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Medizin
07. September 2020

DGRh-Kongress: Begleiterkrankungen im Fokus

Wie häufig rheumatologische Begleiterkrankungen sind, vor welche Herausforderungen sie Ärzte und Patienten stellen und wie die Versorgung dieser Patienten verbessert werden kann, wird ein Thema auf dem Online-Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) sein. Er findet vom 9. bis 12. September 2020 statt.
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„Prinzipiell alle Körperbereiche können von der Entzündung betroffen sein“, sagt Prof. Dr. med. Andreas Krause, Vorstandsmitglied der DGRh und Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin. Wie Daten aus der Kerndokumentation des Deutschen Rheumaforschungszentrums zeigen, sind rund 80% der Patienten mit klassischem Gelenkrheuma von mind. einer Begleiterkrankung betroffen, bei anderen rheumatischen Erkrankungen liegt die Zahl ähnlich hoch.

Frühzeitig entgegensteuern

Komorbiditäten wie kardiovaskuläre und Lungenerkrankungen oder Depressionen haben einen erheblichen Einfluss auf die Lebensqualität der Patienten, den Krankheitsverlauf und die Wirksamkeit der Medikation. „Es wird deutlich, dass Rheumatologen internistisch ausgebildet sein sollten, denn dies ist die notwendige Basis, um bei der Therapie die Begleiterkrankungen mitberücksichtigen zu können“, sagt Krause. Nicht alle Begleiterkrankungen sind jedoch gleichermaßen im Bewusstsein präsent: Während das erhöhte Osteoporose- oder Infektionsrisiko von Rheumapatienten in der Regel berücksichtigt werde, ist das bei anderen Komorbiditäten wie Depressionen oft nicht der Fall. Auch eine Lungenbeteiligung wird oft lange nicht erkannt. Von großer Bedeutung sind dabei die interstitiellen Lungenerkrankungen (ILD). Diese treten oft schon sehr früh im Krankheitsverlauf auf, verursachen aber lange Zeit keine Beschwerden. „In Computertomographie-Aufnahmen finden sich bei 60% der Gelenkrheuma-Patienten Anzeichen für eine ILD, klinische Symptome allerdings nur bei 6%“, sagt Krause. Daher sollten Patienten mit Rheumatoider Arthritis bereits bei der Erstdiagnose und dann in regelmäßigen Abständen auf eine ILD untersucht werden.
 
Fokus auf Vorsorgeuntersuchungen

„Auch um andere Begleiterkrankungen frühzeitig erkennen und behandeln zu können, sind sorgfältige Vorsorgeuntersuchungen notwendig“, betont auch DGRh-Kongresspräsident und Vorstandsvorsitzender Prof. Dr. med. Hendrik Schulze-Koops vom Klinikum der Universität München. Die hierfür notwendige Zeit stehe aufgrund des rheumatologischen Fachärztemangels jedoch häufig nicht zur Verfügung. Kurzfristige Abhilfe könnten einfache, wenig zeitaufwendige Screeningmethoden schaffen, die evtl. auch vom nicht-ärztlichen rheumatologischen Assistenzpersonal übernommen werden könnten, so die DGRh. Auf Dauer sei eine angemessene Versorgung von Patienten mit Begleiterkrankungen jedoch nur möglich, wenn die Zahl internistisch-rheumatologischer Fachärzte deutlich gesteigert werde.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh)

Literatur:

Deutsches Rheumaforschungszentrum. Daten der Kerndokumentation 2018. https://www.drfz.de/wp-content/uploads/Ergebnisse_Kerndokumentation_2018.pdf.
Krause A, Rubbert-Roth A. Lungenbeteiligung bei rheumatoider Arthritis Z Rheumatol 2019; 78:228-35.
Krüger K, Krause A. Komorbiditäten. Z Rheumatol 2019; 78:218-20.
Krüger K, Nüßlein H. Kardiovaskuläre Komorbiditäten bei rheumatoider Arthritis. Z Rheumatol 2019; 78:221-27.
Lorenz HM, Kneitz C. Infektionen. Z Rheumatol 2019; 78:236-42.
Radner H et al. Treatment Patterns of Multimorbid Patients with Rheumatoid Arthritis: Results from an International Cross-sectional Study. J Rheumatol 2015 Jul;42(7):1099-104.


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