiagnose zeigen, dass ein Absetzen ohne Rezidiv nur in weniger als 20% der Fälle erreicht wurde.
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