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Medizin

19. August 2019 Diabetes: Neue Klassifizierung?

Aktuelle Studien liefern Hinweise auf eine neue Betrachtung der bekannten Diabetes-Klassifizierung in Hinblick auf unterschiedlich hohe Risiken für Diabetes-assoziierte Komplikationen. Forscher des Deutschen Diabetes-Zentrums (DDZ) und ihre Partner vom Deutschen Zentrum für Diabetesforschung (DZD) und der Universität Lund in Schweden haben nun verschiedene Cluster identifiziert, die die Aufteilung des Diabetes in Subtypen ermöglichen. Zwei dieser Untergruppen weisen ein höheres Risiko für Fettlebererkrankungen und Neuropathie auf. Entsprechend dem Konzept der Präzisionsmedizin verdeutlichen diese Ergebnisse die Notwendigkeit einer gezielten Diagnose und Behandlung für diese Patienten.
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Phänotypisierung in Subtypen

Die herkömmliche Klassifizierung von Diabetes, hauptsächlich Typ-1- und Typ-2-Diabetes, wurde durch Studien aus Skandinavien in Frage gestellt. In der aktuellen Ausgabe von The Lancet Diabetes & Endocrinology veröffentlichten Forscher des DDZ zusammen mit Kollegen des DZD und der Universität Lund eine Cluster-Analyse, mit der die Phänotypisierung in Subtypen möglich war. Die Analysen kamen zu dem Resultat, dass das Risiko bestimmte diabetesbedingte Komplikationen zu entwicklen zwischen den Subtypen bereits in den ersten 5 Jahren nach der Diagnose bestand. Diese Ergebnisse stammen aus der prospektiven multizentrischen deutschen Diabetes-Studie (GDS), die Menschen mit neu diagnostiziertem Diabetes seit mehr als 10 Jahren begleitet.

Lesen Sie hierzu auch den journalmed.de-Schwerpunkt „Neue Diabetes-Typen und Subklassen“!

„Die neuen Subtypen werden dazu beitragen, präzise Präventions- und maßgeschneiderte Behandlungsstrategien für die jeweiligen Hochrisikogruppen zu entwickeln“, betonte Prof. Michael Roden, Düsseldorf. „Dies ist ein wichtiger Schritt in Richtung Präzisionsmedizin bei Diabetes und seinen Begleiterkrankungen."

5 Subtypen mit unterschiedlichen Risiken für Folgeerkrankungen

Die GDS wird bundesweit an 8 Standorten im Deutschen Zentrum für Diabetesforschung (DZD) unter der Leitung des DDZ (www.deutsche-diabetes-studie.de) durchgeführt. Für diese Analyse wurden 1.105 Teilnehmer anhand des prädiktiven Markers GADA (Glutamat-Decarboxylase-Antikörper), des Alters bei Diagnose, des Body-Mass-Index (BMI), des HbA1c-Spiegels und der HOMA-Indizes (Homöostasemodellbewertung) auf Insulinsensitivität und Insulinsekretion untersucht. Dabei wurde untersucht, ob eine umfassende metabolische Charakterisierung dieser Cluster bei der Diagnose validiert und sich weiter ausgestaltet. Ferner wurde analysiert, ob sich relevante Komplikationen und Begleiterkrankungen im Zusammenhang mit Diabetes, darunter die nichtalkoholische Fettleberkrankheit (NAFLD), Leberfibrose und diabetische Neuropathie, in diesen Clustern über einen Zeitraum von 5 Jahren unterscheiden lassen. Basierend auf dem Cluster-Algorithmus konnten verschiedene Subtypen mit unterschiedlichen Risiken für Folgeerkankungen identifiziert werden: milder altersbedingter Diabetes (MARD, 35%), milder adipositasbedingter Diabetes (MOD, 29%), schwerer autoimmuner Diabetes (SAID, 22%), schwerer insulinresistenter Diabetes (SIRD, 11%) und schwerer insulindefizitärer Diabetes (SIDD, 3%). Die Ergebnisse zeigen, dass insbesondere 2 Subtypen ein hohes Risiko für Komplikationen besitzen. Das höchste Risiko eine nichtalkoholische Fettleber zu entwickeln, lag beim Cluster des „schweren insulinresistenten Diabetes“ (SIRD) vor; für eine diabetische Neuropathie lag das höchste Risiko beim Subtyp „schwerer insulindefizitärer Diabetes“ (SIDD).

Gezielte Prävention durch Präzisionsmedizin

Mit Hilfe der neuen Diabetesklassifikation können Menschen mit Typ-2-Diabetes spezifischen Subtypen zugeordnet werden, die deutliche Stoffwechselveränderungen und unterschiedliche Risikomuster für die Entwicklung diabetesbedingter Komplikationen aufweisen. Eine gezielte Prävention und frühzeitige Behandlung bei bestimmten Untergruppen von Menschen mit Diabetes ist ein Schritt zur Präzisionsmedizin in Form von spezifisch abgestimmten Therapieformen, um Folgeerkrankungen zu verzögern oder sogar zu vermeiden.

Quelle: Deutsches Diabetes-Zentrum


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