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Medizin

28. März 2013 Darmentzündung begünstigt Darmkrebs

Ein Zusammenhang von Darmentzündung und Darmkrebs wurde seit Langem vermutet. Nun hat ein internationales Forscherteam unter Federführung der Medizinischen Klinik 1 – Gastroenterologie, Pneumologie und Endokrinologie (Direktor: Prof. Dr. Markus F. Neurath) des Universitätsklinikums Erlangen zeigen können, dass bestimmte Bindegewebszellen ein wichtiges Brückenglied zwischen Darmentzündung und Darmkrebs bilden. Diese sogenannten Tumorfibroblasten fördern in entzündlicher Umgebung die Produktion und Freisetzung eines Schlüsseleiweißes und Wachstumsfaktors namens Epiregulin, das das Darmkrebswachstum aktiv beschleunigen kann.

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Dickdarmkrebs gehört zu den häufigsten bösartigen Erkrankungen der westlichen Welt. Eine gute Heilungschance besteht trotz Fortschritten in Diagnostik und Therapie nur bei Diagnose im Frühstadium. Chronische bzw. häufig wiederkehrende Darmentzündungen bilden einen Risikofaktor für das Auftreten von Darmkrebs. „Ausgangspunkt unserer Arbeit waren umfangreiche Tumorgewebe-Analysen, bei denen die Aktivität sämtlicher Gene in verschiedenen Typen von Dickdarmtumoren automatisiert untersucht wurde. Dies führte zunächst zu einer langen Liste an potenziell interessanten Kandidatengenen, mit denen wir weitere Analysen durchführten“, beschreibt das Erlanger Forscherteam die Frühphase des Projekts. „Im Verlauf mehrten sich die Hinweise auf eine wichtige Rolle von Epiregulin für das Darmkrebswachstum“, so die Wissenschaftler. Die neuen Erkenntnisse überraschten, da bis dahin nur bekannt war, dass ein Fehlen von Epiregulin Entzündungsreaktionen im Darm verschlechtert. Somit wäre zu erwarten gewesen, dass eine erhöhte Produktion von Epiregulin das Tumorwachstum eher hemmt als fördert.

Ansatzpunkt für Verbesserung der medikamentösen Darmkrebstherapie entdeckt

Durch die Kooperation der Erlanger Darm-Forscher mit Wissenschaftlern in Bayreuth, Mainz, München und North Carolina (USA) gelang es schließlich nach mehrjähriger Arbeit, die funktionelle Bedeutung von Epiregulin für die entzündungsabhängige Tumorentwicklung klar herauszuarbeiten: Die Forscher entdeckten einen molekularen Mechanismus zwischen Darmentzündungen und entzündungsabhängigem Darmkrebswachstum. „Unsere Laborergebnisse zeigen eindrucksvoll, dass Epiregulin eine Doppelrolle spielt. Einerseits unterstützt es die gute Wundheilung im Darm bei geschwürigen Entzündungsreaktionen, andererseits fördert es das Wachstum von Darmkrebs“, erläutern Dr. Clemens Neufert und Prof. Dr. Markus F. Neurath.

Zusätzlich gelang es den Forschern, den entscheidenden Zelltyp zu identifizieren, der für die Produktion von Epiregulin verantwortlich ist: Hierbei handelt es sich um Bindegewebszellen, sogenannte Tumorfibroblasten. Diese sind in entzündlichem Milieu in der Lage, große Mengen von Epiregulin zu produzieren und sogar andere Zellen zur Produktion des Wachstumsfaktors anzuregen. Jetzt hoffen Dr. Neufert und Prof. Neurath, dass sich auf der Basis ihrer Forschungsergebnisse die therapeutischen Möglichkeiten für die medikamentöse Darmkrebsbehandlung verbessern lassen.

Literaturhinweis:
C. Neufert, C. Becker, Ö. Türeci, M. J. Waldner, I. Backert, K. Floh, I. Atreya, M. Leppkes, A. Jefremow, M. Vieth, R. Schneider-Stock, P. Klinger, F. R. Greten, D. W. Threadgill, U. Sahin, M. F. Neurath (2013): Tumor fibroblast-derived epiregulin promotes growth of colitis-associated neoplasias through ERK. J Clin Invest Volume 123, issue 4 (Apr 2013)

Quelle: Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg


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