Sonntag, 28. Februar 2021
Navigation öffnen
Anzeige:
Pneumovax
Pneumovax

Medizin

22. Mai 2013 DPP4-Inhibitor Vildagliptin: Erfolgreiches Management von manifestem Typ-2-Diabetes durch Kombination mit Metformin

Schon heute sind etwa sieben Millionen Menschen in Deutschland an Diabetes erkrankt, Tendenz steigend (1). Etwa 90% von ihnen sind Typ-2-Diabetiker (1). Angesichts dieser Zahlen spielt nicht nur die Quantität, sondern auch die Qualität der Diabetes-Therapie eine entscheidende Rolle. Hoffnung scheint zwar eine aktuelle amerikanische Studie zu geben, die zeigt, dass sich die Behandlung von Diabetes im vergangenen Jahrzehnt deutlich verbessert hat. Im jüngsten Erhebungszeitraum der NHANES-Studie (2007-2010) erreichten 52,2% der Diabetiker den angestrebten HbA1c-Zielwert von <7%, im Zeitraum zwischen 1988 und 1994 waren es nur 43% (2). Dennoch ist auch in Zukunft eine effektive und konsequente Diabetes-Typ-2-Therapie notwendig, um den Konsequenzen einer Diabetes-Erkrankung Einhalt zu gebieten. Daher sollten sich Therapiestrategien nicht allein auf die Erreichung des angestrebten HbA1c-Wertes konzentrieren, sondern auch die damit verbundenen Nebenwirkungen wie Hypoglykämien, Gewichtszunahme und kardiovaskuläre Ereignisse einbeziehen.

Anzeige:
Pradaxa
Pradaxa

Die EDGE-Studie: globale Ergebnisse sind vielversprechend

Aktuell empfehlen die Leitlinien der Deutschen Diabetes Gesellschaft eine initiale Monotherapie mit Metformin (3). "Doch dieser monotherapeutische Behandlungsansatz stößt leider schnell an seine Grenzen - gerade bei manifestem Typ-2-Diabetes. Da die Behandlungsziele bei Typ-2-Diabetikern vielfältig sind, benötigen wir langfristige Therapiestrategien. Kombinationstherapien mit oralen Antidiabetika sind da eine sinnvolle Alternative", so Prof. Rüdiger Göke, niedergelassener Diabetologe aus Marburg. Jedoch ist eine intensivierte Behandlung häufig auch mit einem erhöhten Nebenwirkungsrisiko, zumeist Hypoglykämien, assoziiert. Wie relevant jedoch die Vermeidung von Unterzuckerungen ist, zeigen noch einmal aktuelle Studienergebnisse: So steigt beispielsweise beim Auftreten von Hypoglykämien die Sterblichkeitsrate und auch das Risiko für Hospitalisierungen der betroffenen Patienten um das Zweieinhalbfache (4).

In der EDGE (Effectiveness of Diabetes Control with Vildagliptin and Vildagliptin/Metformin)-Studie wurden Wirksamkeit und Verträglichkeit von Vildagliptin (Galvus®) als Add on zur bestehenden Monotherapie oder als fixe Dosierung mit Metformin (Eucreas®) über einen Zeitraum von zwölf Monaten im Vergleich mit anderen Kombinationen oraler Antidiabetika im klinischen Praxisalltag untersucht (5). An dieser prospektiven, internationalen, multizentrischen, nicht-interventionellen Phase-IV-Studie nahmen insgesamt rund 45.000 Patienten teil. Damit ist EDGE eine der größten Diabetes-Beobachtungsstudien weltweit.

Primärer Studienendpunkt war die Reduktion des HbA1c-Wertes um mindestens 0,3%. Jedoch durfte dieses Ziel nicht durch Nebenwirkungen wie periphere Ödeme, Hypoglykämien, einer starken Gewichtszunahme (>5% des Ausgangsgewichts) oder gastrointestinalen Nebenwirkungen erkauft werden, die zum Absetzen der jeweiligen Medikation führten. Die globalen Studienergebnisse zeigen, dass Patienten auf die Kombinationstherapie mit Vildagliptin besser ansprachen als auf eine Behandlung ohne den DPP4-Hemmer. Während der 12-monatigen Behandlungsdauer konnte der HbA1c-Wert in der Vildagliptin-Gruppe von 8,17% auf 6,93% um 1,19 Prozentpunkte gesenkt werden - in der Vergleichsgruppe waren es 0,99 Prozentpunkte (Baseline: 8,16%). Insgesamt erreichten durchschnittlich 55,4% der Patienten unter Vildagliptin den primären Endpunkt, bei der Kombinationstherapie mit anderen oralen Antidiabetika waren es 51,3%.

