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Medizin

24. Oktober 2018 DZHK-Studie prüft Spironolacton bei Herzschwäche-Patienten mit diastolischer Komponente

Der Verlauf einer Herzschwäche mit erhaltener Pumpfunktion lässt sich mit den heutigen Therapiemöglichkeiten nicht beeinflussen. Momentan können die Ärzte nur versuchen, die Beschwerden der Patienten zu lindern. Eine neue Studie des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) überprüft, ob der bewährte Wirkstoff Spironolacton hier eine Wende einleiten kann.
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Fachinformation
Die Hälfte aller Herzschwäche-Patienten leidet an einer Herzschwäche mit erhaltener Pumpfunktion. Im Unterschied zur Herzschwäche mit reduzierter Pumpfunktion kann sich das Herz bei dieser Erkrankung zwar noch gut kontrahieren und pumpen, aber seine Entspannungsphase, die Diastole, ist gestört. Grund ist, dass die linke Herzkammer so verdickt und steif ist, dass sie sich nicht mehr ausreichend mit Blut füllen kann. Dadurch gelangt bei der anschließenden Kontraktion des Herzens nicht mehr genügend sauer- und nährstoffreiches Blut in den Körper.

Oft gestaltet sich der Alltag betroffener Patienten mit einer verdickten und steifen linken Herzkammer zunächst symptomlos. Aber im Laufe der Erkrankung leiden die Patienten unter den gleichen Beschwerden wie Patienten mit einer Herzschwäche mit reduzierter Pumpfunktion: Sie sind müde, schnell erschöpft, haben Flüssigkeitsansammlungen in den Beinen und am Bauch, nächtlichen Harndrang, trockenen Husten, bis hin zu Schwindel, Herzklopfen und Ohnmacht. „Es gibt für diese Form der Herzschwäche momentan keine Behandlung, die erfolgreich an den Krankheitsmechanismen ansetzt“, sagt Prof. Dr. Burkert Pieske, Direktor der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Kardiologie am Campus Virchow-Klinikum der Charité – Universitätsmedizin Berlin und einer der Studienleiter der DZHK-Studie SPIRIT-HF-DZHK8. „Mit den derzeitigen Behandlungsoptionen können wir nur versuchen, die Symptome der Patienten unter Kontrolle zu bekommen.“

Die SPIRIT-HF-DZHK8-Studie untersucht nun, ob Spironolacton die Anzahl der Krankenhausaufenthalte und die Sterberate bei der Herzschwäche mit erhaltener Pumpfunktion reduzieren kann. Bereits vor fast 20 Jahren wurde für die andere Form der Herzschwäche, also die Herzschwäche mit reduzierter Pumpfunktion, gezeigt, dass durch die Einnahme von Spironolacton deutlich weniger Patienten sterben und dass sie nicht mehr so oft stationär behandelt werden müssen. Vorausgegangene Studien zur Wirkung von Spironolacton bei Patienten mit einer Herzschwäche mit erhaltener Pumpfunktion brachten diesbezüglich keine klaren Resultate. „Im Unterscheid zu vorherigen Studien sollen an unserer Studie nur Patienten teilnehmen, bei denen eine diastolische Komponente mithilfe klar definierter Kriterien eindeutig diagnostiziert wurde“, erklärt Prof. Dr. Frank Edelmann, Leiter der DZHK zertifizierten Clinical Research Unit am Campus Virchow-Klinikum der Charité und Ko-Studienleiter.

Spironolacton beeinflusst die hormonelle Komponente der Herzschwäche, bei der u.a. zu viel des Hormons Aldosteron produziert wird. Diese Überproduktion wirkt sich negativ auf das Herz aus. „Unter dem Einfluss von Aldosteron finden Umbauprozesse statt, bei denen die wichtigen Herzmuskelzellen durch Bindegewebszellen ersetzt werden, die lediglich Füllmaterial sind und keine Funktion übernehmen“, erläutert Studienkoordinator Dr. Johannes Petutschnigg von der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Kardiologie am Campus Virchow-Klinikum der Charité. „Dadurch verliert das Herz an Leistungsfähigkeit.“ Spironolacton kann die Wirkung von Aldosteron hemmen und soll so die das Herz schwächenden Umbauprozesse aufhalten.

Oft tödlicher als Krebs

Die 5-Jahres-Überlebensrate eines Herzschwäche-Patienten ist zurzeit schlechter als die der meisten Krebspatienten. Trotz intensiver Forschung liegt sie immer noch bei 50%. Angesichts einer alternden Gesellschaft sprechen Pieske und seine Kollegen mittlerweile von einer Epidemie der Herzschwäche. Denn mit zunehmenden Alter steigt die Wahrscheinlichkeit an einer Herzschwäche zu erkranken rasant an: Sind bei den 40- bis 50-Jährigen nur 1% betroffen, leiden bei den über 75-Jährigen bis zu 10% an einer Herzschwäche. Aktuell ist die Herzschwäche in Deutschland der häufigste Grund für einen Krankenhausaufenthalt.

Die SPIRIT-HF-DZHK8-Studie wird zu 100% vom DZHK finanziert. „Wir bezeichnen sie als unser kleines europäisches Projekt, denn neben 35 Zentren in Deutschland beteiligen sich auch Klinken aus Österreich, Frankreich, den Niederlanden und Serbien an der Studie“, so Pieske. SPIRIT-HF-DZHK8 ist die erste doppelt verblindete Phase-III-Studie im DZHK. Als Phase-III-Studie hat sie das Potenzial, zukünftige Behandlungsleitlinien für die diastolische Herzschwäche zu verändern.

Patienten mit einer Herzschwäche mit erhaltener oder mäßiggradig reduzierter Pumpfunktion, die Interesse haben, an der Studie teilzunehmen, können sich jederzeit unter spirit-hf@charite.de melden.

Studienkoordinator: Dr. Johannes Petutschnigg, Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Kardiologieam Campus Virchow-Klinikum, Charité, johannes.petutschnigg@charite.de

Quelle: Deutsches Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung e.V. (DZHK)


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