Montag, 9. Dezember 2019
Navigation öffnen
Anzeige:

Medizin

25. April 2012 Deutscher Hospiz- und PalliativVerband: "Hospizhaltung und Palliativkompetenz müssen in Pflegeeinrichtungen selbstverständlich werden"

„Die Tendenz stimmt: Die Qualität in den Pflegeeinrichtungen hat sich verbessert. Der Bericht macht aber auch deutlich, dass noch viel zu tun ist. Eine hospizliche Haltung und eine gute Palliativkompetenz gehören noch immer nicht zum Selbstverständnis jeder Pflegeeinrichtung. Nur so aber können alle Bewohnerinnen und Bewohner bis zum Lebensende würdevoll begleitet werden. Wir werden uns weiterhin mit unserem Wissen und unseren Möglichkeiten mit allem Nachdruck dafür einsetzen“, so Dr. Birgit Weihrauch, Vorstandsvorsitzende des Deutschen Hospiz- und PalliativVerbands anlässlich der Veröffentlichung des 3. Pflege-Qualitätsberichts. Der GKV-Spitzenverband und der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen hatten den Bericht gestern gemeinsam veröffentlicht.
Regionale Untersuchungen zeigen, dass derzeit rund 30% der Menschen in einer Pflegeeinrichtung sterben. Diese Zahl wird mit Blick auf die demographische Entwicklung weiter zunehmen. Zusätzlich muss der besondere Bedarf von alten, hochaltrigen, pflegebedürftigen, mehrfach-chronisch erkrankten Menschen berücksichtigt werden. Betroffene müssen meist einen fortwährenden Abbau ihrer Leistungskraft hinnehmen und leiden häufig an einer Vielzahl von Beschwerden. Erschwerend können demenzielle Erkrankungen hinzukommen. Der Bericht macht deutlich, dass es gerade mit Blick auf zwei besonders wichtige Aspekte noch viel Verbesserungsbedarf gibt: Viele Pflegeeinrichtungen sind noch immer nicht ausreichend auf den Umgang mit an Demenz erkrankten Bewohnerinnen und Bewohnern vorbereitet. Und auch der Umgang mit Schmerzen ist dringend verbesserungsbedürftig, wenn man bedenkt, dass nur wenig mehr als die Hälfte der Bewohnerinnen und Bewohner, bei denen das erforderlich wäre, eine systematische Schmerzeinschätzung erhalten. Diese ist aber eine wesentliche Voraussetzung für eine angemessene palliative Therapie. „Es ist unser Anliegen, dass das Leben bis zum Lebensende lebenswert bleibt. Keiner soll angstvoll an seine letzte Lebenszeit im Pflegeheim denken“, so Dr. Birgit Weihrauch weiter.
Der DHPV erkennt aber ausdrücklich die erfolgreichen Bemühungen zahlreicher Pflegeeinrichtungen an, schwerstkranken Menschen und ihren Angehörigen einen Abschied in Würde zu ermöglichen. Seit langem engagiert sich der DHPV selbst bundesweit aktiv für die Integration einer angemessenen Hospizkultur und Palliativkompetenz in den stationären Pflegeeinrichtungen.

Bereits im Jahr 2006 hat der DHPV entsprechende Indikatoren und Empfehlungen veröffentlicht (http://www.dhpv.de/tl_files/public/Service/Broschueren/broschuere_hospizkultur-im-alten-u-pflegeheim.pdf ). Darüber hinaus hatte sich der DHPV gegenüber dem Gesetzgeber erfolgreich dafür eingesetzt, dass die Leistungen der ambulanten Hospizdienste und der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV) auch für Versicherte in stationären Pflegeeinrichtungen gelten. Zudem unterstützt der DHPV in Kooperationsprojekten wie bspw. dem AWO-Pilotprojekt „Abschiedskultur – Standards einer Hospiz- und Palliativkompetenz in den Pflegeeinrichtungen und Pflegediensten der AWO“ bundesweit die konkrete Umsetzung in Einrichtungen.
Der Verband distanziert sich in diesem Zusammenhang ausdrücklich von Kommentierungen im Vorfeld der Veröffentlichung. Es müsse darum gehen, konstruktiv zu weiteren Verbesserungen aktiv beizutragen, anstatt nur – mit noch dazu nicht belegbaren Äußerungen – zu kritisieren.