Deutsche Studiendaten: niedrigerer HbA1c-Wert und weniger Hypoglykämien

In Deutschland nahmen insgesamt 8.887 Patienten an der EDGE-Studie teil. Die am häufigsten untersuchten Therapieregime waren eine Kombination aus Vildagliptin und Metformin (n=6.439) bzw. Metformin und einem Sulfonylharnstoff (SH, n=971) (6). Im Mittel waren die Patienten 62,6 Jahre alt und seit knapp sechs Jahren an Diabetes erkrankt. Zudem wiesen sie einen durchschnittlichen Body Mass Index von 30,8 kg/m² auf.

Bei den deutschen Studienteilnehmern wurde die Behandlung im Vildagliptin-Arm bei einem HbA1c-Wert von 7,8% intensiviert (SH-Gruppe: 7,7%). Nach Ende des Beobachtungszeitraums konnte in beiden Gruppen eine signifikante Reduktion des HbA1c-Wertes festgestellt werden (p<0,001). So sank der Blutzuckerwert im Vildagliptin-Arm um 0,69%, im Vergleich zur SH-Gruppe (-0,46%) fiel die erzielte Reduktion signifikant stärker aus (p<0,001). Zudem wurde auch der kombinierte Endpunkt, bestehend aus HbA1c-Wert <7,0%, Vermeidung von Hypoglykämien und Gewichtszunahme, untersucht. Dieses Therapieziel wird aktuell auch von den DDG-Praxisleitlinien empfohlen. In der Vildagliptin-Gruppe erreichten 25,5% der Patienten diesen Endpunkt – unter Sulfonylharnstoffe-Gabe waren es 17,7% (p<0,001).

Insgesamt traten Hypoglykämien in der SH-Gruppe (0,41%) viermal so häufig auf wie unter Vildagliptin (0,11%). Da in der Studie nur wenige Hypoglykämien berichtet wurden, war dieser Unterschied aufgrund der geringen Fallzahl zwar nicht signifikant, aus Sicht des deutschen Studienleiters jedoch durchaus relevant. "Ein günstiges Nebenwirkungsprofil - insbesondere das sehr geringe Hypoglykämie-Risiko - von DPP4-Hemmern wie Vildagliptin sind ein ganz wichtiger Aspekt bei der Wahl der richtigen Behandlungsoption für Typ-2-Diabetiker. Die Studiendaten lassen nun darauf hoffen, dass eine intensivierte Diabetes-Therapie nicht zwangsläufig mit einem erhöhten Nebenwirkungsrisiko verbunden sein muss", kommentierte Prof. Göke die deutschen Sicherheitsdaten der EDGE-Studie.

Frühzeitige Kombinationstherapie - der Schlüssel zum Erfolg?

