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Medizin

31. Mai 2012 Diabetogene Polyneuropathie erfordert effektive Schmerztherapie

Zu den schwerwiegenden Folgen des Diabetes mellitus zählt neben den kardiovaskulären Komplikationen auch die Polyneuropathie, die eine deutliche Einbuße an Lebensqualität nach sich zieht. Da mit einer Monotherapie nur etwa der Hälfte der Patienten zu helfen ist, ist praktisch immer eine Kombinationsbehandlung erforderlich. Sie soll nicht nur die Schmerzen effektiv bekämpfen, sondern darüber hinaus eine Verbesserung der Funktionalität, der Schlafqualität und der Lebensqualität insgesamt bewirken. Eine wichtige Rolle spielen dabei Substanzen wie Pregabalin, das seit 2006 auch zur Therapie zentraler neuropathischer Schmerzen zugelassen ist. Pregabalin ist sicher zu handhaben, da es keine pharmakodynamischen oder pharmakokinetischen Wechselwirkungen hervorruft.
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Zwischen 13 und 25% aller Diabetiker werden von einer schmerzhaften Polyneuropathie in Mitleidenschaft gezogen, und etwa jeder zweite Diabetiker klagt über Dysästhesien und/oder Parästhesien. Dennoch wird die Polyneuropathie in diagnostischer wie therapeutischer Hinsicht nach wie vor unterschätzt. Denn wie sonst wäre es zu erklären, dass rund 40% der Patienten, die an schmerzhafter Polyneuropathie leiden, keine ausreichende analgetische Medikation erhalten, fragte sich aus gutem Grund Professor Dan Ziegler, Düsseldorf.

Die periphere und chronisch schmerzhafte diabetogene Neuropathie manifestiert sich meist zuerst an den Unterschenkeln beziehungsweise den Füßen, und zwar stets symmetrisch. Charakteristische Zeichen sind Brennen, Taubheitsgefühl, Parästhesien, Schwächegefühl, Krämpfe oder allgemeine Schmerzen. Und trockene Füße signalisieren eine gestörte Schweißsekretion. Der neuropathische Schmerz zeichnet sich dadurch aus, dass er in aller Regel speziell nachts wahrgenommen wird und die Symptome sich bei Bewegung zurückbilden. Ist es umgekehrt, handelt es sich um die Folgen einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit. Für die Diagnostik reichen einfache neurologische Tests aus, die bilateral vorzunehmen sind. Damit ist relativ früh nachweisbar, dass Schmerz-, Berührungs-, Vibrations- und Temperaturempfinden reduziert sind.

Weniger Neuropathien durch intensivierte Diabetestherapie

Die einzige kausale Maßnahme zur Prävention und Therapie der diabetogenen Polyneuropathie ist die intensivierte antidiabetische Medikation, bei der der HbA1C-Wert unter 7% gesenkt wird. Gleichzeitig sind begünstigende Faktoren wie Rauchen und Alkoholabusus auszuschalten. Sind die Patienten trotz strenger Glukosekontrolle weiterhin nicht beschwerdefrei, ist laut Ziegler eine symptomatische Therapie angezeigt. Dafür eignen sich trizyklische Antidepressiva, Antikonvulsiva wie Pregabalin, Gabapentin oder Carbamazepin und langwirksame Opioide. Mit speziellem Muskel- und Sensibilitätstraining lassen sich die periphere Sensibilität und die Muskeldehnungsreflexe verbessern.

Klinisch bewährt hat sich Pregabalin (Lyrica®), das sich selektiv und hochaffin an die α2-δ-Untereinheit spannungsabhängiger Kalziumkanäle auf neuronalen Membranen bindet und auf diese Weise den Kalziumeinstrom in die Nervenzelle moduliert. Das Antikonvulsivum wird rasch resorbiert, erreicht die maximale Plasmakonzentration innerhalb einer Stunde und wird komplett renal eliminiert. Die Medikation wird mit einer täglichen Dosis von 150 mg gestartet. Liegen periphere neuropathische Schmerzen vor, ist nach drei bis sieben Tagen die Dosis zu verdoppeln. Nach weiteren sieben Tagen kann man die Höchstdosis von täglich 600 mg anstreben. Pregabalin lindert nicht nur den neuropathischen Schmerz, sondern verringert auch die Schlafstörungen, die eine Polyneuropathie häufig begleiten. Drei von vier Patienten werden aber immer noch mit Substanzen therapiert, die keinerlei Evidenz aufweisen, kritisierte Ziegler.

Pregabalin praktisch frei von Interaktionen

Patienten im Alter über 55 werden im Schnitt mit fünf Medikamenten behandelt. Hinzu kommt häufig die Selbstbehandlung mit pflanzlichen Präparaten, die unbedingt eruiert werden sollte, wenn sich unerwartete Wechselwirkungen einstellen. Auf jeden Fall zu fragen ist nach der Einnahme von Johanniskraut-Präparaten, weil sie ein extrem hohes Interaktionsrisiko aufweisen, warnte der Kaufbeurer Psychiater Dr. Gabriel Eckermann.

Auf der sicheren Seite ist man bei der Therapie der diabetogenen Neuropathie mit Pregabalin, das speziell bei einer komplexen Multimedikation eine sichere Substanz darstellt. Aufgrund der primär renalen Elimination durchläuft die Substanz keine komplexen Prozesse der Metabolisierung und kann deswegen durch eine Komedikation in seiner Wirksamkeit weder abgeschwächt noch verstärkt werden. Damit ist eine hohe Arzneimittelsicherheit gewährleistet. kbf

Quelle: Symposium „…doch alles nur reine Nervensache – unser Hirn, unser Hunger und die Folgen“ anlässlich der 47. Jahrestagung der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG), Stuttgart, 17. Mai 2012; Veranstalter: Pfizer Pharma GmbH, Berlin


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