Der Deutsche Hospiz- und PalliativVerband, Dachverband von über 1.000 Hospizvereinen und Palliativeinrichtungen mit inzwischen rund 80.000 Ehrenamtlichen und zahlreichen hauptamtlich Engagierten, wurde im Jahre 1992 gegründet. Er vertritt deren Interessen und die Belange der schwerstkranken und sterbenden Menschen gegenüber Politik und Gesundheitswesen. Zahlreiche Organisationen und Persönlichkeiten der Hospizbewegung und Palliativmedizin sind darüber hinaus Mitglied im DHPV.

Quelle: Deutscher Hospiz- und PalliativVerband


Stichwörter

Das könnte Sie auch interessieren

Tagebuch hilft Pflegenden beim Erkennen eigener Bedürfnisse

Tagebuch hilft Pflegenden beim Erkennen eigener Bedürfnisse
© Sandor Kacso / Fotolia.com

Viele pflegende Angehörige nehmen ihre eigenen Bedürfnisse kaum mehr wahr. Die Sorge um den Angehörigen oder die Angst, der Aufgabe nicht gerecht zu werden, können den Blick auf sich und eigene Wünsche verstellen, erklärt Daniela Sulmann vom Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP). "Als erstes gilt es dann zu versuchen, sich selbst wieder stärker in den Fokus zu nehmen und zu formulieren, was man braucht." Das jedoch sei leichter gesagt als getan. Sulmann empfiehlt Pflegenden daher, ein Tagebuch zu führen.

Betroffene teilen Erfahrungen und geben Depression eine Stimme – nutzergenerierte Website gestartet

Betroffene teilen Erfahrungen und geben Depression eine Stimme – nutzergenerierte Website gestartet
© Artem Furman / fotolia.com

Eine interaktive und multimediale Aufklärungs-Webseite über Depression ist neu an den Start gegangen. Auf der Seite können Betroffene und Angehörige in eigenen Beiträgen über ihre Erfahrungen mit Depression berichten und der Erkrankung so eine Stimme geben. Die Betroffenen können für die Website schriftliche Erfahrungsberichte oder Audio- und Video-Dateien einreichen.

Antibiotika: Resistenzen vorbeugen – jeder Zweite unterschätzt seine Möglichkeiten

Antibiotika: Resistenzen vorbeugen – jeder Zweite unterschätzt seine Möglichkeiten
© anoli - stock.adobe.com

Mehr als die Hälfte der Bundesbürger (55 %) glaubt irrtümlicherweise, dass sie Antibiotikaresistenzen selbst nicht verhindern können. Und das, obwohl fast 9 von 10 Bundesbürgern (86 %) schon mal ein Antibiotikum verwendet und nahezu die gleiche Anzahl an Befragten (87 %) bereits von Resistenzbildungen gehört haben. Das sind die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage des Deutschen Gesundheitsmonitors des Bundesverbandes der Arzneimittel-Hersteller e.V. (BAH) vom Mai/Juni 2019. „Daran sehen wir, wie wichtig es ist, die Bevölkerung über...

Plötzlicher Blutdruck-Anstieg: Wann den Notarzt (112) rufen?

Plötzlicher Blutdruck-Anstieg: Wann den Notarzt (112) rufen?
© JPC-PROD / Fotolia.com

Regelmäßiges Blutdruckmessen ist die wichtigste Vorsorgemaßnahme, um die schwerwiegenden Folgen eines unbehandelten Bluthochdrucks wie Schlaganfall, Herzinfarkt, Herzschwäche, Vorhofflimmern oder Nierenschädigung zu verhindern. Besonders problematisch ist es, wenn der Blutdruck plötzlich ansteigt und Werte in Ruhe z. B. von 190-200 mmHg (oberer Wert) oder mehr erreicht. Für Patienten entscheidend für das weitere Vorgehen in dieser beunruhigenden Situation ist, ob der hohe Blutdruck nur mit geringfügigen Missempfindungen wie Gesichtsröte,...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Deutscher Hospiz- und PalliativVerband: "Hospizhaltung und Palliativkompetenz müssen in Pflegeeinrichtungen selbstverständlich werden""

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.