Die EDGE-Daten bestätigen die Beobachtungen aus klinischen Untersuchungen zur Wirksamkeit und Verträglichkeit einer Vildagliptin-Metformin-Kombination. Sie zeigen jedoch auch, dass eine Kombinationstherapie meist erst eingeleitet wird, wenn der empfohlene HbA1c-Richtwert von 7% nicht erreicht oder gehalten werden kann (5,6,7). "Doch schon die Daten der britischen UKPDS-Studie lassen den Schluss zu, dass eine frühzeitige und konsequente Blutzuckereinstellung die Diabetes-Progression aufzuhalten scheint", erläuterte Prof. Michael Stumvoll, Leiter der Klinik und Poliklinik für Endokrinologie und Nephrologie am Universitätsklinikum Leipzig, die Relevanz eines frühen intensiven Behandlungsbeginns. Auch die Daten von Holman et al. bestätigen diese Tendenz: So konnten mikrovaskuläre Ereignisse (-24%), Myokardinfarkte (-15%) und die Gesamtsterblichkeit (-13%) durch eine rechtzeitige und intensive Diabetes-Therapie gesenkt werden (8).
"Aufgrund dieser Erkenntnisse und in Anbetracht der Tatsache, dass Typ-2-Diabetes häufig erst spät diagnostiziert und eine erfolgreiche Behandlung dadurch erschwert wird, sollte eine effektive Blutzuckereinstellung, z. B. durch eine Kombinationstherapie, so früh wie möglich eingeleitet werden", so Prof. Stumvoll. Daher untersucht nun die VERIFY (Vildagliptin Efficacy in combination with Metformin for early treatment of T2DM)-Studie den langfristigen Nutzen einer frühzeitigen Behandlung mit einer Vildagliptin-Metformin-Kombination im Vergleich zur aktuellen Standardtherapie mit Metformin (9). Einschlusskriterien dieser prospektiven, randomisierten Doppelblindstudie, die über 5 Jahre mit 2.000 Patienten geplant ist, sind eine kürzlich erfolgte Diagnose (≤24 Monate) und ein HbA1c-Wert von kleiner bzw. gleich 6,5 bis zu 7,5%. Zudem müssen die Studienteilnehmer einen BMI zwischen kleiner bzw. gleich 22 und bis zu 40 kg/m² aufweisen und therapienaiv sein. Primärer Endpunkt ist das initiale Behandlungsversagen (HbA1c >7%). Des Weiteren erhoffen sich die Studienleiter Erkenntnisse darüber, ob die Wirkstoffkombination im Vergleich zur Metformin-Monotherapie die Progression verlangsamen oder aufhalten kann. Die Ergebnisse der VERIFY-Studie werden für 2019 erwartet.

Literaturhinweise:
(1) Deutscher Gesundheitsbericht Diabetes 2012. Online publiziert unter: http://www.diabetesde.org/fileadmin/users/Patientenseite/PDFs_und_TEXTE/Infomaterial/Gesundheitsbericht_2012. pdf.
(2) Stark Casagrande S et al. Diabetes Care 2013, doi:10.2337/dc12-2258.
(3) Evidenzbasierte Leitlinie der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (Update) 2008. Online publiziert unter: http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/057-012_S3_Medikamentoese_antihyperglykaemische_Therapie_des_Diabetes_mellitus_Typ_2_10-2008_10-2013.pdf.
(4) Hsu PF et al. Diabetes Care 2013; 36(4):894-900.
(5) Mathieu C et al. Poster 863, präsentiert beim 48th Annual of the European Association of the Study of Diabetes, 1.-5. Oktober 2012, Berlin.
(6) Dworak M et al. Poster präsentiert beim Diabetes Kongress 2013, 8.-11. Mai 2013, Leipzig.
(7) Inzucchi SE et al. Diabetologia. 2012; 55:1577-1596.
(8) Holman RR et al. N Engl J Med 2008; 359:1577-1589.
(9) Novartis data on file.
(10) Galvus Summary of Product Characteristics (SmPC).
(11) Fachinformation Galvus®; Stand: Oktober 2012.
(12) Eucreas Summary of Product Characteristics (SmPC).
(13) Fachinformation Eucreas®; Stand: Februar 2013.

Quelle: Novartis


Anzeige:
Adakveo
Adakveo
 

Stichwörter

Das könnte Sie auch interessieren

Diabetiker sollten regelmäßig ihren Puls messen

Diabetiker sollten regelmäßig ihren Puls messen
© closeupimages / Fotolia.com

Oft werden Menschen von einem Schlaganfall getroffen, weil sie Vorhofflimmern haben, ohne es zu wissen. Vorhofflimmern tritt bei über der Hälfte aller Patienten ohne Symptome oder Beschwerden auf. Unbehandelt und ohne schützende Wirkung gerinnungshemmender Medikamente sind sie schutzlos dem Schlaganfall ausgesetzt. Jedes Jahr verursacht Vorhofflimmern etwa 30.000 Schlaganfälle. Vorhofflimmern ist auch eine häufige Herzrhythmusstörung bei Diabetikern, die Schätzungen zufolge ein um 34% erhöhtes Risiko für Vorhofflimmern haben.

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"DPP4-Inhibitor Vildagliptin: Erfolgreiches Management von manifestem Typ-2-Diabetes durch Kombination mit Metformin"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EILMELDUNGEN zu SARS-CoV-2 und COVID-19
  • Risikogruppen: Empfehlungen der STIKO
  • Risikogruppen: Empfehlungen der STIKO