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Medizin

21. Mai 2013 Diabetische Polyneuropathie: Differentialdiagnose und Behandlung

Während Diabetiker a priori eine ca. 30%ige Wahrscheinlichkeit haben, an einer klinisch relevanten diabetogenen Neuropathie zu erkranken, finden sich doch bei ebenso vielen Patienten mit Diabetes eine oder mehrere konkurrierende Ursachen einer Neuropathie. Experten diskutierten die aktuellen Herausforderungen der diabetischen Polyneuropathie im Rahmen des Diabetes Kongresses 2013 in Leipzig.

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Etwa jeder dritte Diabetiker ist von der distal-symmetrischen Polyneuropathie (DPN) betroffen, die unter Ausbildung von einerseits teils quälenden neuropathischen Schmerzen und andererseits schmerzlosen Fußulzera mit erheblichen Einschränkungen der Lebensqualität einhergeht. Neuere Untersuchungen legen nahe, dass bereits in Vorstadien des Diabetes (Prädiabetes), insbesondere bei einer Kombination von gestörter Nüchternglukose (IFG) und gestörter Glukosetoleranz (IGT) eine erhöhte Prävalenz der DPN vorliegt.

Die häufigsten unangenehmen oder schmerzhaften Sensationen in den Beinen beruhen auf schmerzhaften Neuropathien, dem Burning-feet-Syndrom oder dem Restless-legs-Syndrom. Typische Fälle des Burning-feet- oder Restless-legs-Syndroms lassen sich anhand der charakteristischen Beschwerden sicher identifizieren, doch ist gerade das Burning-feet-Syndrom oft Teilsyndrom einer schmerzhaften Polyneuropathie. Weitere konkurrierende Neuropathien erfordern eine gezielte klinische Untersuchung mit adäquater Labordiagnostik und häufig einer fachneurologischen Abklärung mit Nervenleitungsstudien und Elektromyographie, manchmal auch eine Nervenbiopsie. Gegen eine alleinige oder im Vordergrund stehende diabetische Genese sprechen eine Diskrepanz zwischen der Schwere des Diabetes zur Schwere der Neuropathie, frühzeitige Paresen mit Muskelatrophien bei relativ guter Sensibilität, eine frühere Betroffenheit der Arme als der Beine, ein asymmetrisches Verteilungsmuster sowie ein radikulitisches Beschwerdebild.

Die Therapie der diabetischen Neuropathie nach sicherer Differentialdiagnostik umfasst vier Ansätze: Die kausale Therapie mit dem Ziel einer Nahe-Normoglykämie, die pathogenetisch begründete Therapie, die symptomatische Therapie und die Vermeidung von Risikofaktoren und Komplikationen. Schmerztherapeutisch stehen insbesondere Antidepressiva (z.B. Duloxetin oder Amitriptylin), Kalziumkanal-α2δ-Modulatoren (z.B. Pregabalin) und - als Mittel der zweiten Wahl bzw. zur Kombinationstherapie - Opioide zur Verfügung. Eine Schmerzreduktion von mindestens 50% lässt sich durch eine Monotherapie mit diesen Substanzen bei ca. der Hälfte der Patienten erzielen. Potenziell sind bei den häufig multimorbiden Diabetes-Patienten Arzneimittelinteraktionen zu berücksichtigen. Die individuelle Verträglichkeit und die Berücksichtigung der verschiedenen Komorbiditäten des Diabetes wie Adipositas, koronare Herzkrankheit, autonome Neuropathie oder Depression sind für den Therapieerfolg ausschlaggebend.

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Quelle: Pfizer-Satellitensymposium "Schmerzen, ein fehlgeleiteter Stoffwechsel und Diabetes - ein Update zu metabolischen Aspekten und therapeutischen Herausforderungen", Leipzig, 9. Mai 2013


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