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Medizin

29. Mai 2012 Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft warnt: Behandlung von Infektionen kann Augen schädigen

Medikamente gegen Infektionen können Sehstörungen auslösen. Um dauerhafte Schäden an den Augen zu vermeiden, sollten Patienten Sehstörungen beachten und sich rechtzeitig vom Augenarzt untersuchen lassen. Darauf verweist die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG).
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Medikamente gegen Infektionen erreichen über den Kreislauf auch die Augen. „Dort haben oft kleinste Veränderungen schwere Funktionsstörungen zur Folge“, erläutert Professor Dr. med. Klaus-Peter Steuhl, Präsident der DOG aus Essen. Nebenwirkungen von Arzneimitteln am Auge entwickeln sich jedoch oft langsam, warnt der Mediziner. Die Patienten sprechen deshalb den Arzt erst spät darauf an. „Viele von ihnen können keine genaueren Angaben machen, da sie auf der Intensivstation behandelt werden oder ihnen die notwendigen Informationen über derartige Medikamente fehlen“, so Professor Steuhl. Um Schäden zu vermeiden, müsste das medizinische Personal auf Sehstörungen achten und gezielt danach fragen, fordert der Experte. Bei einigen Medikamenten rät er zu routinemäßigen augenärztlichen Untersuchungen.

Sehr häufig treten Sehstörungen bei der Behandlung von Pilzinfektionen mit Voriconazol auf, schildert Dr. med. Matthias Huber vom Institut für Klinische Pharmakologie und Toxikologie der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Diese können verschwommenes Sehen, Störungen des Farbensehens, oder Scheue vor Licht umfassen. Die Störungen gehen meist innerhalb von einer Stunde zurück. Sind sie sehr ausgeprägt oder halten länger an, rät Dr. Huber zu einer augenärztlichen Untersuchung. Eine mögliche Ursache sieht der Experte in hohen Medikamentenspiegeln im Blut, bei einzelnen Patienten auch aufgrund der Einwirkung durch andere Arzneimittel.

Bei der Behandlung bakterieller Infektionen können ebenfalls Sehstörungen auftreten. Das Antibiotikum Telithromycin, welches auch zur Behandlung von Lungenentzündungen eingesetzt wird, kann die Motorik der Augen stören. Dies verzögert mitunter den Wechsel von Fern- auf Nahsicht oder erzeugt Doppelbilder. Auch wenn sich die Beschwerden während oder nach Ende der Therapie zurückbilden, rät Dr. Huber zu einer augenärztlichen Kontrolle, um andere Ursachen auszuschließen. Das Antibiotikum Linezolid kann dauerhafte Schäden des Sehnervs verursachen – bis hin zum Verlust des Sehvermögens. Dieses Antibiotikum kommt bei Infektionen durch den Problemkeim MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus) zum Einsatz. Vor allem bei längerer Therapiedauer könne es zu dieser Neuropathie kommen, weshalb Dr. Huber zu vorsorglichen augenärztlichen Untersuchungen rät. Denn früh erkannt ließe sich die Therapie anpassen und eine – wenn auch meist langsam verlaufende – Besserung der Sehfunktion erreichen.

Bestimmte, auch häufig eingesetzte Medikamente gegen Infektionen können zu Sehstörungen führen, warnt die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG). Insofern seien Nebenwirkungen am Auge frühzeitig in die Therapieplanung einzubeziehen. Augenärztliche Kontrollen, etwa auch im Rahmen der Tuberkulosetherapie, seien möglichst vorab zu planen. Die DOG rät Ärzten, Pflegern und Patienten, auf Hinweise für Sehstörungen zu achten und frühzeitig einen Augenarzt hinzuzuziehen.

Literaturhinweis:
M. Huber, R. Stahlmann: Arzneimittelnebenwirkungen am Auge bei systemischer Therapie mit Antiinfektiva; Deutsche Medizinische Wochenschrift 2012 137 (03)

Quelle: Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft


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